Kalabrien: Ein Fall für die Familie

Kalabrien ist Familiensache. Nein, nicht nur wegen der ‚Ndrangheta. Immer, wenn wir nach Kalabrien fahren, ist zumindest ein Teil der Familie mit dabei – diesmal sind wir für ein paar ebenso traumhafte wie unerwartete Sonnentage sogar vollzählig. Nur von der ‚Ndrangheta merken wir auch beim dritten Urlaub in Kalabrien nichts.

Weihnachten 2021: Unsere Kinder überraschen uns mit einem gemeinsamen Geschenk – mit einem Urlaub wie früher, als die Kinder klein und wir alle noch zusammen unterwegs waren. Das wirft zwar unsere Urlaubspläne für 2022 gehörig durcheinander, aber wir freuen uns trotzdem. Obwohl es gar nicht so einfach ist, sechs erwachsene Personen und einen Hund unter einen Hut zu bringen. Die wenigsten Probleme bereitet die Destination: Kalabrien ist rasch und ohne nennenswerte Diskussionen beschlossen. Schwieriger ist da schon der Termin. Nachdem der eine nur in den Schulferien kann und der andere unbedingt im Meer baden möchte, schlagen wir gegen jede Überzeugung Ende August vor. Geht nicht, weil das Frequency in St. Pölten für unsere Söhne ein Pflichttermin ist. Gegen Juli und Anfang August wehren wir uns mit Händen und Füßen: zu viele Menschen, zu heiß – nichts für uns und schon gar nichts für Sammy. Irgendwann landen wir bei den Herbstferien, aber die sind spät. Wir einigen uns auf Mitte Oktober bis Anfang November. Das mit dem Baden im Meer wird sich an ein, zwei Tagen schon ausgehen. Hoffentlich …

An Kalabrien haben alle nur die besten Erinnerungen – auch Sammy. Im Herbst 2015 ist Italiens Süden die erste große Reise seines Lebens und vielleicht die Initialzündung für seine Reiselust. Mit dabei damals auch unser ältester Sohn. Wir waren ein paar Wochen an der Westküste von Kalabrien – in Zambrone, ziemlich genau zwischen Tropea und Pizzo. Zwei Jahre später war – mit unserer Tochter und deren Freund – die Ostküste dran: Wir hatten im Internet ein fantastisches Ferienhaus mit unglaublichem Blick aufs direkt darunter liegende Meer entdeckt und kurzerhand gebucht, ohne uns groß über die Gegend Gedanken zu machen. Ein Glückstreffer: Die Ísola di Capo Rizzuto entpuppte sich als schlichtweg grandios.

Auch diesmal fahren wir an die Ostküste, allerdings ein Stück weiter in den Süden. Staletti heißt der Ort, von dem wir zuvor noch nie gehört haben. Unser Haus liegt hoch über dem Meer, auf einem Berg und ist nur über eine enge, steile Straße erreichbar. Die Aussicht über das Mar Ionico ist aber fantastisch und entschädigt allemal dafür, dass wir mit dem Auto hinunter ans Meer fahren müssen.Wir bilden mit Sammy die Vorhut und fahren ein paar Tage vor dem Rest der Familie gemütlich mit dem Auto gen Süden. Unsere Tochter und ihr Freund fliegen ein paar Tage später nach Rom und mieten dort ein Auto, unsere beiden Söhne kommen mit dem Flugzeug nach Lamezia Terme nach.

Ein See in der Toskana

Erste Station: Der Lago di Bilancino bei Barberino di Mugello.

Sammy steigt schon am Vorabend unserer Abreise ins Auto – und will sicherheitshalber gar nicht mehr raus. Wie immer ist er schon Tage zuvor ziemlich nervös. Wir nehmen uns viel vor für die erste Etappe: 870 Kilometer sind es bis zum B&B Villa di Largo, das in der Nähe von Barberino di Mugello an einem See mitten in der Toskana liegt. Wir kommen nach einer lockeren Fahrt kurz vor 17 Uhr an und beziehen das kleine, aber recht schöne Zimmer. Viel altes Holz und alte Möbel und ein Badezimmer, das gegenüber liegt und absolut nichts für auch nur ein wenig beleibtere Menschen ist. Gott sei Dank haben wir vor der Abreise noch ein bisschen Diät angesetzt, sonst würde ich kaum in die enge Dusche kommen…Sammy ist das egal. Jetzt ist er froh, endlich wieder aus dem Auto zu kommen. Wir machen einen kleinen Spaziergang am Lago di Bilancino und fahren dann weiter nach Barberino. Restaurant finden wir im Zentrum keines, dafür gibt es jede Menge Lokale bei einem Outlet Center am Stadtrand. Wir entscheiden uns für das Il Collo, nehmen Pizza und Wein und fahren bald zurück in die Villa di Largo.

Keine Ruhe an der Costa d’Amalfi

Bevor wir im Haus frühstücken, gehen wir noch ein bisschen durch den wunderbaren Garten der Villa di Largo. Danach fahren wir weiter nach Vietri sul Mare, der kleinen Stadt am Eingang zur Costiera amalfitana. Schon lange wollen wir dorthin, jetzt erscheint die Gelegenheit gut: Es ist schon eher Ende Oktober, daher gehen wir davon aus, dass die Touristenschwärme auch von der Amalfiküste abgezogen sind. Aber bevor wir uns mit der Küste befassen können, müssen wir ohnehin noch das B&B Elisa finden – und das ist trotz Fotodokumentation der Vermieter mehr als schwierig. Wir fahren ein paarmal im Kreis, weil wir den Parkplatz nicht finden. Und auf der Straße kann man in Vietri nicht einmal kurzzeitig halten. Nach einigen Runden und ein paar schwierigen Telefonaten schaffen wir es doch noch. Die Vermieter sind nett, das Appartement schön. Und Sammy bekommt sogar eine eigene Decke. Für die Küste ist es zu spät, also gehen wir direkt in die Stadt. Vietri ist schön, der Andrang der Touristen tatsächlich abgeflaut. Nach einer Pizza und großartigem Wein von der Costiera amalfitana verziehen wir uns – müde und satt – ins Appartement.

Vietri sul Mare am Tor zur Costa d’Amalfi.

Bis nach Torre Elena, dem Ort unterhalb von Staletti, ist es nicht allzu weit, nur knapp 360 Kilometer, also nutzen wir wie geplant den Vormittag noch für eine Tour entlang der Amalfiküste. Es ist kurvig, wir kommen nur langsam voran – aber die Küste ist wunderschön. Nach fast eineinhalb Stunden kommen wir nach Positano. Wir wollen stehenbleiben und irgendwo am Hafen Caffè trinken – aber daraus wird nichts. Die ganzen Touristen – vermutlich zwar viel weniger als im Sommer, aber immer noch viel mehr als genug – haben sich offenbar rund um Positano niedergelassen, von einem Parkplatz weit und breit keine Spur. Wir resignieren und fahren zurück Richtung Vietri sul Mare. Der Verkehr wird von Minute zu Minute stärker, die Fahrt ist auf der schmalen, kurvigen Straße anstrengend. Wir brauchen für die knapp 60 Kilometer mehr als drei Stunden…

Die Costa d’Amalfi und Positano. Parkplatz gibts dort keinen.

Dafür geht es Richtung Torre Elena recht zügig weiter. Wir wollen uns mit Antonella bei der Blue Gallery Bar treffen, damit sie uns zum Haus nach Staletti bringt. Eigentlich denke ich, dass wir in ein paar Hundert Metern da sind, aber es dauert. Nach einigen Kilometern bergauf biegt Antonella ins Gestrüpp ab, wir fahren noch ein schönes Stück über einen schmalen Schotterweg, dann erreichen wir das Haus in der Contrada sarusi. Es ist groß, typisch italienisch-chaotisch, aber die Terrasse ist fantastisch.

Ein Strand perfekt für Sammy

Pietragrande: Einer der schönsten Strände an der Ostküste Kalabriens.

Wir lassen es ruhig angehen, erkunden ein wenig die nähere Umgebung und legen uns ein paar Stunden an den Strand. Zuerst in Soverato, es ist warm, der Sandstrand ist breit, das Meer ruhig. Perfekt für Sammy, der sich in Kalabrien ganz offensichtlich wieder pudelwohl fühlt. Bei einem Caffè in Soverato treffen wir Antonella wieder, dann fahren wir zurück zum Pietragrande, jenen Strand, der am nächsten zu unserem Haus liegt – und der noch schöner als die anderen in der Gegend ist. Wir bleiben ein paar Stunden, dann fahren wir zurück zum Haus. Am nächsten Tag landen unsere Söhne am frühen Nachmittag in Lamezia Terme. Ich hole die beiden ab. Sammy kann es gar nicht glauben, dass die beiden plötzlich da sind. Wir fahren noch zum Pietragrande und essen später in Soverato Pizza. Nach einem Tag am Strand von Soverato ist die Familie komplett: Tochter und Schwiegersohn landen am Abend in Rom, steigen ins Mietauto um – und kommen um 4.30 Uhr in Staletti an. 

Weißer Sand, herrlich blaues Wasser: Sammys Lieblingsstrand in Soverato.

Ein Sommer im November

Es ist Ende Oktober, aber die Temperaturen sind hoch wie Ende August. Es ist sehr warm, die Sonne scheint – obwohl wir so spät wie selten zuvor unterwegs sind, ist hier unten in Kalabrien Badeurlaub angesagt. Bis zu unserer Abreise im November ändert sich das Wetter nicht.

Pietragrande mit dem „Mörderhorn“.

Im Reiseführer heißt es, dass Copanello II der schönste Strand von ganz Kalabrien ist. Mag sein, wir finden ihn nicht. Also bleiben wir am Pietragrande, wo ein paar Meter vom Strand entfernt ein gewaltiger Felsen aus dem Meer ragt. Die Buben haben rasch einen Namen gefunden: Mörderhorn. Irgendwann muss er erklommen– und von der Spitze ins Meer gesprungen werden. Aber das kann noch warten. 

„Ich bleib’ jetzt einmal hier…“

Wir kochen am Abend Spaghetti Carbonara, ich schneide die Zutaten mit dem neuen, höllisch scharfen Messer, das ich gekauft habe, weil die Messer im Haus ziemlich stumpf sind. Selber schuld! Ich rutsche ab – und schneide mir ein Stück von der Daumenkuppe ab. Die Kinder verarzten mich, es tut trotzdem extrem weh – aber nicht so sehr, wie in den Tagen darauf beim Wechseln des Verbandes…

Nicht immer so einsam: Der Strand in Soverato.

Pflichtbesuche

Wir stehen in aller Herrgottsfrühe auf und fahren quer über die Berge hinüber an die Ostküste. Wir nehmen uns jene Orte vor, die bei einem Kalabrien-Trip nicht fehlen dürfen – und die wir auch noch nie ausgelassen haben: Reggio di Calabria, Tropea, Pizzo.

Der Reihe nach. Wir beginnen ganz unten im Süden, in Reggio di Calabria. Wir frühstücken und gehen dann den Lungomare Falcomatà entlang, den Blick immer wieder über die Meerenge von Messina nach Sizilien und auf den Ätna gerichtet. Wir gehen an der Arena dello Stretto vorbei, einem Amphitheater mit Blick auf das Meer, passieren „Opera“, die 46 Säulen aus Metalldraht, und – auf der anderen Seite des Lungomare, die spektakulären Skulpturen der Bildhauerin Paola Epifani. Dann gehen wir in die Stadt, zum Piazza Duomo mit der Maria SS. Assunta, der größten Kathedrale Kalabriens. Am Corso Garibaldi erledigen wir, was wir uns diesmal für Reggio vor allem vorgenommen haben: einkaufen. 

Am Lungomare Falcomatà in Reggio di Calabria.

Das Castello Aragonese lassen wir aus, obwohl es eines der wenigen Gebäude ist, die das Erdbeben von 1908 einigermaßen verschont hat. Ein Beben der Stärke 7,1 hatte jede Menge Gebäude und Brücken zerstört und Menschen getötet. Und was dann noch stand, wurde von einem Tsunami mit rund 12 Meter hohen Wellen verwüstet…

Pizzo: Der Blick von der Piazza Republicca auf Meer und Castello Murat.

Wir fahren weiter nach Pizzo und gehen über die kleinen Gassen zum Castello Murat. Gioacchino Murat hatte einst eine Rebellion gegen die Bourbonen angeführt, doch in Pizzo wurden die Franzosen geschlagen – und Murat, immerhin Napoleons Schwager, eingesperrt. Immer wieder faszinierend ist der Ausblick von der Piazza della Repubblica über das Meer und den Lungomare Cristoforo Colombo. Wir bleiben oben am Platz, um einmal mehr Pizzos größte und unverschämt gute Errungenschaft zu genießen – das Tartufo, geschmolzene Schokolade in einer Eiskugel versteckt.

Die engen, steilen Gassen von Pizzo. Danach hat man sich ein Tartufo verdient.

Weiter nach Tropea. Von allen Städten in Kalabrien ist Tropea die faszinierendste. Dass die Stadt zum Synonym für all die Schönheiten von Kalabrien geworden ist, verwundert nicht. So viele Orte hängen hier förmlich in den Felsen, warten mit einladenden Plätzen und verwinkelten Gassen auf, lassen wunderbare Blicke auf das Meer und hinüber zu den Äolischen Inseln zu – aber Tropea ist immer eine Spur besser, eine Spur schöner und geheimnisvoller.

Allein die Lage auf einem Tuffsteinfelsen hoch über dem Meer und die zauberhafte Altstadt mit den engen Gassen und lebendigen Plätzen wird wohl Grund genug gewesen sein, dass Tropea 2021 als schönster Borgo Italiens ausgezeichnet wurde. Jetzt, Ende Oktober, kann man sich in Tropea trotz immer noch vieler Touristen recht locker bewegen, auf der Piazza Vittorio Veneto einen Caffè und von der Largo Villetta ziemlich ungestört den Blick hinüber auf die Isola Bella mit der Chiesa Santa Maria d‘Isola genießen. 

Tropea – das Synonym für die Schönheiten Kalabriens.

Sammy schaut lieber nach unten – auf das Mar Piccolo und den Spiaggia Le Rocette. 2015, als Sammy gerade einmal ein Dreivierteljahr alt war, waren wir ein paarmal an diesem Strand, der zu den schönsten, aber auch meistfrequentierten in Kalabrien zählt. Heute ist er, trotz hoher Temperaturen, nur recht spärlich besucht. Trotzdem können wir Sammys Wunsch, hier noch einmal in das kristallklare Meer zu springen, nicht erfüllen. Es ist spät – und wir haben Hunger. Wir landen in einer versteckten Pizzeria und essen mehr, als uns allen guttut. 

Spiaggia Le Rosette: So leer ist der Strand nur selten…

Die Fahrt nach Hause zieht sich. Schuld daran ist natürlich das Navi, das uns nicht über die Autobahn, sondern quer über die Berge hinüber nach Staletti schickt. Wenige Meter vor dem Haus noch ein kleiner Schock: Aus dem Gebüsch springt urplötzlich eine Wildschweinfamilie…Zum Glück können wir ausweichen. Die Wildschweine bleiben aber in unserer Nähe – wir hören sie beinahe jeden Abend rund um unser Grundstück grunzen.

Città dei due mari

Mut hat man eben…

Das Wetter bleibt in den nächsten Tagen traumhaft. Also macht sich eine gewisse Routine breit: Marlene und ich besorgen in der Panificia Antica in Staletti Brot und Cornetti und trinken einen ersten Caffè in der Jolly Bar. Dann Frühstück gemeinsam auf der Terrasse – und ab ans Meer. Die Buben besteigen das Mörderhorn am Pietragrande und springen aus gut 15 Metern ins Wasser, wir finden auch den tatsächlich traumhaften Copanello II.

Pietragrande und Copanello: einer schöner als der andere.

Dann ist es für unsere Söhne auch schon wieder vorbei. Wir fahren um 5 Uhr Früh los zum Flughafen in Lamezia Terme, danach wieder Strand. Sammy ist begeistert. So viel Strand und Meer war noch nie im Urlaub! Er jagt dem Ball nach, springt ins Meer, versucht Sand und Wasser zu fangen – und das immer wieder und immer wieder.Mittlerweile ist November – und noch immer bestes Badewetter. Wir unterbrechen das Faulenzen am Strand nur einmal für einen kurzen Ausflug nach Tiriolo.

Tiriolo: Enge Gassen zwischen den Meeren.

Der kleine Ort, den angeblich schon Homer in der „Odyssee“ beschrieben hat, liegt auf 690 Meter Höhe und kann mit einer Besonderheit aufwarten: Von hier aus sieht man das Ionische Meer im Osten ebenso wie das Tyrrhenische Meer im Westen. Wir gehen von der Piazza Italia über steile, verwinkelte Gassen hinauf zum Castello und zum Monumento di Ulisse – und vorbei an den vielen Häusern, über deren Eingang eine ziemlich miese Fratze hängt – ein maloccio. Wer Opfer des „bösen Blicks“ geworden ist, dem droht so manche Unpässlichkeit, sagen die Kalabresen. Ist mir egal, ich war schon vorher verkühlt, und der Daumen tut zum Glück nicht mehr so weh wie noch vor ein paar Tagen.

Pythagoras mag man wieder

Crotone: Vielleicht ein bisschen chaotisch, aber eben Süditalien pur.

Wir haben noch drei Tage allein in Kalabrien, nachdem Marlene und Erdi wieder Richtung Rom gefahren und von dort zurück nach Wien geflogen sind. Wir haken den nächsten Fixpunkt ab: Crotone. Die Hafenstadt gilt nicht unbedingt als absolute Schönheit, aber wir mögen die Stadt, die im 8. Jahrhundert vor Christus von den Griechen gegründet wurde, trotzdem. Wegen der alten Bauten wie dem Castello di Carlo V., dem engen Piazza Duomo – und nicht zuletzt wegen der vielen Geschäfte. Wir finden auch diesmal einiges an Gewand und können uns beruhigt im Café zurücklehnen, das wir in Crotone jedes Mal besuchen und in dem Sammy immer im Mittelpunkt steht. Die meisten Geschäfte gibt’s rund um die Piazza Pitagora. Heute erinnert man sich gerne daran zurück, dass Pythagoras, der Schrecken aller Mathematikschüler, seinerzeit in Crotone gelebt hat. Der alte Mathematiker war aber auch ein ziemlicher Moralapostel – und als solchem ging ihm das Lotterleben der Krotoner, die ihr „Leben lebten, ohne viel nachzudenken“, gewaltig gegen den Strich. Die Begeisterung für den Philosophen kippte ziemlich schnell ins Gegenteil – und die Krotoner jagten Pythagoras samt seinen engsten Anhängern aus der Stadt.

Pizza und Donner zum Abschied

Noch einmal Strand und ein letzter Sonnenuntergang am Pietragrande.

Das Wetter bleibt traumhaft und warm. Selbst die Einheimischen können sich kaum daran erinnern, dass es jemals so lange perfektes Badewetter gegeben hat. Wir bleiben die meiste Zeit am Pietragrande und fahren immer nur am späteren Nachmittag nach Soverato, um uns im Soverato Dolce mit Eis oder diversen Süßigkeiten einzudecken. Für den letzten Abend haben wir uns die Pizzeria Il San Gregorio in Staletti aufgehoben. Kein Problem, dass wir nicht reserviert haben – das Lokal ist leer, wir sind die einzigen Gäste. Erst nach und nach gesellen sich ein paar Einheimische herein, die aber nur Pizzen mit nach Hause nehmen. Aber das Personal ist unglaublich freundlich, die Pizzen und der Wein hervorragend. Wir ärgern uns, dass wir nicht öfter im San Gregorio waren…Aus der geplanten ruhigen Nacht vor der Abreise wird dann aber nichts. Das Wetter schlägt um, ein gewaltiges Gewitter zieht stundenlang über Staletti und Torre Elena. Sammy zittert, springt ins Bett, ist kaum zu beruhigen.

Einmal geht die Sonne noch auf…

San Benedetto statt Pescara

Eigentlich haben wir Pescara als erste Station am Weg zurück nach Hause eingeplant. Allerdings ist die Wettervorhersage fürchterlich, also disponieren wir um und buchen ein kleines Appartement in San Benedetto del Tronto. Es sind rund 800 Kilometer, also kommen wir erst relativ spät dort an. Das Quartier ist hervorragend, auch die Stadt an der Adria gefällt uns recht gut. Viel sehen wir aber nicht, wir gehen vor zum Meer und dann hinauf in die Altstadt, dann beschließen wir den Tag in der Antica Osteria del Borgo in der Nähe unseres B&B mit fantastischem Essen. Das Frühstück ist beim B&B Largo Fileni inkludiert – und außergewöhnlich. Chiara, die Vermieterin, kommt und kocht uns Omelett und Kaffee, danach gibts auch noch Kuchen.

Sammys venezianischer Abgang

So viel Zeit muss sein: Ein Abstecher nach Venedig.

An Venedig können wir natürlich nicht vorbeifahren. Von San Benedetto del Tronto ist es nicht mehr allzu weit. Wir kommen recht früh am Piazzale Roma an und checken um Punkt 14 Uhr im Hotel Tivoli in der Ca‘ Foscari ein. Der Wetterbericht hat eigentlich ein bisschen Aqua alta angesagt, aber das bleibt uns dann doch erspart. Es ist zwar kühler als im Süden, aber relativ schön. Wir starten unsere Tour mit Caffè und Tiramisu, machen in unserem Stammlokal am Kanal hinter dem Mercato di Rialto Pause bei einem Glas Lugana und gehen noch einmal zurück ins Hotel. Sammy bekommt sein Futter, dann brechen wir ins Restaurant Dolfin gleich in der Nähe auf. Statt einem Liter Wein bekommen wir dort „nur“ eine Flasche. Macht nichts, der Wein schmeckt ebenso gut wie die Pizza. Der Abgang wird dann irgendwie kurios. Exakt in dem Moment, als die Kellnerin mit der Rechnung kommt, entfleucht Sammy Unüberriechbares. Wir können uns das Lachen nicht verkneifen, die Kellnerin kassiert und sucht das Weite, die anderen Gäste schauen indigniert. „Und die wollten einen Liter …“Wir frühstücken im Hotel, während Sammy im Zimmer auf uns wartet. Er erspart sich den Anblick einer Menschenmenge, die ohne Rücksicht auf Verluste das Buffet stürmt.

Der Canal Grande von der Rialto.

Wir halten uns zurück und trinken lieber später noch Kaffee auf dem Weg zur Piazzale Roma. Im Einkaufszentrum bei Marcon decken wir uns noch mit Wein und Kaffee und diversen Dingen ein, die uns länger an Italien und Kalabrien erinnern sollen. Ist auch dringend nötig, denn nach traumhaftem Badewetter im November müssen wir uns an die Kälte daheim erst wieder gewöhnen.

KALABRIEN

Einwohner: 2 Millionen.
Hauptstadt: Catanzaro.
Regionen & Sprachen: Fünf Provinzen (Cosenza, Reggio di Calabria, Catanzaro, Crotone, Vibo Valenta). Italienisch; Grekanisch, Areresh.
Geschichte: Erste Besiedlung in der Steinzeit etwa 13.000 v. Chr. Ab 750 v. Chr. kamen die Griechen nach Kalabrien, ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. begann die Herrschaft der Römer. Ab rund 500 n. Chr. unterschiedliche Herrschaften: Ostgoten, Langobarden, Byzantiner, Normannen, Staufer und Bourbonen. Ende des 18. Jahrhunderts fielen die französischen Truppen ein, ehe Vittorio Emanuele II. erster König eines vereinigten Italien wird. Zwischen 1960 und 1970 verlassen Hundertausende Kalabrien, um im Norden Arbeit zu finden

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