Maremma: Auf den Spuren der Etrusker

Es ist rund 20 Jahre her, dass wir dem Rummel rund um Silvester zum ersten Mal für ein paar Tage entfliehen – und stattdessen mitten im eisigen Winter am Meer spazieren gehen wollen. Seit ein paar Jahren ist ein Fluchtgrund dazugekommen: Sammys Angst vor den Raketen. Im Naturschutzgebiet der Maremma werden wir alle unsere Ruhe haben, davon sind wir überzeugt. So kann man sich täuschen… 

Vier, fünf Tage am Meer – mehr sollte es eigentlich nie sein. Mittlerweile haben wir die naheliegenden Ziele in Kroatien und Slowenien allesamt abgeklappert, aber das ist nicht der einzige Grund, warum wir den Radius erweitern und einfach ein paar Tage länger weg bleiben. Rovinj, Porec, Piran, Krk – wo wir vor zwei Jahrzehnten als Touristen noch fast alleine waren, tummeln sich seit einigen Jahren die Urlauber, denen das Schifahren offenbar zu teuer geworden ist. Und sie haben alles mit im Gepäck: Die Kracher, die Raketen, den Alkohol.

Ein idealer Strand für Sammy. Das Wildschwein in Grossetto ist zum Glück nur aus Stein.

Also fahren wir Sammy zuliebe weiter weg. Die Maremma ist bereits so weit entfernt, dass sich ein paar Tage einfach nicht auszahlen. Also bleiben wir fast zwei Wochen. Wir fahren noch am zweiten Weihnachtsfeiertag in aller Früh weg und kommen ohne nennenswerten Zwischenstopp oder irgendwelchen Problemen gut zehn Stunden später in Follonica an. Wir haben ein Appartement etwas außerhalb des Zentrums, aber nahe am Strand gebucht – im 6. Stock eines Hochhauses, das sich, so wie einige andere Gebäude in Follonica, nicht wirklich einen Architekturpreis verdient hat. Egal, das Appartement ist klein, aber in Ordnung, wir haben eine Garage im Haus (mit abenteuerlich enger Zufahrt), und ein Conad ist auch gleich im Erdgeschoß. Der hat sogar am Feiertag noch spätabends offen. Wir decken uns mit Wein, Wurst und Brot ein und essen vorerst einmal im Appartement.

Noch am Abend erkunden wir kurz die Stadt. Es ist gar nicht so weit bis ins Zentrum, es gibt viele Lokale. Mit großen Sehenswürdigkeiten ist Follonica nicht gesegnet, dafür ist der Strand elendslang. Man könnte, sagt man, von der Puntone di Scarlino bis nach Piombino immer nur am Strand entlang gehen. Das wären dann rund 20 Kilometer…

Ein kleines Stück davon legen Sammy und ich am nächsten Morgen zurück. Geschlafen haben wir alle nicht besonders gut, was daran liegt, dass gleich beim Haus ein paar Irre einen Böller nach dem anderen abschießen. Obwohl sechs Stockwerke dazwischen liegen, dreht Sammy durch. Er hat enorme Angst, lässt sich nur schwer beruhigen. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten Tagen erwartet.

Follonica: Lange Strände, aber auch ein durchaus interessantes Zentrum.

Zurück zum Strand. Mit Sand unter den Beinen und dem Meer im Blickfeld geht es Sammy gleich einmal viel besser. Und dann kommt da auch noch eine nette Hundedame daher, die Sammys Laune noch viel besser werden lässt. Nach dem Frühstück gehen wir noch einmal den Strand entlang. Mittlerweile ist es sehr warm geworden, die Sonne scheint. Wir gehen bis zum Eingang in die Altstadt am Strand und trinken dort, direkt am Meer, in der Sonne Kaffee. Zurück ins Appartement gehen wir durch die Stadt und holen uns zur Stärkung ein paar verboten gute Torten aus dem kleinen Café neben dem Conad. Wir ruhen uns aus und gehen später ein drittes Mal an den Strand. Diesmal gehen wir in die andere Richtung, also quasi Richtung Piombino. Sammy fühlt sich wohl – bis eben das Unvermeidliche passiert. Ein paar Idioten zünden ihre Böller. Sammy bekommt es mit der Angst zu tun, zieht an der Leine – wir haben Angst, dass er sich erwürgt…

Wir hoffen, dass wenigstens am Abend in der Stadt etwas Ruhe ist. Bis ins Zentrum kommen wir problemlos, dann schießen die Idioten wieder. Wir flüchten in eine Pizzeria. Sammy ist noch ziemlich unrund, trotzdem sind die Kellner unglaublich nett. Wir bekommen einen Tisch im Eck, Sammy beruhigt sich langsam. Pizzen und Wein sind großartig. Am Weg nach Hause wird zum Glück nicht geschossen. Wir sind hundemüde und schlafen alle hervorragend.

Nach der obligaten Strandrunde mit Sammy fahren wir ein Stück in Richtung Süden. Wir wollen gleich einmal in den Parco Naturale della Maremma. Wir wählen den Eingang bei Marina di Alberese – der einzige frei zugängliche Eingang. Bei allen anderen gelangt man nur mit Bussen in den Park, und da darf Sammy nicht mit. Wir planen eigentlich ein paar Stunden im Park, aber daraus wird nichts: Hunde sind im Park streng verboten…

Die Strände der Maremma werden einfach der Natur überlassen.

Manuela bleibt mit Sammy im Auto, während ich wenigstens ein paar hundert Meter in den Park hineingehe, vor allem entlang des wunderbaren, weißen Strands, der unmittelbar hinter dem Parkplatz beginnt. Im Parkareal wird alles der Natur überlassen, das tote Holz und die alten Baumstämme bleiben liegen – im Wald ebenso wie am Strand. Die Chance, eine riesige Herde der legendären Rinder aus der Maremma mitsamt den Bùtteri, den Cowboys der Toscana, zu fotografieren, habe ich bereits bei der Fahrt am Rande des Naturparks nach Alberese verpasst. Eine Gruppe von Bùtteri hatte eine ganze Menge der weißen Rinder durch den Park getrieben, aber ich bin nicht stehengeblieben – in der Meinung, solche Herden auch später noch zu sehen. Ein Irrtum. Wir treffen nur noch vereinzelte Rinder am Rand der Straße.

Ein paar der weißen Rinder der Maremma sehen wir ja doch noch.

Wir fahren ein bisschen enttäuscht weiter nach Talamone. Das ist die Stadt an der Küste, in der 007 in „Ein Quantum Trost“ seinen Freund René Mathis trifft – auf dem traumhaften Balkon der Villa Le Torre, die man, gegen eine entsprechend hohe Gebühr, auch als Tourist bewohnen darf. Die Stadt sieht aus der Entfernung großartig aus, kann die Erwartungen dann aber – trotz imposanter Burg und Altstadt – nicht ganz erfüllen. 

Talamone: Einen Blick übers Meer hat sich hier auch James Bond gegönnt.

Wir fahren weiter ins Landesinnere, nach Maglione in Toscana. Die kleine, mittelalterliche Stadt ist von mächtigen Wehrmauern geschützt, aber um diese Jahreszeit ohnehin ziemlich verlassen. Wir drehen eine Runde durch die Stadt, dann flüchten wir uns angesichts des immer schlechter werdenden Wetters in ein Café. Hier gibt es definitiv alles, was man in einem mittelalterlichen Dorf gebrauchen kann: Kaffee und Kekse, Wein und Torten, Kuchen, Nudeln und Schnaps.

Maglione in Toscana: kalt – und keine Menschenseele auf der Straße.

Es ist kalt geworden, daher beschließen wir, zurück nach Follonica ins Appartement zu fahren. Dort bleiben wir – mit Ausnahme einer Runde mit Sammy am Strand. Bei absoluter Dunkelheit, denn der Vollmond versteckt sich gut hinter den dichten Wolken.

Mit rund 80.000 Einwohnern ist Grosseto die größte und wichtigste Stadt der Maremma. Rund um das Zentrum haben die Medici die Stadt mit einer dicken Mauer aus rotem Backstein geschützt – ein Sechseck mit einer gewaltigen Bastion an jeder Ecke.

Die Medici haben Grossetto einige imposante Bauten hinterlassen.

Auch der beeindruckende Duomo San Lorenzo erinnert mit seiner typisch toskanischen Architektur daran, dass Grosseto im Mittelalter eine der letzten Bastionen Sienas vor Rom war. Nach einer Runde durch die Altstadt genießen wir am Piazza Dante Caffé mit Blick auf den Duomo und das Denkmal von Leopoldo II.

Der Hauch von Siena kommt in Grossetto nicht von ungefähr.

Keine zehn Kilometer außerhalb von Grosseto tauchen wir in die Welt der Etrusker ein, die sich einst in der Toskana niedergelassen hatten. Roselle ist heute eine der bedeutendsten archäologischen Stätten der Toskana – früher war Rusellae eine wichtige Stadt der Etrusker und später, mittlerweile römisch, als Bischofssitz quasi das Fundament für Grosseto. Roselle liegt auf einem kleinen Hügel mit fantastischer Aussicht, zu sehen sind noch die Reste der Stadtmauer, Teile eines Amphitheaters, Fundamente ehemaliger Wohnhäuser und der Grundriss der alten Basilika. Der Weg zurück entlang der etruskischen Mauer ist, wie die gesamte Anlage, einfach beeindruckend.

Roselle: Auf den Spuren der Etrusker.

Am Nachmittag fahren wir weiter nach Punta Ala, eine in manchen Reiseführern als äußerst schöne Halbinsel hinaus auf das Tyrrhenische Meer beschrieben. Wir wollen den Sonnenuntergang erleben und fotografieren, schließlich soll der gerade hier besonders sein. Aber: so weit kommt es nicht. Punta Ala ist einfach nur grauenvoll, eine Siedlung mit Ferienhäusern und Touristenunterkünften – weitestgehend abgeschirmt von „fremden“ und offenbar vor allem unerwünschten Besuchern. Eine undurchschaubare Einbahnregelung, eine lange Einfahrt zum Hafen, in den wir dann aber eh nicht reinfahren können, kein Hinweis, auf welchem Weg man eventuell zum Meer gelangen könnte. Mögliche Zufahrten sind abgesperrt, die Parkplätze auch. Wir verstehen, dass wir hier wohl nicht auf dumme Gedanken kommen sollen und lassen Punta Ala und den Sonnenuntergang hinter uns. Stattdessen gehen wir in Follonica an den Strand. Den Sonnenuntergang sehen wir auch hier nicht: Die Sonne macht es wie der Vollmond gestern – und bleibt unsichtbar hinter einer dicken Wolkendecke. Dann beginnt es auch noch zu regnen.

Wir holen uns Pizza Diavolo Sarda aus der sardischen Pizzeria ums Eck und bleiben im Appartement. Bis kurz vor 2 Uhr schlafen wir gut, dann geht es unten vor dem Haus wieder los mit den Böllern…

Pitigliano: Nicht nur den Etruskern hat es hier gefallen.

Von Follonica aus brauchen wir zwei Stunden bis nach Pitigliano, einer alten Etruskerstadt im Landesinneren. Das Wetter ist heute schön und die über der Schlucht des Lente in einen Berg gebaute Stadt umso beeindruckender. Nach den Etruskern residierten die Römer in Pitigliano, die Orsini errichteten im Mittelalter innerhalb der Mauern noch einige prachtvolle Paläste und Kirchen – unter anderem den Palazzo Orsini und den Duomo Santi Pietro e Paolo. Anfang des 17. Jahrhundert fiel Pitigliano dann an das Großherzogtum Toscana. 

Auch die Römer haben sich in Pitigliano mit ein paar Prachtbauten verwirklicht.

Wir gehen durch die Via Roma bis ans andere Ende der Stadt, jede einzelne der engen Seitengassen und der vielen Stiegenaufgänge ist faszinierend. Über das Ghetto, das hier Piccola Gerusalemme heißt, kommen wir zurück zu den großen Plätzen am Ortseingang und zum Aquädukt mit seinen 15 Bogen. 

Jede Gasse und jede Stiege erzählt ihre eigene Geschichte.

Wenn wir schon einmal in der Nähe sind, wollen wir Sovana nicht auslassen – eine bedeutenden Etruskersiedlung mit der Piazza del Pretorio auf der einen Seite und einem spektakulären, verfallenen Dom auf der anderen. Der kleine Ort ist schön, aber nach einer Viertelstunde hat man alles gesehen, die Museen ausgenommen, die wir mit Sammy aber ohnehin nicht besuchen könnten.

Auch Saturnia wollen wir mitnehmen. Wir fahren zuerst in den Ort und trinken Café am Hauptplatz, dann machen wir uns auf die Suche nach den legendären heißen Quellen. Gar nicht so einfach. Wir landen in einer Therme, von der aus man zu den Cascate del Mulino gelangen könnte. Wir überlegen nicht lange: Mit Sammy in eine Therme ist sowieso nicht so einfach, Badesachen haben wir auch keine mit – also fahren wir weiter. Von der Straße gegenüber sehen wir dann direkt auf die Cascate und die vielen Menschen, die sich auf vergleichsweise wenigen Quadratmetern im Wasser auf die Zehen steigen. 

Kein Mensch ist in Saturnia – die sind offenbar alle in die Cascade del Mulino eingetaucht.

Das Wetter wechselt immer wieder von leichtem Regen zu Sonne – perfekt für ein paar Fotos von der toskanischen Landschaft. In Follonica wollen wir in die Pinseria Etrusca ums Eck gehen, laut Reiseführer die beste weit und breit. Das wissen aber auch die anderen. Das Lokal ist zwar noch leer, aber restlos ausgebucht. Wir disponieren um und holen eine Pizza für daheim aus der Pizzeria Pina. Auch diese Idee haben viele andere auch – es dauert mehr als eine Stunde, bis die Pizzen fertig sind.

Toskana eben…

Diesmal ist bis drei Uhr früh Ruhe, aber dann kracht es nicht nur unten vor dem Haus. Ein enormer Knall, das Haus wackelt noch im 6. Stock regelrecht…

Silvester. Das Wetter ist endlich so, wie wir uns das in der Toskana vorgestellt haben. Sonnig, sehr mild, kaum Wolken am Himmel. Ich gehe mit Sammy ans Meer, danach fahren wir Richtung Monte Amiata. Das ist mit 1738 Metern der höchste Berg in der Toskana und ein geschützter Wildpark. Wir haben den Nationalpark Paklenica im Hinterkopf, wo wir einen der angenehmsten, schönsten und ruhigsten Silvestertage verbracht haben. Ein paar Wanderer, aber keine Böller oder Feuerwerke! Im Parco Faunistico del Monte Amiata wird es ähnlich sein, davon sind wir absolut überzeugt. Zwei Stunden fahren wir in den Norden der Toskana, durch traumhafte Landschaften und vorbei an spektakulär in die Hügel gesetzte Dörfer. Das Wetter ist noch immer traumhaft, als wir die ersten Serpentinen hinauf auf den Monte Amiata nehmen. Aber dann wird es rasch dunkler und kühler, nebelig und regnerisch. Und mystisch: weiß-graue Bäume, von dichtem Moos überzogene Steine, umhüllt von immer dichter werdendem Nebel. Wir kommen an ein paar Skiliften vorbei, ehe wir oben am Gipfel ankommen.

Kaum steigen wir aus dem Auto aus, geht es los: Auch hier, mitten im Naturpark, wird munter drauflosgeschossen…

So schön könnte es am Monte Amiata sein!

Wir überlegen kurz, ob wir gleich wieder umdrehen sollen, entscheiden uns aber dazu, zu bleiben und ein Stück zum Gipfelkreuz zu gehen. Sammy hat sich diesmal ohnehin wieder rasch beruhigt, mehr Stress machen ihm da schon die Hunde, denen wir begegnen. Entweder sind es schöne Hundedamen oder leicht aggressive Rüden – beides bringt ihn ein wenig aus der Fassung. Je näher wir dem Gipfelkreuz kommen, desto weniger sehen wir– und umso kälter wird es. Statt den zuvor 15 hat es oben am Gipfel gerade einmal 0 Grad! Das Gipfelkreuz aus Stahl ist spektakulär, wir machen ein paar Fotos und gehen dann weiter. Die Frage, wie wir weitermachen, stellt sich gar nicht mehr. Die Leute schießen weiter, also drehen wir um und beschließen, weiter unten am Monte Amiata spazieren zu gehen. Auch das lassen wir bleiben, weil es plötzlich stark zu regnen beginnt.

Wir fahren zurück nach Follonica und wollen eine ausgedehnte Runde am Strand machen. Das Wetter ist wieder schön, und es ist ruhig. Aber nicht lange: Plötzlich beginnt auch hier die Schießerei – und jetzt dreht Sammy so richtig durch. Er zieht wie verrückt, ich laufe mit ihm an der Leine über den Strand, damit er sich nicht erwürgt. Wir haben Mühe, mit ihm zurück ins Appartement zu kommen. Er bekommt kaum mehr Luft, hat bereits eine ganz blaue Zunge – und beruhigt sich auch im Appartement den ganzen Tag nicht mehr. Wir essen daheim, trinken Sekt von Ferrari und beschließen, über Silvester nicht mehr wegzufahren. Mittlerweile ist es daheim wohl ruhiger…

Wir beginnen das neue Jahr mit einem Spaziergang am Strand. Es ist warm und ruhig, aber kurz vor dem Zentrum von Follonica bringt ein Kracher Sammy wieder aus dem Gleichgewicht. Gott sei Dank kommen ein paar andere Hunde und vor allem die Hundedame, die es Sammy schon am ersten Tag angetan hat. Das bringt ihn auf andere Gedanken…

Naturpark mit einem Hauch von wrong turn.

Am Nachmittag wollen wir in den Naturpark Montioni, der gleich in der Nähe von Follonica liegt. Weil das Navi wieder in Hochform ist, brauchen wir aber lange, bis wir endlich bei einer Tafel landen, die besagt, dass der Naturpark hier beginnt. Wir fahren noch ein Stück mit dem Auto über einen schlechten Weg, dann versperrt ein Schranken den Weg. Wir überlegen, ob wir richtig sind, als ein Mann aus dem vermeintlichen Naturpark kommt und den Schranken öffnet. Das, sagt er, ist sein Zugang, der richtige Eingang zum Naturpark wäre ganz woanders. Aber wir können auch hier ein bisschen spazieren gehen, meint er. Wenn wir den Hund anleinen – und auf die Wölfe achtgeben würden, die hier jederzeit auftauchen können. 

Gut, wir haben verstanden. Wir drehen um und fahren zum „echten“ Eingang. Der Umweg lohnt sich, der Wald ist irgendwie anders, mystisch wie aus einem Märchen. Wir gehen ein Stück hinein in den Wald, drehen aber rechtzeitig um, damit wir nicht in der Finsternis herumirren müssen. Und wer weiß, vielleicht stimmt das mit den Wölfen ja doch.

Zurück in Follonica gehen wir noch einmal an den Strand, allerdings nur kurz. Irgendein Typ lässt es wieder krachen.

Der Monte Argentario zeigt sich auch im Winter von seiner besten Seite.

Mittlerweile ist der 2. Jänner. Und offenbar haben die Toskaner jetzt die Lust an den Böllern und Krachern verloren. Die Runde am Strand verläuft angenehm und ruhig, Sammy kann sich ganz auf die netten Hundedamen fokussieren, die wir treffen. Danach fahren wir zur Monte Argentario, einer bis zu 630 Meter hohen Insel, die durch ein paar Dämme mit dem Festland verbunden ist. Das Wetter ist traumhaft, als wir in Porto Santo Stefano ankommen. Wir gehen rauf auf die Burg, trinken Café unten im Hafen und fahren dann auf der Panoramastraße eine Runde um die spektakuläre Insel, auf die sich um diese Jahreszeit bedeutend weniger Touristen verirrt haben als im Sommer.

Die Zeit scheint in Castiglione irgendwann einmal stehengeblieben zu sein.

In Castiglione della Pescáia, wieder auf dem Festland, gehen wir durch enge Gassen hinauf zur mittelalterlichen Rocca Aragonese, genießen den traumhaften Ausblick und danach unten im Ort noch einen Kaffee. Sammy gefällt es hier. Das liegt vor allem an einer wunderschönen Hundedame, in die er sich offenbar spontan verliebt. Als ihm die nicht die erhoffte Aufmerksamkeit schenkt und einfach weitergeht, jault er enttäuscht und traurig auf…

Wir haben noch Massa Maríttima ausständig. Die Stadt war im Mittelalter Zentrum des Bergbaus der Region und gilt laut Reiseführern als städtebauliches Juwel. Die kleine Stadt ist tatsächlich die wohl schönste in der Maremma. In der Città Vecchia drängen sich alle wichtigen Gebäude rund um die leicht ansteigende Piazza Garibaldi, darunter auch der Duomo di San Cerbone und der Palazzo del Podestà.

Ein Prachtbau neben dem anderen: Massa Maríttima ist ein städtebauliches Juwel.

Wir trinken Bier und Aperol in einem Lokal unter Arkaden, dann fahren wir weiter nach Scarlino, ein kleiner Ort auf einem Berg. Auch hier besuchen wir die obligate Festung, dann drehen wir eine Runde durch das Zentrum und schließen danach mit der Maremma ab.

Eine Runde noch durch Massa Maríttima, dann der letzte Stopp in Scarlino.

Nur eines fehlt uns noch: Die Pinsa in der Pinseria Etrusca. Wir bekommen diesmal einen Tisch in dem urigen Lokal – und eine tatsächlich wunderbare Pinsa. 

Venedig liegt am Weg – da können wir einfach nicht vorbeifahren.

Wir fahren nicht direkt nach Hause, sondern machen noch eine Zwischenstation in Venedig. Das hat schon Tradition: Wann immer möglich, bleiben wir für ein paar Tage in Venedig. Wir lassen das Auto am Piazzale Roma stehen, fahren mit dem People Mover hinein in die Stadt und gehen dann in die Calle de le Ostreghe zum Hotel Torino, das wir nur zufällig finden: der Name des Hotels steht nicht auf einem Schild oder an der Tür, sondern – am Boden. Wir checken bei einem netten, alten Herrn ein und fahren dann mit einem Lift, der gefühlt ein paar Jahrhunderte alt ist, hinauf in den dritten Stock. Eine Herausforderung: Damit sich der Lift bewegt, muss man den Knopf dauernd drücken. Das Zimmer ist klein, aber schön, und das Bett besteht Sammys obligaten Test. 

Immer wieder faszinierend…

Es ist schon 17 Uhr, als wir endlich in die Stadt gehen können. Venedig ist diesmal gerammelt voll mit Touristen, so schlimm war es um diese Jahreszeit eigentlich noch nie. Fotografieren mit dem Stativ ist unmöglich, also schalten wir einen Gang zurück und trinken Wein bei der Rialto. Danach schlendern wir ein bisschen die Kanäle entlang, ehe wir die Birraria am Sao Paolo ansteuern und es mit Pizza und Tiramisu ein wenig übertreiben. Am nächsten Tag ist es mit den Menschenmengen besser. San Marco und Sospiriu vor dem Frühstück, dann eine große Venedig-Runde.

Ein paar neue Winkel entdecken wir neben den bekannten Seiten Venedigs doch immer wieder.

Wie jedes Mal sind wir überrascht, dass wir wieder ein paar Ecken neu entdecken oder bisher noch nie so richtig wahrgenommen haben. Das Wetter hält, trotz miserabler Vorhersage, bis in den späten Nachmittag an. Noch einmal Wein bei der Rialto, noch einmal San Marco, noch einmal vorbei an Harrys Bar. Es beginnt zu regnen, also flüchten wir ins Hotel und ruhen uns ein paar Stunden aus. Am Abend regnet es stark, wir kaufen einen Schirm und finden ein gutes Lokal bei San Marco. Vorspeise, Tortellini, Fisch, Tiramisu – wir müssten es eigentlich besser wissen. Aber hin und wieder muss man sich eben überwinden. Nachdem der Regen einen letzten Stadtbummel verhindert, sind wir um 8 Uhr bereits im Hotel.

Ein letzter Blick auf die Gondeln.

MAREMMA

Provinzhauptstadt: Grosseto

Geschichte: Die Maremma ist ein sumpfiges Küstenland in der Toskana zwischen Follonica und dem Monte Argentario. Die Etrusker waren die ersten, denen es gelang, das Land teilweise trockenzulegen. Doch bereits unter den Römern setzte sich die Natur wieder durch, die Malaria ein enormes Problem. Erst im späten 19. Jahrhundert gelang es den Habsburgern, die Region einigermaßen trockenzulegen. 

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