Jahrzehntelang stand Skandinavien ganz oben auf unserer Liste der begehrenswertesten Reiseziele. Geschafft haben wir es dorthin nie. Bis jetzt. Etwas mehr als zwei Wochen haben wir Zeit, um Jütland zu entdecken – und herauszufinden, ob Dänemark tatsächlich nicht nur ein schönes Land, sondern auch eine regelrechte „Hundehölle“ ist.
Wir haben uns auf keinen speziellen Ort festgelegt, deshalb kommt der Suche nach dem perfekten Ferienhaus wieder einmal entscheidende Bedeutung zu. In Ebeltoft, einer kleinen Stadt im Osten von Jütland, nicht weit von Aarhus entfernt, finden wir, was wir suchen: ein Haus praktisch direkt am Meer, mit genialer Aussicht auf die Nordsee und genügend Platz für Sammy. Wir haben schon gebucht, als wir im Internet darauf stoßen, dass Dänemark kein gutes Land für Hunde sein soll. Restriktive Gesetze und ein generelles Hundeverbot in allen Restaurants.
Auch gut, passen wir halt auf, essen daheim im Haus und genießen den Ausblick. Sammy hat nichts dagegen, schließlich bleibt dann auch mehr Zeit für ihn. Und auf Restaurantbesuche kann er ohnehin gut verzichten.
Zuallererst: Braunschweiger Impressionen
Seit wir vor einiger Zeit eher zufällig in Quedlinburg übernachtet haben, widmen wir uns der Suche nach einer perfekten Zwischenstation mit besonderer Sorgfalt. Wir wollen möglichst viele dieser alten deutschen Städte kennenlernen, von denen wir wenig bis gar nichts wissen. Braunschweig liegt ideal – und hat offenbar weitaus mehr Charme, als man der Stadt hierzulande zutrauen würde.
Bis wir im Hotel angekommen sind, werden die Nerven freilich auf der Autobahn gehörig strapaziert. Vor einer Baustelle verlieren wir eine gute Stunde im Stau, dann ist auch noch die Ausfahrt Richtung Braunschweig gesperrt – 30 Kilometer Umweg auf Landstraßen machen die Laune nicht besser.
Dafür finden wir das Hotel sofort. Sammy ist froh, dass wir gleich in die Stadt gehen und er sich endlich einmal frei bewegen kann.






Braunschweig: Nach dem Weltkrieg perfekt wieder aufgebaut.
Hätten wir zuvor nicht im Reiseführer nachgeschaut, hätten wir wohl nicht bemerkt, dass der mittelalterliche Stadtkern der zweitgrößten Stadt von Niedersachsen im zweiten Weltkrieg fast zur Gänze zerstört wurde. Beim Wiederaufbau hatte man in Braunschweig Wert auf so genannte „Traditionsinseln“ gelegt, etwa Burgplatz oder Altstadtmarkt.
Am Abend landen wir im Gastgarten der „Rheinischen Republik“ bei Bier und deftigen Spezialitäten: Rheinischer Sauerbraten und Braunschweiger Spargel runden den guten Eindruck ab, den wir von der Stadt gewinnen.
Dänische Lockerheit
Bis Ebeltoft ist es gar nicht mehr so weit, also lassen wir es am nächsten Tag gemütlich angehen, weil wir das Haus ohnehin erst am Nachmittag beziehen können. Aber so einfach wird’s dann doch nicht. Je weiter wir von Braunschweig wegkommen, desto zäher wird es auf der Autobahn. In Hamburg ist es dann mit Fahren ganz vorbei. Gut zehn Kilometer Stau vor dem Elbtunnel – noch eine Stunde verloren. Deutschlands Autobahnen nerven, aber das ist vorbei, kaum, dass wir die Grenze nach Dänemark passiert haben. Dass die Geschwindigkeitsbegrenzungen von allen, auch von den Deutschen, eingehalten werden, liegt vor allem an den rigorosen Kontrollen der Polizei. Es zeigt aber auch, dass die Dänen das Leben offenbar wirklich von der lockeren Seite nehmen – und nicht umsonst zu den glücklichsten Völkern der Erde zählen.



Eine alte Fregatte und eine Windmühle sind die Attraktionen von Ebeltoft.
Irgendwie ist das ansteckend, obwohl wir erst um 16.30 Uhr beim Haus in Handrup Strand ankommen. Viel später als geplant, und wir müssen unsere Pläne für den ersten Tag gleich einmal über den Haufen werfen. Was soll’s, wir fahren in aller Ruhe einkaufen, gehen am Meer spazieren und eine kleine Runde durch Ebeltoft.
Alte Fregatten und uralte Orks?
Wir bleiben vorerst einmal in Ebeltoft und der näheren Umgebung. Das ist ohnehin spannend genug.
Ebeltoft liegt mitten im Nationalpark Mols Bjerge in einer kleinen Bucht des Kattegat. Schräge Fachwerkhäuser aus dem Mittelalter, Kopfsteinpflaster, enge Gassen und das angeblich kleinste Rådhus Dänemarks machen die kleine Stadt zu einer der schönsten in ganz Jütland. Im Hafen ankert eine der größten Attraktionen der Stadt: die Fregatten Jylland, ein gewaltiges Schiff aus Holz, das seinerzeit, 1864 nämlich, an der Schlacht um Helgoland teilgenommen hat. Heute geht’s ruhiger zu auf der Fregatten. Man kann auf dem Schiff übernachten oder im Museum gleich daneben viel über die die Geschichte der Seefahrt erfahren.






Rund um Jernhatten hat sich auch der alte Tolkien Inspiration geholt.
Unser Ferienhaus ist eines von vielen in Handrup Strand. Gleich über der Straße ist das Meer, rau und ziemlich kalt. Ins Wasser geht Sammy hier bei den morgendlichen Spaziergängen am Strand kaum, der feine Sand mit den vielen neuen Gerüchen ist viel interessanter. Schöner findet Sammy die vielen Strände in der Umgebung von Ebeltoft. Elsegårde zum Beispiel, oder Koberhage, vor allem aber Boeslum Strand. Kristallklares Wasser, ein kilometerlanger feiner Kiesstrand und unzählige Vögel, die sich hier mindestens so wohl fühlen wie Sammy. Wir gehen den ganzen Strand entlang, vorbei am Campingplatz Draby bis zum spektakulären Kliff bei Jernhatten. Die Aussicht ist großartig, die uralten Bäume sind respekteinflößend und ziemlich mystisch. Kein Wunder, dass man sich hier eine Geschichte vom alten J. R. R. Tolkien erzählt, der irgendwann einmal in Jernhatten und auf der Insel Hjelm gewesen und voller Inspirationen für seinen Herr der Ringe wieder abgezogen sein soll. Bei den geheimnisvollen Bäumen und manchen Steinen am Strand, die aussehen, als hätte ein alter Ork gerade seinen Kopf verloren, kein Wunder. Und dann gab‘s da ja auch eine Farm namens Isgard – und das kann ja wirklich kein Zufall sein.
Vasas Gefängnis



Gustav Vasa war hier eingesperrt – bevor er König wurde…
Vielleicht hat Tolkien ja auch im Nationalpark Mols Bjerge vorbeigeschaut. Eine einzigartige, rund 180 Quadratkilometer große, in der letzten Eiszeit geformte Landschaft mit mystischen Wäldern, Mooren, Heideland, Stränden, kleinen Seen und sanften Hügeln – und mit geschichtsträchtigen Orten wie der Schlossruine Kalo. An der imposanten Burg hatten sich seinerzeit praktisch alle Eroberer die Zähne ausgebissen. Anfang des 16. Jahrhunderts beherbergte Kalo einen zumindest später berühmten Gast: Gustav Vasa verbrachte zwei Jahre hier, wenn auch nicht ganz freiwillig. Vasa war auf der Burg eingesperrt, ehe ihm die Flucht in eine bessere Zukunft gelang. Der gute Mann wurde später König von Schweden.




Mols Bjerge: Ein Nationalpark, dessen Landschaft in der Eiszeit geformt wurde.
Kleine Großstadt
Das Wetter meint es in Dänemark nicht immer gut mit den Menschen. Der Wind bläst oft und stark, manchmal ist es auch Mitte, Ende Mai noch ziemlich kalt, und Regen ein ziemlich häufiger Begleiter. Den ersten echten Regentag nutzen wir für einen Besuch der zweitgrößten Stadt Dänemarks. Nicht ganz 350.000 Einwohner hat Aarhus, das sich gerne als „kleinste Großstadt der Welt“ bezeichnet. Der Aufschwung begann 2004 mit der Eröffnung des Kunstmuseums ARoS und einer ganzen Reihe spektakulärer Neubauten am Hafen wie dem Dokk1, der neuen Universität und dem neuen Stadtteil Aarhus O mit dem Wohnblock „Isbjerget“.









Kleine Großstadt: Gegründet wurde Aarhus von den Wikingern.
Aarhus ist aber keine neue Stadt, ganz im Gegenteil. Die Wikinger errichteten hier eine Siedlung an der Flussmündung – daher der ursprüngliche Name Aros. Interessantes über die alten Zeiten gibt’s im Vikingemuseet gleich neben der Vor Frue Kirke, in der man ein Kruzifix der etwas anderen Art bewundern kann. Der Christus auf dem Kruzifix hat hier Wikingerzöpfe…
Der Regen macht bei unserem Besuch in Aarhus immer wieder Pause, daher können wir auch die Cafés und Geschäfte genießen. Und dabei gleich auch lernen: Hunde werden hier ganz und gar nicht als üble Zeitgenossen behandelt. In den Geschäften wird Sammy begeistert aufgenommen, hin und wieder muss er für ein Selfie herhalten. Und als wir einmal in der Fußgängerzone gebannt in eine Auslage starren und Sammy derweil auf der anderen Straßenseite intensiv mit der Herkunft eines wohl ganz besonders tollen Geruches beschäftigt ist – und dabei mit der Leine die ganze Straße absperrt, warten die Dänen mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht und ohne auch nur ein Wort zu sagen, dass wir die Lage bemerken und die Straße wieder freimachen. Niemand schimpft, niemand ärgert sich, alle bleiben ruhig und lächeln uns – und vor allem Sammy zu.



Den Gamle By: So hat Dänemark vor Jahrhunderten ausgesehen.
Die Museen müssen wir wegen Sammy leider auslassen, da darf er auch in Dänemark nicht rein. Im Den Gamle By ist ein Hund aber kein Problem. Das Open-Air-Museum besteht aus 75 Fachwerkhäusern aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert und zeigt, wie ein typisch dänischer Ort seinerzeit ausgesehen hat. Die einzelnen Teile wurden aus ganz Dänemark zusammengetragen und originalgetreu wieder aufgebaut.
147 Meter bis zum Himmel
Søhøjlandet heißt die große Hügel- und Seenlandschaft zwischen Skanderborg und Silkeborg. Für Jütland ist das der Ort der Rekorde. Im Søhøjlandet liegt der Mossø, der größte See Jütlands, hier fließt der längste Fluss Dänemarks, die 176 Kilometer lange Gudenå – und schließlich ragt hier auch der höchste Berg des Landes auf, der Møllehøj. Stolze 170,86 Meter ist der Berg hoch! So hoch hinaus schaffen wir es nicht, aber dafür besteigen wir den Himmelbjerget mit seinen beeindruckenden 147 Metern Höhe. Die Aussicht ist, trotz etwas trübem Wetter, großartig.


Im Søhøjlandet liegen der längste Fluss und der höchste Berg des Landes.
Direkt vor Silkeborg liegt mitten in idyllischen Wäldern der Langsø-See, den wir zur Freude von Sammy auf einem viereinhalb Kilometer langen Fußmarsch umrunden. Schön ist es hier und im sympathischen Silkeborg, und das finden offenbar auch die Dänen selbst. Rund 46.000 Menschen leben in der Stadt, die sich zunehmend zur Wohnstadt entwickelt hat. Die meisten von ihnen pendeln zur Arbeit nach Aarhus aus.








Sympathische Wohnstadt: Silkeborg.
Wir stärken uns in Silkeborg mit Kaffee und Kuchen, entdecken viele interessante Geschäfte. Auch Sammy fühlt sich in Silkeborg wohl: immer wieder begegnen ihm wunderschöne Hündinnen.
Eine Stadt zum Wohlfühlen


Randers: Keine großen Attraktionen, aber eine Stadt zum Wohlfühlen.
Auch Randers kann nicht gerade mit großartigen Attraktionen aufwarten. Das macht nichts, denn auch so ist Randers eine Stadt, in der wir uns von Anfang an wohlfühlen. Früher einmal, im Mittelalter, war Randers ein bedeutender Ort mit einem großen Markt, doch im Lauf der Zeit verlor die Stadt allerdings im Vergleich zu Aarhus und Aalborg an Bedeutung. Natürlich hat auch Randers heute Highlights zu bieten: Den Tropenzoo Randers Regnskov können wir mit Sammy nicht machen, und auf das Elvis-Museum, das einzige außerhalb der USA übrigens, verzichten wir freiwillig.
Die alten Wikinger
Wer will in Dänemark schon den Elvis sehen, wenn man ein paar Kilometer weiter im Norden in die Welt der alten Wikinger eintauchen kann. Ganz in der Nähe von Hobro wurden 1950 auf einem Feld bei Fyrkat die Reste eines Wikingerlagers entdeckt, das gut 1000 Jahre zuvor von König Harald Blauzahn als Übungslager und Winterquartier für seine Wikinger errichtet wurde. Die rund 120 Meter breite Ringburg war von einem noch immer begehbaren Schutzwall umgeben, die Eingangstore sind exakt nach Norden, Osten, Westen und Süden ausgerichtet, weiße Steine markieren heute die Stellen, wo seinerzeit die Langhäuser der Wikinger standen. Gleich neben dem Lager vermittelt ein originalgetreu nachgebautes Langhaus, wie Blauzahns Leute gelebt haben.





Harald Blauzahn hatte in Fykart sein Winterlager aufgeschlagen.
Über einen Weg entlang kleiner Seen mit Schwänen und Vögeln geht es zu einem nachgebauten Wikingerdorf mit mehreren Häusern, vielen Hühnern – und ein paar „echten“ Wikingern.
In Hobro finden wir keine Wikinger mehr, dafür viele interessante Skulpturen. Der kleinen, zumindest außerhalb der Saison recht verschlafenen Stadt, sieht man kaum mehr an, dass sie vor langer Zeit einmal ein wichtiger Agrarhandelshafen am Mariagerfjord gewesen ist.





Kleine Stadt mit vielen Skulpturen: Hobro.
Spannender ist da schon Mariager. Das kleine Dorf am Fjord lockt mit kleinen Plätzen, gepflasterten Straßen und rosenumrankten Häusern das ganze Jahr über Touristen an. Das war mehr oder weniger immer schon so: Das Anfang des 15. Jahrhunderts erbaute Nonnenkloster war schon im Mittelalter eine gefragte Pilgerstätte. Heute ist das ehedem monumentale Kloster einer vergleichsweise kleinen, aber durchaus imposanten Kirche gewichen.




Mariager: Im Mittelalter war das Nonnenkloster Ziel vieler Pilger.
Gottes kleines Modell
Einmal quer durch Jütland: Wir unterschätzen die Fahrt von Ebeltoft ganz im Osten hinüber an die Westküste zum Limfjorden. Schon auf der Fahrt streichen wir die geplanten Stopps in Nyköbing und Aalborg, das wir am Rückweg ansehen wollten. Von der Insel Mors sehen wir nicht viel, obwohl die ihre besonderen Reize haben soll. Von oben betrachtet sieht die kleine Insel im Fjord so aus wie eine kleine Version von ganz Jütland. Die Dänen haben eine Erklärung dafür: Bevor der liebe Gott Jütland schuf, wollte er zuerst einmal probieren. Also schuf er ein kleines Modell, das ihm so gut gelungen war, dass er es mitten in den Limfjorden setzte.






Die Aussicht vom Hanklit aus ist fantastisch. Nur der Wind stört ein wenig.
Wir konzentrieren uns auf Mors nur auf die Nordspitze der Insel, auf den 62 Meter emporragenden Felsen Hanklit mit seinen spektakulären Klippen. Bevor wir den Felsen erklimmen, wandern wir den traumhaften Strand entlang. Ganz oben auf dem Hanklit ist die Aussicht fantastisch, allerdings ist auch Vorsicht geboten. Der extrem starke Wind macht die Sache einigermaßen gefährlich.
Auch ansonsten hat der liebe Gott offenbar nicht mit außergewöhnlichen Landschaften rund um das größte Binnengewässer Dänemarks gespart. Zur Nordsee hin breitet sich vom Limfjorden der Nationalpark Thy aus.



Alles gelb am Limfjorden.
Wir steuern Klitmøller an, das ehemalige Fischerdorf, das zum Eldorado der Surfer geworden ist. Allerdings haben uns offenbar die Horden von Motorradfahreren, die am Vortag noch Ebeltoft unsicher gemacht haben, überholt. Sie sind jedenfalls schon da in Klitmøller, als wir ankommen. Parkplatz gibt es keinen mehr, außerdem machen die Knaben auf ihren Maschinen derart viel Lärm, dass Sammy angst und bange wird. Also fahren wir ein paar Kilometer weiter, um am Strand spazieren zu gehen. Der Strand ist traumhaft, aber der Wind unglaublich stark. Surfer mögen ihre Freude damit haben, aber er peitscht auch Meerwasser und den Sand der Dünen unerbittlich ins Gesicht und macht das Gehen beinahe unmöglich. So macht das Meer nicht einmal Sammy Spaß…






Die Surfer lieben die Wellen von Klitmøller.
Weiter im Norden versuchen wir dann noch auf „Jütlands Schulter“, dem 47 Meter hohen Bulbjerg, wenigstens ein paar von den unzähligen Vogelarten zu sehen, die sich auf dem einzigen Vogelfelsen des dänischen Festlandes (einen zweiten gibt es noch auf Bornholm) tummeln. Der Sturm macht das Fotografieren am Felsen ziemlich riskant, außerdem verziehen sich bei diesem Wind offenbar auch die Vögel. Zumindest können wir nachvollziehen, dass so ein Sturm an der Küste schon einmal verheerende Folgen haben kann, wie damals im Jahr 1978, als ganz in der Nähe der Skarreklit bei einem Sturm einfach ins Meer gekippt war.


Bulbjerg: Ein Sturm an der Küste kann verheerende Folgen haben.
Kattegat, Skagerrak und das Land des Lichts
Ganz oben in Jütland ragt das Land wie ein ausgestreckter Finger hinaus ins Meer. Die kleine Halbinsel lockt seit Jahrhunderten mit herrlichen Stränden und kleinen Fischerdörfern die Besucher an. Die dänischen Künstler wiederum begeisterten sich für das Licht, das die Landschaft rund um Skagen so besonders in Szene setzt. Wir fahren zuerst einmal nach Grenen und wandern zum nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes. Hier fließen Ostsee und Nordsee zusammen, hier kann man mit einem Bein im „wilden“ Skagerrak stehen und mit dem anderen in den ruhigen Gewässern des Kattegat. Die Idylle wird hin und wieder leider gestört – von Bunkern aus dem 2. Weltkrieg. Die Nazis haben das Grauen auch optisch überall auf der Welt hinterlassen.





Wo die Ostsee auf die Nordsee trifft: Der nördlichste Punkt des europäischen Festlands.
Am Strand weisen Tafeln immer wieder darauf hin, was Touristen nicht machen sollten, wenn sie auf eine Robbe treffen. Prinzipiell gibt es bei Grenen jede Menge Robben, aber offenbar lassen sie sich nur selten blicken, weil den Touristen egal ist, was für die Tiere gut ist.


Das Licht lockt Künstler und Touristen in Scharen nach Skagen.
Ein paar Meter vom der Nordspitze Dänemarks entfernt steht der Skagen Grå Fyr – mit 46 Metern der zweithöchste Leuchtturm des Landes.
Nach einem Zwischenstopp im stark touristisch geprägten, aber recht sympathischen Skagen suchen wir „de tilsandede Kirke“. Während Råbjerg Mile, Dänemarks größte Wanderdüne, Jahr für Jahr rund 15 Meter Richtung Meer voranrückt, treibt es den Sand seit ewigen Zeiten auch in die entgegengesetzte Richtung. Das hatte für die im 14. Jahrhundert errichtete Laurentiuskirche schwerwiegende Folgen. 1794 musste die Kirche auf Anordnung des Königs geschlossen werden, weil sie regelrecht vom Sand verschluckt wurde. Heute ragt nur noch der Kirchturm aus dem Sand hervor…





Rubjerg Knude Fyr: Der Leuchtturm wurde versetzt – und vor den Dünen gerettet.
Etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt findet sich ein anderes spektakuläres Opfer des Sandes, der Rubjerg Knude Fyr. Der imposante Leuchtturm wies den Schiffen nur ein paar Jahre lang den rechten Weg entlang der Nordseeküste. Bald begrub der Sand Nebengebäude und Wärterhäuschen unter sich, und als die Düne auf 50 Meter angewachsen war, sah man den Leuchtturm vom Meer aus nicht mehr. 1968 wurde der Betrieb eingestellt, aber der Sand wurde mehr und mehr zur Bedrohung des Turms. Ehe der Rubjerg Knude ins Meer stürzen konnte, wurde er in einer spektakulären Aktion 2019 kurzerhand abgebaut – und 80 Meter weiter ins Landesinnere versetzt.
Keine Spur von „Hundehölle“


Die Begeisterung für Grenå hält sich in Grenzen – im Gegensatz zu Karlby Klit.
Nicht allzu weit ist es von Ebeltoft nach Grenå und den Klippen von Karlby Klit. Während sich unsere Begeisterung für Grenå in Grenzen hält, halten die beeindruckenden Klippen, was der Reiseführer versprochen hat. Wir wandern direkt an den Klippen entlang, ehe uns eine Horde von Kühen am Weitergehen hindert. Sammy bleibt sicherheitshalber zurück, während ich für ein paar Fotos weitergehe. Als die Kühe bedrohlich nahekommen, drehe ich ebenfalls um. Unten am Strand haben unzählige Vögel ihre Nester, die sie in Formation und lautstark verteidigen, in die Löcher der Sandklippen gelegt.






Fantastische Klippen, schwarze Kühe und laute Vögel: Karlby Klit.
Wir fahren der Küste entlang weiter zu Gjerrild Nordstrand, einem langgezogenen und wunderbaren Strand mit weißem Sand. Und dann war es das auch schon wieder mit Dänemark. Sammy hat’s gefallen, von „Hundehölle“ jedenfalls keine Spur.
Noch einmal Deutschland: Goslar und Regensburg







Heinrich III. hat’s in Goslar auch gefallen: Er ließ hier eine pompöse Kaiserpfalz errichten.
Am Weg nach Hause nehmen wir noch eine der alten deutschen Städte mit. Goslar, Machtzentrum der alten Kaiser und geprägt vom Erzabbau, hat sich seit dem Mittelalter kaum verändert. Imposante Kirchen, eindrucksvolle Plätze und historische Stätten machen die Stadt in Niedersachsen zu einem kleinen Gesamtkunstwerk. Highlight ist die Kaiserpfalz, die Heinrich III. im 11. Jahrhundert erbauen ließ.






Letzter Halt: Regensburg.
Nach Goslar wollen wir eigentlich nach Hause durchfahren, aber der Verkehr ist wie üblich in Deutschland bestenfalls zähflüssig. Wir entscheiden uns für eine Nacht in Regensburg, und das ist gut so. Wir haben Zeit genug, um durch die Altstadt mit den vielen schönen Plätzen und die Steinerne Brücke zu spazieren. Am Ende gibt’s bei Da Tino Gnocchi del Papà und ein Regensburger Helles. Ein perfekter Abschluss auf jeden Fall.
JÜTLAND
Einwohner: 2,3 Millionen
Wichtigste Städte: Aarhus, Aalborg, Esbjerg
Regionen & Sprachen: Syddanmark, Midtjylland, Nordjylland
Geschichte: Ursprünglich wurde die Halbinsel von den Jüten, einem germanischen Stamm, bewohnt – daher der Name. Später tauchten die Wikinger auf und vermischten sich mit den Jüten zum Volk der Dänen. Nachdem Dänemark 1864 im Krieg gegen Schlesien verloren hatte, wurde Jütland von den Preußen besetzt. Erst seit 1920 gehört die Halbinsel wieder zu Dänemark

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