Beim dritten Versuch hat es doch noch geklappt: Wir haben es tatsächlich bis nach Montenegro geschafft, und diesmal kann uns nichts die Laune verderben – kein Stau, kein Virus, kein Zollbeamter, der sich Sammys Dokumente zu Gemüte führen möchte.
Vor vielen Jahren hatten wir uns eingebildet, einfach einmal so für ein paar Stunden von Korcula hinüber nach Montenegro zu fahren. Im Anschluss an einen ausgiebigen Besuch von Dubrovnik und alles an einem Tag wohlgemerkt. Dass das schiefgehen musste, das wissen wir heute. Die paar Kilometer an der Küste entlang bis zur Grenze – lang, heiß und mühselig. Dann eine gute Stunde vertrödelt, weil die Montenegriner und Kroaten bei der Grenzkontrolle ihren Spaß hatten. Und später, endlich drinnen in Montenegro: Stau. Nach ein paar Kilometern und gefühlten Stunden haben wir das Unternehmen Montenegro weit vor Herceg Novi abgebrochen – dem Nervenzusammenbruch näher als dem einzigen Fjord des Mittelmeers.
2020 wollten wir es noch einmal versuchen, diesmal wirklich ernsthaft und für zwei Wochen. Alles perfekt geplant, das Appartement mit fantastischem Blick auf Sveti Stefan gebucht. Und dann – Corona. Wieder nichts mit Montenegro.

Großartig: Der Blick vom Balkon hinunter auf das Meer.
Dann eben später! Im Herbst 2023 schaffen wir es endlich, finden ein tolles Appartement in der Nähe von Budva und bekommen sogar noch rechtzeitig all die angeblich nötigen Dokumente und Zeugnisse für Sammy zusammen. Denn mit dem Hund nach Montenegro zu fahren ist keine einfache Geschichte, zumindest wenn man nichts riskieren und ordnungsgemäß einreisen möchte.
Also, den EU-Heimtierausweis brauchen die Hunde natürlich auf jeden Fall, zusätzlich ist ein Antikörper-Titer-Test nötig, der muss natürlich auch ein entsprechendes Ergebnis bringen. Mindestens 21 Tage vor der Einreise ist eine Tollwutimpfung nötig, entwurmt muss der Hund sein und eine Bescheinigung vom Amtstierarzt braucht es auch. Die darf wiederum maximal drei Tage vor der Reise ausgestellt sein.
So gut, so schwierig. Den Titer-Test haben wir schon vor der coronabedingt abgesagten Reise machen lassen, irgendwo haben wir im Hinterkopf, dass ein Hund das nur einmal im Leben machen muss. Aber stimmt das auch? Im Internet werden wir nicht fündig. Also schreiben wir an die Botschaft, fragen, ob der Titer-Test von anno dazumal reicht und was wir sonst noch alles brauchen. Die freundliche Antwort kommt rasch, hilft aber nur bedingt weiter. Beim Titer-Test sind wir so gescheit wie zuvor. Ansonsten bekommen wir ein gut 20-seitiges Formular mitgeschickt, das wir und der Amtstierarzt vor der Einreise ausfüllen müssen. Wir verstehen es nicht und nehmen das Ganze drei Tage vor der Abreise mit zum Amtstierarzt. Der kennt sich auch nicht aus, statt des ausgefüllten Formulars bekommen wir ein kurzes Schreiben mit, und den Rat, den Amtstierarzt einfach anzurufen, wenn es an der Grenze Probleme geben sollte. Unsere Tierärztin versucht ebenfalls alles und wünscht uns viel Glück.
Dass wir nach Montenegro weiter nach Albanien fahren und dann wieder über Montenegro nach Hause wollen – also genau genommen dann wieder einen albanischen Tierarzt konsultieren müssten – wollen wir dann erst gar nicht mehr klären.
An der Grenze haben wir ein mulmiges Gefühl: Wir haben fast den ganzen Impf- und Papierkram erledigt, aber eben nur fast. Nach der Grenze sind wir dann enttäuscht: Die Beamten würdigen Sammy keines Blicks, geschweige denn, dass sie irgendwelche Papiere von ihm sehen möchten.
Seoce: Das Dorf über dem Meer
Aber da haben wir ohnehin schon andere Sorgen. Der Wetterbericht verheißt nämlich gar nichts Gutes. Schwere Regenfälle und Stürme sind angesagt, sogar Überschwemmungen kündigt die Wetter-App für Budva an. Aber auch an der kroatischen Küste soll es ungemütlich werden. Davon spüren wir nichts, als wir am Morgen in Baska Voda, wo wir einen Zwischenstopp eingelegt hatten, wegfahren. Das Navi meint, dass wir über Bosnien fahren sollten, aber ich weiß es natürlich wieder einmal besser und fahre Richtung Dubrovnik, vor allem, weil ich über die neue Brücke von Neum fahren möchte. Ein spektakuläres Bauwerk hinüber auf die Insel, das die Fahrt tatsächlich angenehmer macht, weil man sich die früher immer gut kontrollierten Grenzübergänge mit Bosnien erspart. Aber nach der Brücke ist es vorbei mit den gut ausgebauten Verkehrswegen. Wir brauchen lange bis zur Grenze nach Montenegro. In Kamenari nehmen wir die Fähre hinüber nach Lepetani. Die kostet gerade einmal 5 Euro und spart massiv Zeit.





Die Stones haben auf der anderen Seite des Jaz gespielt. Diese Seite ist aber noch schöner.
Unser Appartement liegt etwas außerhalb von Budva in Seoce, einem kleinen Dorf über dem Meer. Der Blick hinunter von der Terrasse auf den Plaza Jaz, den ewig langen Strand, auf dem die Stones 2007 vor rund 45.000 Menschen ein legendäres Konzert gegeben haben, ist sensationell. Es regnet noch immer nicht, also fahren wir nach Budva, trinken Kaffee und Bier in der schönen Altstadt und kaufen ein für das Abendessen.


Vor dem Gewitter: Herrliche Stimmung am Jaz.
Den Wein können wir noch auf der Terrasse genießen, obwohl es immer windiger wird. Und dann geht es los: Sturm, starker Regen, ein heftiges Gewitter. Sammy flippt total aus: wenn er sich vor etwas fürchtet, dann sind das Blitz und Donner. Nach ein paar Stunden ist der Spuk vorbei, die Überflutungen sind zum Glück ausgeblieben.
Herceg Novi: Die Stadt der Sonne – und der Stufen…
Das Wetter bleibt in den nächsten Tagen unbeständig. Immer wieder einmal Regen und Gewitter. Also nehmen wir uns zuerst einmal die Städte vor. In Herceg Novi merken wir gleich einmal, dass die Stadt nicht umsonst für ihre vielen Stufen – 100.000 sollen es sein – berühmt ist. Also stärken wir uns gleich einmal am Trg Nikola Durkovica direkt unter dem Uhrturm, den der alte Sultan Mahmut im 17. Jahrhundert errichten ließ, mit einem Kaffee. Über die Stufen neben beim Uhrturm gehen wir hinauf zum Belvedere, genießen den Ausblick und kämpfen uns weiter zur Festung Kanli luka, die noch recht gut erhalten ist und im Sommer für diverse Open-air-Veranstaltungen genutzt wird. Dann beginnt es wieder heftig zu regnen, aber nach ein paar Minuten ist die Sonne wieder da. Wir wollen hinunter in die Altstadt, aber das Tor, durch das wir in die Festung gekommen sind, ist fest verschlossen. Ein paar andere Urlauber stehen vor demselben Problem, draußen wollen auch welche rein.






Bergauf, bergab: In Herceg Novi führen unzählige Stufen zur Festung und zum Meer.
Kein Problem, sagt man uns im Visitors Center. Die Dame, die zuvor am Tor den Eintritt kassiert hatte, habe den Eingang zugesperrt, weil sie dort nicht im Regen sitzen könne. Aber kein Problem, es gebe ja eh noch einen zweiten Eingang. Bloß, den finden wir lange nicht – und die anderen Urlauber auch nicht. Erst nach einiger Zeit können wir doch noch raus aus der Festung…
Es ist wieder schön, deshalb gehen wir hinunter zum Hafen, zum kleinen Strand Plaza zalo und zum Forte mare. Von der Festung steht nach dem Erdbeben von 1979 nicht mehr viel, einige Teile liegen im Meer. Spätestens am Weg zurück zum Trg Nikole Durkovica merken wir, dass die Geschichte von den 100.000 Stufen vielleicht doch nicht so übertrieben ist.






Stufen haben wir genug gesehen, die Sonne hat sich in Herceg Novi aber nicht blicken lassen…
Beim Auto gesellt sich einer der vielen streunenden Hunde zu uns. Er sucht offenbar Anschluss, aber mitnehmen können wir ihn natürlich nicht. Ich versuche ihn abzulenken, während Manuela und Sammy ins Parkhaus zum Auto gehen. Allerdings habe ich mich bei der Wahl der Mittel wohl vergriffen: Die Leckerlis sind für ihn kein Argument zu bleiben – jetzt will er gar nicht mehr weg von mir. Mit treuherzigem Blick folgt er mir vier Stockwerke hinauf zum Auto. Es tut weh, ihn zurücklassen zu müssen.
Budva: Das Erbe der Venezianer
Die Altstadt von Budva ist nur ein paar Kilometer von unserem Appartement entfernt. Nicht nur deshalb fahren wir immer wieder einmal hinein in die Stadt: die engen Gassen sind Ende September gut belebt, aber bei weitem nicht so überlaufen wie im Hochsommer. Die älteste Stadt an der montenegrinischen Küste kann nicht verleugnen, dass sie vor einem halben Jahrtausend von den Venezianern erobert wurde. Das Gassengewirr, Kirchen wie Sv. Ivan und der Glockenturm Sahat kukla erinnern an Venedig und Dubrovnik. Sammy hat in den Gassen allerhand zu riechen, findet nette Hundedamen und viele menschliche Bewunderer. Es dauert lange, bis wir das MB Ice Club, den angeblich besten Eissalon der Stadt finden – und draufkommen, dass wir schon am ersten Tag Kaffee dort getrunken haben. Das Eis hält, was der Reiseführer verspricht.


Vieles erinnert in Budva an Venedig und Dubrovnik.
Derart gestärkt erklimmen wir die Stadtmauer, die Budva ebenfalls den Venezianern zu verdanken hat. Heute kann man die Stadt da oben umrunden und dabei das Gedränge unten in den Gassen der Altstadt beobachten.
Direkt von der Altstadt und dem Stadtstrand führt ein spektakulärer Weg die Klippen entlang, vorbei an der kleinen Balletttänzerin und einigen eindrucksvollen Felsformationen bis zum Plaza Mogren. Ein schöner Strand, aber der weitläufige Jaz ist uns lieber. Dort gibt es bei Jedro, dem kleinen Café, genügend Liegen, um Sonne und Meer zu genießen. Sammy mag den Jaz auch. Das Meer ist flach, der Sand fein – ideal für einen Hund, der für sein Leben gerne schwimmt und ausgedehnte Strandspaziergänge liebt. In Richtung Budva wird der Jaz ein bisschen felsiger und spektakulärer, perfekt für Fotos zu jeder Tageszeit.





Enge Gassen, Kirchen, Stadtmauer, Hunde und Katzen – das macht Budva aus.
Von unserer Terrasse aus sehen wir nicht nur aufs Meer, sondern auch auf das El Rey, ein Restaurant neben der Straße und direkt über dem Wasser. Allein der Blick über die Bucht ist einen Besuch wert, auch die Pizzen sind großartig. Mit Sammy dürfen wir nur auf die Plätze im Freien, aber das ist gut so.






Die Balletttänzerin ist Budvas berühmteste Bewohnerin. Sammy erkundet lieber die Stadtmauer.
Mit den Restaurants haben wir ohnehin Glück in Budva. In der Altstadt wirbt die Pizzeria Lav ungeniert damit, die besten Pizzen der Stadt zu haben. Wir erwarten uns daher nicht viel, müssen aber zugeben: die Pizzen schmecken echt gut. Außerhalb von Seoce fallen wir an einem Abend spät in einem eher unscheinbaren Lokal direkt neben der Straße ein, dem Restoran Sebelj. Wir nehmen Prsut aus Njegusa und Käse als Vorspeisen, danach Cevapcici und gegrillten Calamari – alles schmeckt wunderbar und hat nur einen Nachteil. Es ist viel zu viel. Von einem anderen Lokal schwärmt der Reiseführer ganz besonders, was zumeist ja nichts Gutes zu bedeuten hat. Bei Jadran direkt am Hafen von Budva in der Slovenska obala, wo ein Lokal das andere jagt, ist das anders. Wir sitzen direkt über dem Meer, die Kellner sind im Stress, aber unglaublich freundlich, Essen und Wein großartig.



Am schmalen Pfad entlang der Klippen genießt nicht nur Sammy die Sonne.
Kotor: Es wird eng in den Gassen
Großartig – das passt auch ganz gut zu Kotor. Die Stadt ist noch eine Spur imposanter als Budva, noch venezianischer und natürlich noch touristischer. Auch im September und Oktober wird es in den schmalen Gassen der Altstadt ziemlich eng. Das war nicht immer so, sagen die Historiker. Denn Kotor galt immer als ziemlich uneinnehmbar: vorne das Meer, dahinter die steil aufragenden Berghänge des Lovcen-Gebirges, an denen man seinerzeit noch sicherheitshalber massive Befestigungsmauern errichtet hat, damit die Feinde wohl erst gar nicht auf die Idee kommen sollten, die Stadt anzugreifen.





Touristen und Katzen bevölkern Kotor. Ungeklärt bleibt, wer in der Überzahl ist.
Das hat auch gut funktioniert – zumindest bis die Touristen mit ihren Kreuzfahrtschiffen in die Bucht vor Kotor eingefallen sind. Die Ungetüme sind – und das ist nicht einmal wirklich übertrieben – beinahe so groß wie die ganze Altstadt von Kotor…
Wir kämpfen uns durch die Gassen von einer Attraktion zur nächsten: vom Uhrturm am Trg od oruzla zur Zitadelle und zum Palata prima, zum Dragopalast und zur Kathedrale Sv. Tripuna. Sammy wird in den belebten Gassen etwas hektisch – viel zu viele Menschen, und dann sind da auch Unmengen an Katzen, eine ständige Bedrohung für einen furchtsamen kleinen Aussie…








Die Gassen sind eng, die Bucht ist es auch. Aber das schreckt die Kreuzfahrer nicht ab…
Kotor hat sich mit seinen Katzen abgefunden. Sie sind keine Belästigung mehr, sondern Touristenattraktion, viele Läden werben mit den Katzen von Kotor, von denen es fast so viele gibt wie von den Touristen. Bevor wir zurück nach Budva fahren, machen wir noch einen Abstecher ein Stück weiter den Fjord hinauf nach Perast. Die Gegend ist beeindruckend mit dem Fjord und dem mächtigen Lovcen-Massiv dahinter. Wir bleiben oberhalb von Perast stehen und gehen die steilen Stufen hinunter in die alte Seefahrerstadt. An der Strandpromenade gibt es unzählige Lokale direkt am Meer und noch mehr Boote, die die Touristen hinaus zu den berühmten kleinen Inseln bringen – zur Kircheninsel Gospa od Skrpjela und zum – für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen – Benediktinerkloster Sveti Dorde. Wir verzichten auf die Bootsfahrt, drehen eine Runde an der Strandpromenade und kämpfen uns vorbei am 55 Meter hohen Campanile wieder hinauf zur Straße.




Die alte Seefahrerstadt Perast.
Podgorica: Der kühle Charme des Ostens
Nach Kotor, Herceg Novi und Budva ist die montenegrinische Hauptstadt Podgorica wie ein Kulturschock. Keine Spur mehr von venezianischem Flair, dafür hat sich die Stadt viel vom ehemaligen Charme des Ostblocks erhalten. Das beginnt schon bei der Suche nach einem Parkplatz: Blok V heißt das Viertel, in dem wir eine Parkgarage finden – gut einen Kilometer vom Zentrum entfernt. Der Platz über der Garage besteht vor allem aus Beton, der Bulevard Ivana Crnojevica führt kerzengerade ins im Planquadrat angelegte Nova Varos, über die Njegoseva gehen wir zum Trg rebublike.






Mit venezianischem Flair kann Podgorica nicht dienen.
Auch hier: viel Beton, ein Springbrunnen in der Mitte – und ein riesiges Hard Rock Café, in dem wir das Flair des Platzes und der Stadt einmal auf uns wirken lassen. Innenstadt und Geschäfte geben nicht allzu viel her, also wandern wir in Richtung Moraca, einem der beiden Flüsse (der zweite ist die Ribnica), die mitten durch die Stadt fließen. Die spektakuläre Most milenijum ist das moderne Highlight der Stadt und führt ins Novi Grad, unter dem Hügel Gorica grenzt auch das ebenfalls recht moderne Fußballstadion direkt ans Zentrum an. Wir überqueren den Fluss über eine Fußgängerbrücke und gehen weiter bis zur neuen orthodoxen Kathedrale in Novi Grad. 20 Jahre hat man dem Gebäude gebaut, dafür hat Podgorica aber auch eine der größten Moscheen des Balkans bekommen. 17 Glocken läuten in den vielen Türmen, eine davon wiegt stolze elf Tonnen – und ist damit die schwerste am Balkan. Im Inneren der Moschee ist jeder einzelne Zentimeter mit Fresken bemalt. Eine davon zeigt die Hölle – und mittendrin die Herren Tito, Marx und Engels…
Skutarisee: Ein Paradies für Vögel
Wir haben uns an diesem Tag nicht nur die Hauptstadt vorgenommen, sondern auch einige der interessantesten Landschaften Montenegros. Aber wir merken rasch, dass wir nicht alles schaffen werden. Den Moraca-Canyon streichen wir schweren Herzens schon auf der langen Anfahrt nach Podgorica, dafür wollen wir die sogenannten Niagara-Fälle sehen, die nur ein paar Kilometer außerhalb der Stadt sind. Hinweisschilder sehen wir keine, das Navi ist keine Hilfe, wir verfahren uns – und resignieren. Wir müssten mindestens zehn Kilometer zurückfahren, außerdem sagt der Reiseführer, dass die Niagara-Fälle im Sommer nicht allzu spektakulär sind. Also weiter zum Skutarisee.



Der größte See am Balkan ist ein Paradies für Vögel und Pflanzen.
Der Skadarsko Jezera ist mit einer Fläche von rund 500 Quadratkilometern der größte See am Balkan und ein Paradies für Vögel. Nirgendwo sonst in Europa ist die Vielfalt an Vogelarten dermaßen groß wie hier. Die Vögel finden am Skutarisee eine weitestgehend unberührte Natur vor – Seerosen, seltene Pflanzen und Tiere.
Ziemlich naturbelassen ist auch die Straße, die wir den See entlang in Richtung Rijeka Crnojevica nehmen. Die Fahrt ist abenteuerlich und gespickt mit fantastischen Ausblicken auf den See. Rijeka Crnojevica, früher durchaus überregional bedeutsame Stadt, heute Ausgangspunkt für Bootstouren durch das Seengebiet, ist aber eher enttäuschend. Es ist ohnehin schon recht spät, also gehen wir nicht einmal mehr spazieren und fahren zurück nach Seoce. Sammy ist heilfroh, dass er aus dem Auto kommt. Die schmale, kurvenreiche Straße, die steilen Abgründe am Rand und einige ziemliche Idioten hinter dem Steuer behagen ihm nicht wirklich. Wir gehen hinunter zum Strand, da kann er sich austoben.
Lovcen: Weltkulturerbe und Abenteuer
Die Straßen und Montenegro, das ist so eine Geschichte, vor allem, wenn es hinauf in die „schwarzen Berge“ geht. Von Kotor aus führt eine Straße in den Lovcen-Nationalpark, eine enge Serpentinenstraße, die zumeist schon für ein einzelnes Auto zu schmal und entsprechend abenteuerlich ist. Dabei würde die Landschaft rundherum, die Berge oben und das Meer unten, ja allein schon die volle Aufmerksamkeit verdienen. Ob wegen der Aussicht oder des Abenteuers – die Straße ist jedenfalls schon die längste Zeit UNESCO-Welterbe. Zum Glück gibt es immer wieder Parkplätze, von denen man die Aussicht über das Land in aller Ruhe genießen kann. Beeindruckend ist der Blick auf die Bucht von Kotor, und furchterregend auch: Von oben sieht man in aller Deutlichkeit, dass die gigantischen Kreuzfahrtschiffe für die enge Bucht zur Belastung werden müssen.






Fürst Petar II. thront im Mausoleum. Noch beeindruckender als das Gebäude ist der Ausblick.
Oben auf dem Gipfel des Jezerski vrh thront das imposante Njegos-Mausoleum, in dem zwei gut vier Meter hohe Statuen den Sarkopharg des Dichters und Fürsten Petar II. Petrovic-Njegos bewachen. Mit „Gorski vijenac“ – auf Deutsch: „Der Bergkranz“ – hat der gute Mann das angeblich bedeutendste Werk Montenegros verfasst. Vermutlich wollte er dort oben ja seine Ruhe haben. Das ist ihm allerdings nicht ganz geglückt – das Mausoleum ist eine der meistbesuchten Attraktionen Montenegros. Es zahlt sich aber auch aus, die abenteuerliche Straße und danach noch die 400 durch einen Tunnel hinauf zum Mausoleum führenden Stufen zu bezwingen. Wegen des Denkmals, natürlich, aber noch mehr wegen der unglaublichen Aussicht von der Plattform dahinter.




Einfach traumhaft: Der Nationalpark Lovcen lässt sich auf vielen Wegen erwandern.
Sammy sind Mausoleum und Plattform egal, er freut sich mehr auf die Wanderung durch den Lovcen-Nationalpark. Ein Stück unterhalb des Denkmals führen mehrere Wanderwege hinein in unberührte Naturlandschaften. Im September sind die Verkaufsstände leider zu, aber in der Saison können wohl die wenigsten Wanderer den Verlockungen des Njegusi prsut und des sir widerstehen. Der Schinken soll der beste im ganzen Land sein.
Cetinje: Die etwas andere Stadt





Irgendwie anders: Cetinje, die alte Hauptstadt der Montenegriner.
Wenn man schon einmal oben im Lovcen-Gebirge ist, dann sollte man auch auf einen Sprung in Cetinje vorbeischauen. Die Stadt hat vor allem historische Bedeutung: Als die Osmanen im 15. Jahrhundert im Land eingefallen waren, zog es Metropolit Ivan Crnojevic sicherheitshalber vor, nach oben in die Berge zu flüchten und seinen Amtssitz nach Cetinje zu verlegen. Danach blieb die Stadt jahrhundertelang bedeutsam. 1878 wurde Montenegro am Berliner Kongress als eigener Staat anerkannt – mit Cetinje als erste Hauptstadt des Landes. In der Folge wurde mehrere Botschaften in Cetinje errichtet, aber allzu lang hielt sich die Stadt nicht als Hauptstadt. Denn schon recht bald wurde Podgorica, das damals noch Titograd hieß, zur Hauptstadt ernannt – und mit Cetinje ging es sukzessive bergab. Geblieben ist der Stadt mit den alten Botschaftsgebäuden ein etwas eigentümlicher Flair. Erst auf den zweiten Blick wird die Stadt, die so ganz anders ist als andere Städte, interessant. Viel Grün, viele Alleen, eine „grüne“ Fußgängerzone, breite Straßen, riesige Parks und viele Museen – einen Zwischenstopp ist Cetinje allemal wert, viel mehr aber auch nicht.
Ulcinj: Tor zum Orient
Je weiter man in Montenegros Süden vordringt, desto näher ist man dem Orient. Knapp vor der Grenze zu Albanien dominieren in Ulcinj Minarette und Moscheen, die Bevölkerung ist bereits großteils albanisch. Es ist heiß, als wir gegen 11 Uhr in Ulcinj ankommen. Auch den Mitarbeitern der Touristeninfo ist es wohl zu heiß: Die Info ist auf Pause, und es sieht nicht so aus, dass noch einmal geöffnet werden könnte. Also gehen wir ohne Stadtplan hinauf zur Zitadelle. Gleich neben dem Eingang entdecken wir eine Kirche mit einem traumhaften Garten mit Blumen und Olivenbäumen und herrlicher Aussicht auf das Meer. Durch die Zitadelle führen enge, zum Teil steile Gassen vorbei an vielen Lokalen. Eines heißt Dulcinea – und das hat natürlich einen Grund. Ein paar Stufen weiter steht auf einem kleinen Platz eine Statue von Cervantes. Der spanische Dichter war 1575 nicht ganz freiwillig nach Ulcinj gekommen: In Marseille war er zuvor Piraten in die Hände gefallen, die ihn im Hof der Zitadelle von Ulcinj, seinerzeit ein gefragter Umschlagplatz für Sklaven, an den Mann bringen wollten.





Ulcinj: Noch einmal ums Eck, dann beginnt der Orient.
Überhaupt hatten es allerhand potenzielle Eroberer auf Ulcinj abgesehen: Illyrer, Römer, Venezianer und Türken versuchten, in die Stadt einzufallen, aber auch eine Horde Mongolen und Piraten aus Afrika.
Unten am breiten Stadtstrand trinken wir noch Kaffee, ehe wir uns zur Saline aufmachen, wo unzählige Vogelarten Lebensraum gefunden haben sollen. Nachdem wir die Saline endlich gefunden haben, erfahren wir, dass Sammy nicht mit reindarf. Also verzichten wir auch und fahren zurück Richtung Budva. Im chaotischen Verkehr von Ulcinj begleiten uns um Punkt 13 Uhr die lauten Schreie des Muezzins.






In den engen Gassen von Ulcinj wollten die Piraten seinerzeit Cervantes an den Mann bringen.
Am Rückweg wollen wir noch ein paar Ortschaften am Meer erkunden, haben angesichts der Hitze aber keine Lust, in Bar und Stari Bar stehenzubleiben, weil der erste Eindruck ohnehin nicht allzu positiv ist. In Petrovac na moru bleiben wir dann doch stehen. Petrovac hat sich zum Glück noch einen Hauch vom alten, idyllischen Fischerdorf erhalten. Wir gehen auf die Zitadelle, schauen hinab auf das Dorf und in die Bucht mit den spektakulären Klippen und hinaus auf die beiden kleinen Inseln, die ein paar hundert Meter draußen aus dem Meer ragen. Die eine, Katic, ist unbewohnt, auf der anderen steht die Kirche Sveti Nedelja. Später spazieren wir entlang der Strandpromenade und gönnen uns ein Eis, während Sammy einem älteren Mann bereitwillig die Pfote gibt und damit eine ganze Reihe Montenegriner begeistert.



Petrovac hat sich trotz aller Touristenströme seinen Charme weitgehend bewahrt.
Lustica: Die „leuchtende“ Halbinsel
Dass wir das Vogelschutzgebiet in Ulcinj streichen müssen, ärgert uns nicht allzu sehr, weil es gleich nach Tivat am Eingang zur Halbinsel Lustica ohnehin ein anderes gibt. Solila ist rund 150 Hektar groß und bietet angeblich 111 Vogelarten, darunter Kormorane und Flamingos, Lebensraum. Als wir ankommen, sind wir zuerst enttäuscht: Der Eingang und das kleine Besucherzentrum sind zugesperrt. Aber man kann auf der Wiese neben dem Tor in das Vogelschutzzentrum hinein. Zuerst trauen wir uns nicht, dann sehen wir, dass bereits einige Menschen drinnen sind – also gehen wir rein. Vögel sehen wir zwar nur wenige, offenbar sind die meisten gerade ausgeflogen. Trotzdem zahlt sich der Spaziergang durch das Gelände aus.


Traumstrand auf Lustica.
Weiter der Küste von Lustica entlang bis nach Rose, das uns der Reiseführer als wunderschönen und idyllischen Geheimtipp empfiehlt. Das mit dem Geheimtipp stimmt mittlerweile nicht mehr: Rose ist ein malerisches, kleines Dorf – aber doch eines, das vor allem die Schönen und die Reichen anlockt. Alles wirkt ein bisschen abgehoben, und die Hotelanlage mitten im Zentrum nimmt nicht nur einen beachtlichen Teil des Dorfes ein, sie ist auch gut von den „normalen“ Touristen abgeschirmt. Wir trinken Kaffee mit Blick hinüber auf Herceg Novi und fahren weiter der Küste entlang.



Rose: Vom idyllischen Geheimtipp schon wieder weit entfernt.
Bei Lustica Bay bleiben wir stehen, um uns ein wenig im Meer abzukühlen. Die Bucht ist traumhaft, aber auch hier ist ein Großteil des Geländes nur für die geschlossene Gesellschaft der Resortbewohner zugänglich. Sammy springt ein paarmal ins Wasser, sucht aber vor allem unter einem Felsen Schutz vor der Sonne. Er ist froh, dass wir bald zurück zum Apartment fahren.



Die eine oder andere nette Ecke findet man in Rose aber immer noch.
35 Kilometer ist die Küste der „leuchtenden“ Halbinsel am Eingang zur Bucht von Kotor lang, und nimmt damit mehr als ein Zehntel der gesamten Küste Montenegros ein.
Sveti Stefan: Schon immer eine Festung
Wer Montenegro besucht, kommt an Sveti Stefan nicht vorbei. Die kleine Insel gilt als eine der ganz großen Sehenswürdigkeiten des Landes, die man allerdings nur in Gruppen und kurz besuchen kann. Wir begnügen uns mit einem Blick vom Festland auf die Insel, der ist ohnehin beeindruckend genug. Und allzu große Lust, uns unter die reichen Touristen zu mischen, denen das Hotel auf der Insel vorbehalten ist, haben wir sowieso nicht. Wir lassen das Auto beim Milocer-Park stehen und gehen entlang der perfekt gepflegten Wege vorbei an historischen Gebäuden und Plätzen Richtung Sveti Stefan.

Sveti Stefan: Hier residieren die Reichen und die Schönen der Welt.
Heute gehört auch ein großer Teil des Parks zur Hotelkette, die Sveti Stefan besetzt hält. Früher einmal waren Park und Strand der jugoslawisch-serbischen Königsfamilie vorbehalten, die während des Sommers in der Villa Milocer residierte. König und Königin hatten ihren eigenen Strand. Heute ist der Kraljicina plaza, der Strand der Königin, den Hotelgästen vorbehalten, während der Kraljeva plaza, der Strand des Königs, von allen benutzt werden kann. Theoretisch zumindest, denn in der Praxis verirren sich jetzt im September nur wenige Badegäste an den herrlichen Strand. Was zum einen an den nur neun Liegestühlen, vor allem aber an der Liegestuhlgebühr liegen dürfte: Für 200 Euro ist man dabei, aber auch nur für einen Tag.






Die Liegestühle an den Stränden rund um Sveti Stefan sind selten – und gar nicht günstig.
Vor Sveti Stefan liegt man billiger am Strand: hier kostet die Liege „nur“ 180 Euro am Tag, die Lokale sind ebenfalls teuer und abgehoben, aber gerammelt voll. Der Eingang zum Klosterhotel ist streng bewacht wie eine Festung – und das war die Insel ja auch schon früher. Im 15. Jahrhundert hatte die Pastrovici-Familie, ein nicht immer sehr netter montenegrinischer Clan, die Insel zu einer Festung ausgebaut, um vor den zahlreichen Feinden Ruhe zu haben. Auch drei kleine Kirchen hat man gebaut, wohl um sicherheitshalber auch Beistand von oben zu haben.


Der Strand des Königs? „Genau da gehöre ich hin!“
Wir gehen noch ein Stück den Strand entlang, um die Appartement-Anlage zu sehen, in der wir vor drei Jahren gewohnt hätten – und die wir uns heuer nicht mehr leisten konnten und wollten. Der Preis für eine Woche ist in den drei Jahren um mehr als das Dreifache angewachsen. Traurig sind wir darüber nicht: Das Appartement in Seoce ist nicht nur billiger, sondern auch schöner und vor allem ruhiger.
Wir kommen wieder
Nach zwei Wochen packen wir zusammen und fahren weiter Richtung Albanien. Ein wenig enttäuscht sind wir nur, weil wir ein paar Ziele in der kurzen Zeit einfach nicht anvisieren konnten. Vor allem in den Norden des Landes haben wir es nicht geschafft. Vielleicht ein anderes Mal? Nicht auszuschließen, dass wir noch einmal in das kleine, aber außergewöhnliche Land mit den hohen Bergen und mystischen Wäldern, den tiefen Schluchten und dem herrlichen Meer fahren.
MONTENEGRO
Einwohner: 617.000
Hauptstadt: Podgorica
Regionen & Sprachen: 72 Prozent der Einwohner gehören der serbisch-orthodoxen Kirche an. Amtsspachen sind Montenegrinisch, Serbisch, Bosnisch, Albanisch, Kroatisch.
Geschichte: Im Mittelalter war die Region Teil des Fürstentums Zeta, später ein eigenständiges Fürstentum Montenegro, das beim Berliner Kongress international als unabhängig anerkannt wurde. 1910 wurde es zum Königreich Montenegro. 1916 wurde Montenegro von Österreich-Ungarn erobert und besetzt, zwei Jahre später in das neue Königreich Jugoslawien eingegliedert. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Montenegro eine der sechs Teilrepubliken Jugoslawiens. Nach erfolglosen Unabhängigkeitsbestrebungen und der Gründung des Staatenverbunds Serbien und Montenegro stimmten die Montenegriner 2006 bei einer Volksabstimmung für die Unabhängigkeit.

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