Albanien: Es ist noch nicht zu spät

Wir sind vielleicht ein paar Jahre zu spät, aber wohl gerade auch noch rechtzeitig nach Albanien gekommen: Den Reiz einer sympathischen Rückständigkeit, einer unberührten Natur und wilder Strände spürt man noch an den meisten Ecken, aber nicht mehr an allen. Die Baubranche ist längst dabei, dem Land den ganzen Charme zu stehlen.

Es sind nur rund 350 Kilometer von Budva in Montenegro hinunter in den Süden von Albanien. Das Navi stellt uns mehr als sechs Stunden Fahrzeit in Aussicht. Ich glaub dem Navi nicht, wie so oft. Schließlich zeigt die Karte ja in Albanien gleich nach der Grenze einmal eine Autobahn an. Doch was den Albanern als Schnellstraße oder Autobahn durchgeht, muss sich mit unseren Vorstellungen nicht decken. Hier dürfen alle rauf: alte Traktoren, Radfahrer, Pferdegespanne – und natürlich auch Autos. Es dauert, bis wir in der Nähe von Tirana sind – und so gut wie gar nichts mehr geht. Es staut und staut und staut. Als wir eine gefühlte Ewigkeit später die Hauptstraße hinter uns lassen, geht es vergleichsweise rasant weiter. Aber nur für ein paar Kilometer, denn bei Durres ist der Stau zurück. Später wird der Verkehr flüssiger und die Landschaft entlang der Straße immer fantastischer. Als wir endlich in Saranda angekommen sind, weiß ich: Das Navi hat nicht gelogen, es hat sogar gehörig untertrieben. Wir haben mehr als sieben Stunden gebraucht.

Der Blick von der Terrasse ist genial…

Das Appartement Eri finden wir recht schnell, müssen aber recht lange herunten auf der Straße warten, weil aus den paar Minuten, die uns der Vermieter telefonisch ankündigt, dann doch ein paar Minuten mehr werden. Egal. Er zeigt uns die Garage, den Lift, das Appartement – und geht. Die Garage ist abenteuerlich und finster, der Lift steht um nichts nach. Alles wackelt und rumpelt, als wir hinunterfahren und das Gepäck holen. Manuela fährt mit ein paar Sachen rauf, dann will ich mit den Koffern nach. Aber nichts geht mehr. Ich schleppe die Koffer zwei Stockwerke hoch, dann fährt der Lift doch wieder. Das Appartement ist schön, die Terrasse perfekt. 

… das Meer unten am Strand fantastisch.

Ich gehe einkaufen, muss die fünf Stockwerke aber rauf und runter zu Fuß absolvieren – der Lift hat den Dienst endgültig versagt. Irgendwo im ersten Stock steht der Lift, die Tür lässt sich nicht schließen – wenn man nicht aufpasst, fliegt man den Schacht hinunter. Ein erster Eindruck von Albanien…

Der zweite Eindruck: ganz dicht sind sie nicht, die Albaner. Wir wollen mit Sammy noch eine Runde spazieren gehen, doch ein paar Typen unten auf der Straße schießen – warum auch immer – wie verrückt mit Krachern. Sammy zittert und hat Angst. Wir bleiben daheim und stellen auf der Terrasse fest: Der Wein aus Albanien schmeckt durchaus gut.

Es ist Sonntag, wir schlafen lange und frühstücken ausgiebig auf der Terrasse, ehe wir hinein nach Sarande fahren. Im Zentrum ist der Teufel los, keine Spur von einem Parkplatz. Erst nach einigen Runden durch das Zentrum finden wir einen in der Skenderbeu. Unten am Hafen macht sich Sammy vorerst einmal keine Freunde: er markiert an einer Steinwand, übersieht dabei aber fast den Mann, der daneben sitzt. Wir gehen ein bisschen am Hafen entlang, trinken Kaffee und fahren dann weiter nach Ksamil. Auch dort ist einiges los, alle nutzen noch den Sonntag zum Baden im Meer. Als ich nahe beim Strand einen Parkplatz finde, läuft plötzlich von irgendwo ein junger Mann her und hilft beim Einparken. „Gendi“ sagt, dass der Parkplatz ihm gehören würde, aber wir könnten natürlich gerne stehenbleiben. Die Sonne ist in Albanien schöner als überall sonst, sagt er. Und Albanien überhaupt ein Traum. Schade, dass wir schon ein Appartement haben, meint Gendi, und gibt uns seine Telefonnummer. Wenn wir wieder nach Albanien kommen, dann sollen wir uns melden. Seine Appartements sind schließlich die besten in Albanien…

Ksamil: Der Vergleich mit der Karibik hinkt kein bisschen.

Wir gehen hinunter zum Strand, wenn ich mich nicht verschaut habe, dann ist es der Strand 9. Das Wasser ist traumhaft klar, herrlich grün und blau und warm. Dass Ksamil mit der Karibik verglichen wird, kommt nicht von ungefähr. Sammy ist happy und springt immer wieder ins Wasser.Am Abend essen wir im Restauran Monopol in Ksamil. Riesige Vorspeise, Fisch, Pastitio, Mineral und toller Wein – das alles um gerade einmal 35 Euro. 

Wir stehen zeitig auf, weil wir das „Blaue Auge“ sehen und dann weiter nach Gjirokastra wollen. Eine Runde mit Sammy am Strand beim Hotel direkt unter uns, dann Frühstück holen im Supermarkt oder in einer Bäckerei. Das wäre der Plan gewesen, aber aus dem Frühstück wird nichts. Der eine Supermarkt ist zu, der andere sperrt gar nicht mehr auf – und eine Bäckerei gibt es weit und breit nicht. 

Auch gut. Wir trinken Kaffee und fahren weg Richtung Syri i Kalter, dem „blauen Auge“ von Albanien. 

Schon der Weg zum Siri i kalter ist von einer beeindruckenden Landschaft umgeben.

Wir sind früh da, und das ist gut so. Nur ein paar Touristen haben sich um diese Zeit hierher verirrt. Fast zwei Kilometer gehen wir auf einer noch sehr neuen Straße hinauf in Richtung Quelle, vorbei an einem Stausee und durch einen gepflegten Wald. 

Schönes, blaues Auge.

Syri i Kalter ist die wasserreichste Quelle Albaniens, mindestens 50 Meter tief, ganz genau weiß man das noch immer nicht. Die Sonne steht gut und lässt das Wasser oberhalb der Karstquelle in jenem satten Blau strahlen, das der Quelle zu ihrem Namen verholfen hat. Wir genießen die Natur rund um das Wasser. Am Weg zurück zum Parkplatz merken wir, dass wir Glück gehabt haben mit der Idylle. Denn mittlerweile sind die ersten Busse angekommen – und die Massen strömen uns unerbittlich und ohne Rücksicht auf Verluste entgegen.

Karge, trockene Landschaften am Weg zum Weltkulturerbe Gjirokastra.

Gjirokastra ist außergewöhnlich. Spektakulär auf drei Felsen gebaut, enge Gassen, ein alter und ein neuer Basar, eine ganz eigene Atmosphäre in der Altstadt – all das hat die UNESCO schon 1961 überzeugt und die Stadt zum Weltkulturerbe werden lassen. 

Enge Gassen, zwei Basare und eine unvergleichliche Atmosphäre machen Gjirokastra einzigartig.

Einer, der nichts zu dieser Entscheidung beigetragen hat, ist einer der prominentesten, wenn auch nicht gerade der beliebteste Bürger der Stadt: Enver Hoxha, der ehemalige Diktator Albaniens, wurde in Gjirokastra geboren. 

Direkt beim Eingang zur Altstadt sorgt eine moderne Tiefgarage dafür, dass es keine Parkplatzprobleme mehr gibt. Die ganze Stadt ist stark touristisch geprägt, aber trotzdem durchaus charmant. Wir holen das ausgefallene Frühstück mit Burek nach, trinken Kaffee und wandern durch die engen Gassen.

Lebendige Straßen, kleine Geschäfte – und dazwischen schlanke Minarette.

Danach gehen wir auf einem schmalen Pfad hinauf zur Burg, Sammy gibt, wie immer, das Tempo vor. Plötzlich tritt eine Frau gegen Sammy, uns verschlägt es die Sprache. Als wir sie wiederfinden, ist die alte Schachtel leider auch schon weg. Die Burg ist weitgehend geschlossen, nur eine Art Militärmuseum ist zu besichtigen. Darauf verzichten wir aber gerne. Unten in der Altstadt wird es für Sammy noch einmal schlimm. Irgendein Typ lässt vom Kaffeehaussessel aus eine Drohne steigen – und wenn Sammy etwas wie die Pest fürchtet, dann sind das Schüsse – und Drohnen. Das bedrohlich surrende Geräusch von oben macht ihm panische Angst, er dreht durch.

Europas letzter wilder Fluss wird von einer Pipeline bedroht.

Am Rückweg nach Sarande biegen wir noch ins Vojsa-Tal ein. Das ist Albanien pur: traumhafte Landschaften, wilde Berge, ein unglaublich klarer Fluss. Die Vojsa ist der letzte echte wilde Fluss in Europa, der ungezähmt und frei dahinfließen darf. Erst vor ein, zwei Jahren wurde das Gebiet unter Schutz gestellt und unter großem Trubel zum Nationalpark erklärt. Aber das muss ja auch in Albanien nichts bedeuten: Seit kurzem wird an einem Nebenfluss der Vojsa an einer Pipeline gebaut, die Proteste der Umweltschützer waren bislang erfolglos…

In Tepelena begann die beachtliche Karriere von Ali Pascha, der es vom Bandenchef und Plünderer zum Herrscher über halb Albanien brachte. Neben Ali Paschas alter Burg ist die Fußgängerbrücke über die im Sommer trockene Trina das Highlight von Tepelena.

Am Weg nach Sarande wollen wir noch kurz für das Abendessen einkaufen, aber das ist hier außerhalb der Saison nicht ganz so einfach. Der eine Supermarkt ist zu, der andere hat so gut wie nichts, der dritte ist vergleichsweise gut sortiert, das Angebot an Wurst oder Käse aber auch hier dürftig. Dafür gibt’s genug Wein. Wir nehmen ein paar Flaschen und gönnen uns einen relativ teuren für den Abend. Der entpuppt sich auf der Terrasse aber als süßer und einfach grauslicher Wein. Wir öffnen eine zweite Flasche, und der ist wirklich gut. Ein „Puls“ – mit Trauben aus der Gegend von Tirana. 

Strandtag. Wir wollen die hochgelobten Strände rund um Ksamil durchprobieren. Nummer 1 auf der Liste ist der Manastiri, wunderschön angeblich – aber leider schon von der Tourismusindustrie entdeckt. Die Zufahrt ist wegen einer gewaltigen Baustelle problematisch, erlaubt aber einen Blick in Albaniens Zukunft: Eine fürchterliche Appartementsiedlung wird erbarmungslos in den Hang gebaut. Wir verzichten auf den Manastiri und versuchen unser Glück beim Plazhi i Pasqyravi und beim Shpella e Pellumbave. Die Zufahrt ist bei beiden abenteuerlich. Die Abfahrt zum Plazhi i Pasqyravi ist derart eng und steil, dass wir irgendwann lieber umdrehen. Richtung Pellumbave endet die Straße plötzlich im Gebüsch. Offenbar haben wir die falsche Zufahrt erwischt, aber wir sind nicht die einzigen, die leicht verzweifeln…

Die Strände von Ksamil sind in der Hochsaison von den Touristen stark frequentiert. Die meisten Strände in der Umgebung werden gerade mit Betonburgen verbaut.

Also nehmen wir Pulebardha Beach. Die Sandstraße zum Strand ist zuerst breit wie eine albanische Autobahn, wird aber bald enger, steiler, steiniger – und geht irgendwann in ein Sammelsurium tiefer Schlaglöcher über. Umkehren ist nach den drei missglückten Versuchen zuvor keine Alternative, also nehmen wir all unseren Mut zusammen und kämpfen uns im Schritttempo durch bis zu einem riesigen Parkplatz oberhalb des Strands. Wir werden mit einem fantastischen Ausblick auf das Meer und einen der schönsten Strände, die wir jemals gesehen haben, belohnt. Pulebardha sieht aus, als hätte sich der liebe Gott hier seinerzeit besonders ins Zeug gelegt, eine perfekte Mischung aus feinem Sand und groben Steinen kreiert, und das Meer in den schönsten Schattierungen von Türkis und Grün und tiefem Blau erstrahlen lassen.

Wie damals in Griechenland: Kühe entlang der Straßenrand, tiefe Löcher in der Straße – und ein traumhafter Strand mit urigen Tavernen. Pulebardha Beach hat den Hotelketten noch getrotzt.

Zwei urige Tavernen liegen oberhalb des langen Strandes, und es ist sofort klar, dass wir eher zur Taverne rechts der Stufen hinunter zum Strand tendieren. Eine junge Kellnerin sieht Sammy auf den Stiegen und ist ganz hingerissen von ihm. Die Liegen kosten nichts, sagt sie. Dafür sollen wir bei ihr essen und trinken. Was wir später auch machen: der griechische Salat ist so fantastisch wie der Blick über den Strand.

Pulebardha – ein Strand wie aus dem Bilderbuch…

Wir bleiben, was wir eigentlich nicht vorhatten, den ganzen Tag am Pulebardha. 

Am Abend essen wir Pizzen im Otaxahu in Ksamil. Die Pizzen sind hervorragend, aber viel zu groß, wir schaffen gerade einmal die Hälfte. Den Rest nehmen wir mit, allerdings nicht für uns. Wir wollen einen der vielen streunenden Hunde beglücken. Bei einem Supermarkt finden wir einen kleinen, hungrigen Streuner. Der beäugt die Pizzaschachtel zuerst ein wenig skeptisch, langt dann aber ordentlich zu. Ein paar Minuten später ist die Schachtel leergefressen und der Hund weg.

Es ist nicht gut für die Albanische Riviera, dass wir am Vortag Pulebardha entdeckt haben. Dem Vergleich mit dem traumhaften und noch ziemlich unberührten Strand hält keiner an der Riviera stand. Außerdem beginnt die Tour nicht ganz problemlos. Wir verfahren uns schon in Sarande, weil ich dem Navi wieder einmal nicht traue. Um wieder auf den rechten Weg zu kommen, müssen wir zurück in die Stadt, durch einen langen Stau und überhaupt. Wir verlieren eine Dreiviertelstunde – nicht die besten Voraussetzungen, um die Tour entlang der Albanischen Riviera wirklich genießen zu können.

Mit Pulebardha können die Strände an der „Riviera“ nicht mithalten, aber schön sind sie allemal – auch wenn an einigen bereits die Baumaschinen unterwegs sind. Die Esel stört das nicht.

Die ersten Strände nach Sarande lassen wir links liegen, erst in Porto Palermo bleiben wir kurz stehen. Dann fahren wir weiter Richtung Norden. 150 Kilometer ist der Küstenabschnitt zwischen Sarande und Vlora lang – laut Reiseführer die am wenigsten verbaute Küstenlandschaft des Mittelmeers. Derzeit stimmt das vermutlich noch, recht lange wird man das aber nicht mehr behaupten können. Die Bagger sind bereits aufgefahren, die ersten Betonburgen stehen zumindest im Rohbau. Und die Strände, die noch nicht so im Fokus stehen, die sind nur schwer zu finden. Wir wollen unbedingt zum „Aquarium“, der irgendwo zwischen Himare und Dhermi sein soll, aber wir verpassen die Zufahrt und sind plötzlich in Dhermi, einem alten und interessanten griechischen Dorf hoch über dem Ionischen Meer.

Dhermi erinnert nicht von ungefähr an Griechenland. Die Ziegen und Esel lassen sich auch von den Touristen nicht aus der Ruhe bringen.

Auch hier haben wir einen Strand auf unserer Liste, landen aber nur beim langen, eher faden Ortsstrand. Ich ärgere mich, dass ich die Tour nicht besser geplant habe. Irgendwann resignieren wir und machen uns nach einem Kaffee in Dhermi auf den Weg retour Richtung Sarande. Kurz nach Juno fahren wir zum Strand Plava. Sammy freut sich, dass er doch noch ins Wasser kann. Zweieinhalb anstrengende Stunden dauert die Fahrt zurück nach Sarande – und entschädigt uns trotzdem für die Strände, die wir nicht gesehen haben. Die Landschaft am Rande des Nationalparks Llogara ist einfach unglaublich und immer wieder begegnen wir Tieren, die es sich mitten auf der Straße gemütlich machen. Ziegen, Schafe, Kühe und vor allem Esel. Bei einer Gruppe von Eseln bleiben wir stehen. Die haben ihren Spaß mit uns, kommen zum Auto und strecken neugierig den Kopf durch das Fenster. Sammy bleibt sicherheitshalber im Hintergrund…

Traumhaft: Der Blick auf die Berge im Nationalpark Llogara.

In Sarande wollen wir noch zumindest eine der zwei größeren Attraktionen besuchen: Das Kloster der 40 Märtyrer oder die Burg Lekursi auf der anderen Seite der Stadt. Die Abzweigung zur Burg finden wir zuerst, das nimmt uns die Entscheidung ab. Sultan Süleyman hat die Burg Mitte des 16. Jahrhunderts errichten, der allgegenwärtige Ali Pascha hat sie später ausbauen lassen. 

Ali Pascha ist die albanische Nationallegende, die Mitte des 18. Jahrhunderts eine beachtenswerte Karriere hingelegt hat – vom Bandenchef und Plünderer bis zum Herrscher über halb Albanien. Als solcher hat er es sich auch einigermaßen gerichtet: Niemandem im ganzen Reich war Grundbesitz erlaubt. Mit einer Ausnahme natürlich…

Der alte Ali Pascha hat die Burg Lekursi ausbauen lassen – wohl weniger der Aussicht wegen…

Der Ausblick von der Burg ist großartig, auf den angeblich spektakulären Sonnenuntergang warten wir aber nicht mehr. Wir sind müde – und lassen deshalb auch die Märtyrer Märtyrer sein.

Man erzählt sich, dass der gute Aeneas seinerzeit nach der Zerstörung Trojas lange über das Mittelmeer geirrt ist, ehe er von einem neuen Troja gehört haben soll. Einer Stadt im Süden Albaniens, beherrscht von Andromache, der Witwe des trojanischen Helden Hector. Ob sich das alles tatsächlich so abgespielt hat, das weiß man nicht so genau, aber es gibt durchaus Hinweise darauf, dass es so ähnlich gewesen sein könnte. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden bei Ausgrabungen in Butrint massenweise antike Schätze und Gebäude gefunden, die belegen, dass Butrints Geschichte irgendwann im 8. Jahrhundert vor Christus begonnen hat. 

Die Geschichte von Butrint beginnt vermutlich schon acht Jahrhunderte vor Christus.

Heute ist Butrint die mit Abstand wichtigste archäologische Stätte Albaniens, mit Spuren hellenischer, byzantinischer, venezianischer und osmanischer Zivilsationen. Viele Gebäude in dem weitläufigen Areal sind noch in durchaus gutem Zustand, etwa die riesige Basilika oder das Amphitheater.

Spuren mehrerer Zivilisationen lassen sich in Butrint entdecken.

Beim Amphitheater gesellt sich eine alte, schon ziemlich mitgenommene Hündin zu uns. Sammy zeigt sofort Interesse, aber die alte Dame knurrt, Sammy knurrt zurück – wir wollen lieber nichts riskieren und die Hündin vertreiben. Das funktioniert nicht einmal ansatzweise. Manuela geht mit Sammy weiter, ich lenke die Hündin ab, versuche sie mit Leckerli in die andere Richtung zu locken.

Die arme, herrenlose Hündin streift durch die archäologischen Stätten auf der Suche nach Anschluss. „Nehmt mich mit“, scheint sie zu flehen. Geht aber leider nicht…

Ich hätte es wissen müssen. Jetzt will sie erst recht nicht mehr weg von mir. Die Security eilt mir zu Hilfe, aber es dauert nicht lange, bis sie wieder bei mir ist. Sie zeigt mir, dass sie Anschluss sucht und uns auserwählt hat: sie legt sich auf den Rücken, lässt sich streicheln – und streichelt dann sogar selbst Sammy mit der Pfote. Irgendwann kommt die Security und hält sie zurück. Armer Hund…

Wer einmal im Sand von Pulebardhia gelegen ist, der kommt ganz sicher wieder zurück.

Den letzten Tag in Albanien verbringen wir natürlich am Pulebardhia, am Abend essen wir in einem fantastischen Restaurant in Ksamil. Gut erholt machen wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zurück Richtung Montenegro und Kroatien. Für die Rückfahrt brauchen wir wieder gute Nerven: Staus in Albanien, Staus in Montenegro.

Auf der Liste von Sammy Lieblingsstränden steht Pulebardhia ganz weit oben!

Nach acht Stunden sind wir endlich in Kotor in einem Appartement, das wir im Vorfeld gebucht haben, angekommen. Das Essen in der Konoba Katun entschädigt für die anstrengende Fahrt. Mit der Bankomatkarte kann ich nicht zahlen, also geht der Kellner mit mir zum nächsten Bankomaten. Sowas würde in Montenegro eben vorkommen, hier würde nicht alles so funktionieren wie bei uns in Österreich. Korrupt seien sie auch, die Montenegriner, sagt er. Die Bank, bei der ich abhebe, gehöre dem Bruder des Präsidenten. Montenegro ist eine Bananenrepublik sagt der Kellner. Österreich sei viel besser. Wenn er nur wüsste…

Am Ende will er mir sogar 30 statt 20 Euro Wechselgeld geben. Weil ich ja durch das Abheben Spesen hätte, sagt er. Das ist uns in Österreich noch nie passiert…

Zwischenstopp in Zadar. Dort, wo die Sonne schöner als irgendwo sonst untergehen soll…

Wir machen in Zadar noch einmal Zwischenstation, das haben wir alle auch dringend nötig. Wenn es nicht staut, schüttet es in Strömen, alles geht ziemlich zäh. In Zadar wird es schöner, wie gehen durch die Stadt und essen noch einmal Pizza. Und beschließen, irgendwann noch einmal in Albanien vorbeizuschauen. Wir haben viel zu wenig von diesem Land gesehen. Albanien hätte sich definitiv mehr als eine Woche verdient. Und für Sammy ist sowieso klar: Pulebardhia lässt sich so schnell nicht toppen.

ALBANIEN

Einwohner: 2,8 Millionen.

Hauptstadt: Tirana

Regionen & Sprachen: Albanisch, an den Grenzen auch Mazedonisch und Griechisch. 

Geschichte: Di ersten Siedlungen gab es vor rund 100.000 Jahren, die Illyrer besiedelten Albanien etwa 1000 v. Chr., später war die Region Teil des römischen Reichs, auch Byzantiner, Bulgaren und Normannen herrschten über das Land. Mitte des 15. Jahrhunderts verteidigt Fürst Skenderbeu das Land gegen die Osmanen, stirbt aber – und die Osmanen siegen. Nach den Balkankriegen ruft Albanien am 28. 11. 1912 seine Unabhängigkeit aus, wird aber während des Zweiten Weltkriegs von Italien und den Nazis besetzt. Danach übernimmt Kommunistenführer Enver Hoxha die Führung des Landes und wird immer mehr zum Diktator. 1985 stirbt er, fünf Jahre später werden die Kommunisten gestürzt.

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