Apulien: Zwischen den zwei Meeren

Sonne und Sand, zwei Meere, Pizza, Pasta, Grappa, Vino. So ungefähr haben wir uns die drei Wochen ganz unten im Salento vorgestellt – am Strand liegen und einmal nicht allzu viel in der Gegend herumfahren. Dass es dann doch ein bisschen anders gekommen ist, daran war nicht allein das Wetter schuld. Denn es gibt viel zu viele Orte, die man im Süden von Apulien einfach sehen muss.

Nach ein paar eher herausfordernden Destinationen war die Idee hinter Apulien von Anfang an: einmal so richtig entspannen. Ein zweiter, ziemlich unerfreulicher Grund kam unmittelbar nach Südengland dazu: Nachdem Sammys Husten immer stärker geworden war, stellte der Tierarzt Herzprobleme bei ihm fest. Allzu anstrengende Touren wären damit ohnehin hinfällig geworden. 

Mit dem Gepäck müssen wir diesmal noch mehr als normalerweise haushalten: Wir haben auch die Reisetasche unserer Tochter, die sich kurzfristig entschlossen hat, uns ein paar Tage in Castro zu besuchen, dabei. Und ein aufblasbares Stand-up-Paddel samt Schwimmwesten für Manuela und – natürlich – für Sammy. Die Rückbank ist für Koffer und andere Gepäckstücke trotzdem tabu, die gehört wie immer Sammy ganz allein. Also testen wir – und kommen überraschend gut zurecht. Auch deshalb, weil wir beschließen, weniger Gewand mitzunehmen und dafür in den Appartements zu waschen.

Die ersten beiden Wochen haben wir schon vor gut einem Jahr in Castro an der Ostküste von Apulien gebucht: Ein, zumindest auf den Fotos, traumhaftes Appartement mit fantastischem Blick über das Meer. Eine Woche gönnen wir uns dann noch bei Punta Prosciutto: Wir haben vor einiger Zeit ein Appartement direkt am Meer gebucht – sicherheitshalber. Eigentlich wollten wir noch Alternativen suchen, aber irgendwie kommen wir nie dazu. Egal, so schlecht wird das Appartement schon nicht sein.

Sammy ist seit Tagen unruhig, er merkt, dass es bald wieder losgeht. Wir schlafen alle schlecht und kommen deshalb später als geplant weg. Das Wetter ist einigermaßen in Ordnung – aber nicht lange. Es beginnt teilweise stark zu regnen, die Sicht ist mies, alles grau in grau. Trotzdem fahren wir bis nach der Grenze durch, ehe wir uns den ersten Caffé gönnen und Sammy die beiden älteren Damen am Nebentisch zu ein paar Streicheleinheiten animiert. Es schüttet, also fahren wir ohne weiteren Stopp bis nach Comacchio, das kleine Venedig in der Emilia-Romagna. Das Auto bleibt notgedrungen auf einem Parkplatz außerhalb des Zentrums, aber das Hotel, das Locanda di Comacchio, ist ohnehin nur 300 Meter entfernt. Elisa empfängt uns enorm freundlich, vor allem Sammy hat es ihr angetan. Damit er in Comacchio seinen Spaß hat, zeigt sie uns am Stadtplan auch einen Bereich, der speziell für Hunde eingerichtet ist.

Imposante Brücken verbinden die 14 kleinen Inseln, auf denen Comacchio erbaut wurde.

Ein paar Minuten nach 16 Uhr sind die Koffer im Zimmer, das Bett hat Sammys obligaten Eignungstest bestanden. Das Locanda La Comacina liegt direkt am Canale Maggiore, dem wichtigsten Kanal der Stadt, die tatsächlich einen Hauch von Venedig versprüht. Nicht ganz so enge Gassen zwar, die Kanäle ein bisschen breiter – und nur alle heiligen Zeiten ein „Gondoliere“, der eines der traditionellen „batane“ durch das Wasser manövriert. Und: es gibt kaum Touristen, zumindest nicht jetzt, Ende September. Die Brücken von Comacchio brauchen den Vergleich mit denen von Venedig nicht zu scheuen. Die imposanteste ist die Ponte dei Trepponti: fünf breite Treppen aus Ziegeln, sechs Säulen, zwei massive Wachtürme und darunter vier Kanäle. Von oben hat man beinahe alle Sehenswürdigkeiten der auf 14 kleinen Inseln erbauten Lagunenstadt im Blick – die Ponte degli Sbirri, das Antico Ospedale degli Infermi und den Palazzo Bellini. Auch die anderen Attraktionen sind nicht weit entfernt, etwa die Kirche Santa Maria, die Antica Pescheria oder die Manifattura dei Marinati, wo früher einmal die ganzen Fische und Aale, die draußen im Po-Delta gefangen wurden, abgeladen, mariniert und geräuchert wurden. Seinen letzten Ankerplatz gefunden hat in einem der Kanäle auch ein altes Frachtschiff, das Battello storico Natale. 

Nach rund 850 Kilometern Anreise und einer ersten Runde durch die Stadt haben wir uns den Caffé in der Loggia del Grano mitten im Zentrum verdient. Wir gehen noch einmal durchs Zentrum, dann bleiben wir im Il Borgo im Garten sitzen, obwohl der Koch erst eine halbe Stunde später den Ofen anheizt. Umso besser schmecken die Ravioli mit Ricotta und die Carbona. Der Caprese, eigentlich als Vorspeise gedacht, wird zur Nachspeise, weil alles auf einmal auf den Tisch kommt. Egal, auch der Wein schmeckt großartig. Wir sind hundemüde, duschen und fallen ins Bett.

Ein bisschen wie Venedig, aber so viel ruhiger!

Wir frühstücken im Hotel, zahlen und checken relativ zeitig aus. Bis Altamura sind es ja noch beinahe 700 Kilometer. Bevor wir zurück zum Auto gehen, trinken wir noch Caffé im Lokal direkt beim Hotel. Gut so, denn ich merke, dass ich die Autoschlüssel im Zimmer vergessen habe. Am Weg zum Parkplatz deutet mir ein älterer Herr mit Händen und Füßen – ich habe meine Jacke auf der Straße verloren. Unmittelbar zuvor hat uns ein Gast im Café bereits darauf aufmerksam gemacht, dass Manuela ihre Sonnenbrille liegengelassen hat…

Das war’s dann aber. Wir haben alles beisammen, packen das Auto wieder voll und fahren los. So problemlos wir gestern unterwegs waren, so zäh wird es heute: Schon am Weg zur Autobahn die ersten Staus, auf der Autobahn selbst wird es nicht besser. Stockender Verkehr, alle paar Kilometer eine Baustelle und nur eine freie Fahrspur. Wir brauchen achteinhalb Stunden für die 685 Kilometer.

Unser Appartement, das La Locanda di Nonno Paolo, liegt in der Via Fratelli Scarati mitten in der Altstadt von Altamura, mit dem Auto kommen wir da nicht hin. Aber kein Problem: der Parkplatz am Piazza Matteotti ist nur ein paar hundert Meter entfernt. Das Appartement ist irgendwie cool, nicht nur wegen der Lage in einer engen Gasse im Centro storico – ein Tisch, ein kleiner Herd, ein Bett und ein enges Badezimmer mit Dusche und Sitzbadewanne in der Schräge. Aber auch das ist, mit ein paar Verrenkungen, kein Problem. Es ist schon relativ spät, deshalb gehen wir gleich hinein ins Zentrum. Enge Gassen, Häuser aus Stein, wunderbare Balkone und viele uralte Palazzi. Es spielt sich ziemlich ab, die Gassen und Plätze sind voll. Zu viele Menschen für Sammy, der zusehends nervöser wird. Wir sind sowieso müde, deshalb trinken wir irgendwo Caffé und suchen bald darauf ein Lokal. In einer kleinen Nebengasse versteckt finden wir das Ludi84. Spezialität laut Karte: Pinsen. Also probieren wir eine – und die schmeckt wirklich großartig. 

Von den Peuketiern merkt man in Altamura nichts mehr, umso mehr ist aus Friedrichs Zeiten geblieben.

Der Kellner ist noch recht jung und sehr nett. Er will wissen, woher wir kommen, wohin wir noch fahren – und ob uns Altamura gefällt. „Eine schöne Stadt“, sagen wir. Das kann er gar nicht so recht glauben. Aber wir meinen es ernst. Von den alten Mauern, die die Peuketier ein paar Jahrhunderte vor Christus rund um eine Akropolis errichtet haben, ist zwar nicht mehr viel übriggeblieben, aber dafür hat Friedrich II. ganze Arbeit geleistet, als er hier eine neue Stadt errichten ließ. Vom mittelalterlichen Stadtkern ist viel geblieben, vor allem die charmanten Gassen und Häuser, die rund um die sogenannten claustri – die Innenhöfe für alle Bewohner – erbaut wurden. Rund 200 solcher claustri gibt es noch. Weil eine Stadt ohne Kathedrale und Burg zu Friedrichs Zeiten keine richtige Stadt war, ließ er auch gleich die Cattedrale Santa Maria Assunta und das Castello del Colle errichten. In den Türmen der normannischen Burg ließ der eifersüchtige Friedrich irgendwann auch seine Geliebte einsperren, weil er Zweifel an deren Treue hegte. Allerdings hat sich alles in Wohlgefallen aufgelöst: Die junge Dame gebar in der Gefangenschaft einen kleinen Sohn, Manfred – und der hatte das gleiche Mal auf der Schulter wie der alte Friedrich. 

Hauptattraktion von Altamura sind allerdings nicht Friedrichs Bauten, sondern – Brot. In der Città del Pane wird noch immer ein ganz besonderes Brot gebacken, das den Menschen sogar so gut schmeckt, dass in Altamura auch die größte Fast-Food-Kette der Welt den Big Mac einziehen musste. Gleich neben dem neuen McDonalds hatte ein störrischer Bäcker einen Laden eröffnet – der Konkurrenz von Focaccia und Pane aus Altamura musste sich McDonalds rasch beugen und die Filiale wieder schießen.

Am Morgen verlieren wir vorübergehend die Orientierung. Wir finden den Piazza Matteotti und das Auto erst nach längerem Suchen, obwohl der Platz eigentlich nur ums Eck liegt. Das Auto in Sichtweite, können wir auch das Frühstück genießen: Croissants und Caffé im Marconi sind wunderbar – ein perfekter Start für einen Tag, an dem wir uns einiges vorgenommen haben: Castel del Monte, Gravina in Puglia, Matera. Wir wollen eigentlich mit Friedrichs sagenumwobenen Castel beginnen, disponieren dann aber um und fahren zuerst nach Gravina in Puglia. Eine traumhafte Stadt mit engen Gassen und schönen Plätzen. Wir lassen das Auto  stehen und gehen hinein in das Centro storico. Der Piazza del Papa Benedetto XIII. ist das Zentrum der Stadt, mit einer imposanten Kathedrale und dem alten Bischofssitz, einer fantastischen Aussicht über die früher bewohnten Schluchten und einer uralten Kirche quasi im Keller. Die bunten Malereien an den Wänden sind zwar ein wenig verblasst, beeindrucken aber nach wie vor. 

Gravina in Puglia: imposante Kathedrale, uralter Bischofspalast und bewohnte Höhlen.

Danach begeben wir uns auf die Spuren von 007 – auf die spektakuläre Ponte Acquedotto, von der sich James Bond seinerzeit hat. Im Film hat man die Brücke zwar kurzerhand nach Matera verlegt, aber ein bisschen künstlerische Freiheit muss schon erlaubt sein. Wir gehen über die Brücke auf die andere Seite der Schlucht, deren Höhlen vor vielen Jahren bewohnt waren. Die Aussicht auf Gravina können wir vorerst aber nicht genießen: Urplötzlich reißt sich Sammy los und läuft total verängstigt in Richtung Brücke – das hat er noch nie gemacht! Kurz vor der Brücke kann ich ihn gerade noch einfangen und beruhigen. Mein Verdacht bestätigt sich rasch: irgendein Tourist hat seine Drohne fliegen lassen – und das kann Sammy gar nicht haben.

James Bond ist auf der Flucht vor den Bösen von der Brücke gesprungen, Sammy läuft vor einer Drohne davon.

Eigentlich wollten wir noch eine der Höhlenkirchen in der Schlucht besichtigen, aber das lassen wir bleiben, damit Sammy zur Ruhe kommen kann. Oben am Piazza del Papa Benedetto trinken wir Caffé, sehen einer Gruppe von singenden Kindern und ein paar Nonnen zu, die sich allesamt neben uns niederlassen und ein Eis gönnen. Wir genießen noch einmal die Aussicht auf die ziemlich kuriosen Figuren auf den Gebäuden der Piazza, dann gehen wir zum Auto. 

Weiter nach Matera, einen Steinwurf über der apulischen Grenze in der Basilikata. Die Stadt ist eine der meistbesuchten Attraktionen in ganz Italien. Das war freilich nicht immer so. Matera, heute Weltkulturerbe und vor ein paar Jahren Europäische Kulturhauptstadt, galt noch vor wenigen Jahrzehnten als die Schande Italiens. Bis spät in die 1960er-Jahre hinein hausten Tausende Menschen unter katastrophalen hygienischen Bedingungen in den Höhlen der Alta Murgia. Das hatte schon in der Jungsteinzeit begonnen, im Lauf der Jahrhunderte entstanden danach in den Sassi di Matera unzählige Wohnungen und ganze Siedlungen. Feucht und dunkel, einfach menschenunwürdig. Mitte des 20. Jahrhunderts rüttelte der Roman „Christus kam nur bis Eboli“ die Politik auf. Man bot den damals rund 15.000 Höhlenbewohnern ordentliche Wohnungen an, aber nicht alle wollten weg aus ihren Höhlen…

Matera: Aus der Schande Italiens wurde Europas Kulturhauptstadt und Weltkulturerbe.

Aber Matera entwickelte sich von der Schande eines ganzen Landes zu einem Vorzeigeort. 1993 als UNESCO Weltkulturerbe ausgezeichnet, wurde Matera 2019 auch zur Kulturhauptstadt Europas gekürt. Das faszinierende Gewirr aus engen Straßen, Treppen, Höhlen und Grottenkirchen lockt immer mehr Touristen an, dass James Bond auf den Dächern der Stadt Motorrad gefahren ist, auf einem zentralen Paltz herumgeschossen hat und von der kurzerhand aus dramaturgischen Gründen „eingebürgerten“ Ponte Acquaviva gesprungen ist, hat die Begeisterung für Matera weiter angeheizt. Und die mittlerweile sanierten Höhlenwohnungen werden längst wieder bewohnt – von meist recht betuchten Touristen, die nach „authentischen“ Erlebnissen gieren…

Heute können Touristen durch die engen Gassen spazieren und in den Höhlenwohnungen übernachten.

Viele Touristen sind auch jetzt, Ende September, noch da. Wir finden nach einigen Ehrenrunden einen Parkplatz und gehen gleich hinein in die Altstadt. Die Häuser sind aus Stein, die engen Wege, die vorwiegend über die Dächer der Häuser führen und beinahe kunstvoll in die Hänge gebaut wurden, sind mit Steinen gepflastert, der Ausblick über die alte Stadt ist beeindruckend. Von der alten Stadtmauer aus sieht man hinüber auf die Sassi di Matera, das lange Zeit bewohnte Höhlensystem in der Schlucht der Gravina. 

Es geht ziemlich steil hinauf in die Altstadt – dafür schmeckt der Caffè mit Blick auf den Duomo umso besser.

Vor dem Duomo überlegen wir uns, ob wir das Castel del Monte auch noch schaffen. Wir sind schon einigermaßen müde, es ist mitten am Nachmittag – und die Fahrt von Matera zum Castel würde laut Navi rund zwei Stunden dauern. Das allein hätten wir vielleicht noch in Kauf genommen, aber eine kurze Recherche im Internet sagt uns, dass man mit dem Auto nicht bis zum Castel fahren kann, sondern das letzte Stück mit einem Shuttle-Bus absolvieren muss. Nachdem im Castel keine Hunde erlaubt sind, ist fast anzunehmen, dass sie – wie vor einem Jahr beim Mont Saint-Michel – in den Bussen ebenfalls verpönt sind. Alles zusammen lässt uns zu dem Entschluss kommen, dass wir das achteckige Castel vielleicht bei der Heimfahrt, aber sicher nicht heute anschauen werden. Wir fahren zurück nach Altamura, erholen uns im Appartement und gehen dann noch einmal in die Stadt. Wir suchen ein Restaurant und entscheiden uns für die Osteria Santa Chiara, die klein, aber irgendwie sympathisch aussieht. Aber so klein ist das Lokal gar nicht. Der Kellner führt uns die Treppen hinab in die Grotta, wo die Atmosphäre großartig und das Personal extrem nett ist. Wir nehmen eine Vorspeise mit Wurst und Käse, bekommen auch noch etwas vom Haus und am Ende traumhafte Caputi mit Involtini und Tomatensauce. Wie immer: extrem gut, extrem viel. Im Appartement fallen wir ins Bett, werden aber bald geweckt. Irgendwer schießt draußen kleine Raketen, was Sammy ausnahmsweise einmal ziemlich egal ist. Kaum ist alles ruhig, fängt eine Familie draußen auf der Straße lautstark zu streiten an…

Von Altamura nach Castro sind es nur ein paar Stunden – Zeit genug, um einen Sprung in Polignano a Mare und Monopoli vorbeizuschauen. Wir frühstücken wieder im Café Marconi und lassen uns dann vom Navi führen. Das ist wieder einmal auf Bestrafung aus und führt uns über Nebenstraßen und durch kleine, verwinkelte Ortschaften. Nach zweieinhalb Stunden bringt uns Google Maps zurück auf die Autostrada, aber da ist der Schaden schon angerichtet. Wir sind sauer – und in Polignano deutet nichts darauf hin, dass sich das ändern könnte. Wir wollen zum Parkplatz Centrale, ziehen in Ermangelung einer vernünftigen Beschilderung das Navi zurate, das uns quer durch Einbahnen und enge Gassen ein paarmal irgendwohin bringt, wo aber nichts ist. Vor allem kein Parkplatz, denn der ist einer Baustelle gewichen. Wir steuern den Marco Polo am Stadtrand an, den gibt es tatsächlich und auch Parkplätze sind vorhanden.

Die Idylle auf den Fotos täuscht: Polignano ist auch in der Nebensaison stark frequentiert.

Der Weg entlang der Küste mit den vielen Grotten und steilen Klippen vor dem tiefblauen Meer hinein in die Stadt ist schön– und von vielen Touristen gesäumt. Drinnen im Zentrum wird es immer schlimmer: Die Massen an Menschen lassen in den engen und prinzipiell wohl idyllischen Gassen keinen Spielraum für individuelle Wege und vertreiben den Spaß an der Stadt schnell. Nur mit viel Fantasie kann man erahnen, dass Polignano a Mare schön sein könnte. Wir gehen zurück zum Hauptplatz, gönnen uns ein hervorragendes Eis in der Mago Gelateria – und überlegen, wie man wohl Polignano in der Hauptsaison überleben könnte. Am Weg zurück zum Auto machen wir Bekanntschaft mit Domenico Modugno – also nicht mit dem Sänger persönlich, sondern mit seinem Lied „Nel blu dipinto di blu“. Die markantesten Textzeilen hängen über einer Straße, damit die Touristen ihr „Volare!“ möglichst fehlerfrei durch die Stadt plärren können. Modugno, heute von der Stadt vereinnahmt, hatte es sich früher mit den Heimischen verscherzt, weil er sich – aus karrieretechnischen Gründen – lieber als Sizilianer ausgegeben hatte. Sein Abschiedskonzert gab der Sänger freilich wieder in Polignano, 70.000 Menschen waren begeistert – und alles war wieder gut.

Wir flüchten Richtung Monopoli. Alles an der Stadt ist angenehmer und irgendwie schöner. Die Parkplätze sind ausgeschildert, die Gehwege auch, die Touristen treten in überschaubaren Mengen auf. Wir gehen zur riesengroßen Piazza Vittoria Emanuele und weiter ins Centro storico mit der barocken Cattedrale Madonna della Madia, uralten Kirchen und Gebäuden. Sammy bringt die Menschen derweil zum Strahlen, eine Italienerin bleibt sogar mit dem Auto mitten auf der Straße stehen, um ihn zu bewundern. „Bellissimo“, sagt sie.

Darauf ist Verlass: Die blauen Fischerboote ankern in rauen Mengen im Hafen von Monopoli.

Im Hafen liegen die berühmten blauen Fischerboote, bewacht vom Castello Carlo V., das der alte Karl im 16. Jahrhundert als Bollwerk gegen die Türken errichten ließ. Ein Straßenverkäufer aus Afrika verwickelt mich in ein Gespräch über Fußball, Afrika und überhaupt. Er „schenkt“ mir ein paar Ketten, dazu ein paar für Manuela. Sekunden später erklärt er mir, dass er ein paar Kinder ernähren muss. Ob ich nicht…? Ich gebe ihm 10 oder 20 Euro, dann ist er zufrieden.

Dank dem Navi haben wir für Monopoli nicht mehr viel Zeit. Wir müssen weiter nach Castro, wo wir die nächsten zwei Wochen bleiben werden. Wir geben die Via Vivaldi ins Navi ein, das die Straße aber nicht einmal kennen will. Also wieder Google Maps, das tatsächlich mehr weiß. Punkt 17 Uhr sind wir, wie geplant, in der Via Vivaldi – sagt zumindest Google Maps. Aber hier ist nichts, was nach Via Vivaldi aussieht oder so heißt. Wir fragen Passanten, eindeutig Einheimische. Via Vivaldi, hier? Keine Ahnung, nie gehört! Wir fahren weiter, immer wieder quer durch Castro, hinauf in den alten Stadtkern und wieder hinunter an den Hafen – und landen immer wieder an jener Stelle, wo wir bereits nachgefragt haben. Bis wir die kerzengerade und steil abfallende Straße entdecken, die kaum erkennbar von der Hauptstraße abzweigt, einer Hauszufahrt gleicht und keinen Namen hat. Aber genau das ist sie, die Via Vivaldi. Unten geht es tatsächlich weiter. Fidalma wartet schon auf uns, empfängt uns freundlich, obwohl wir viel zu spät sind. Sie führt uns durch das Appartement Bona Vitae, das tatsächlich zu den besten und schönsten zählt, die wir jemals gebucht haben. Tolle Aussichten, drei Terrassen, zwei Ebenen, zwei Bäder, eine perfekt ausgestattete Küche – besser geht’s nicht!

Von überall das Meer im Blick: Das Appartement Bona Vitae ist einfach perfekt.

Wir fahren gleich einkaufen, nehmen dem Navi nicht mehr übel, dass es noch einmal bockt, und genießen Mortadella, Brot, Rotwein und Malvasier auf der Terrasse.

Bevor wir nach Lecce fahren, um unsere Tochter vom Bahnhof abzuholen, gehen wir zuerst einmal hinunter nach Castro Mare. Unser Appartement liegt gerade in der Mitte – es geht ein paar Hundert Stufen steil hinunter bis zum Meer und fast genauso weit steil hinauf in das historische Castro mit einer verwinkelten Altstadt und einer massiven Festungsanlage aus dem Mittelalter. Von der zentralen Piazza Vittoria ist der Ausblick über das Meer grandios, irgendwo gar nicht so weit entfernt lässt sich an klaren Tagen die Küste von Albanien erahnen. Nur wenige Meter entfernt ist die Chiesa dell’Annunziata am anderen Ende des Platzes, auch der alte Bischofspalast ist zum Greifen nahe. 

Wir sind froh, dass die Bahnverbindung vom Flughafen Bari bis nach Lecce hervorragend ist, damit ersparen wir uns doch einige Stunden und ein paar Hundert Kilometer Autofahrt. Aus dem Plan, unsere Tochter abzuholen und gleich einmal Lecce zu erkunden, wird aber nichts. Das Wetter ist unbeständig, in Lecce zieht ein Gewitter auf. Wir fahren zurück nach Castro und lassen das Unwetter hinter uns, zumindest vorerst. Es ist ziemlich schwül, als wir unten am Hafen bei Martinucci Caffé und Tiramisu ordern. Später, oben im Centro storico, werden die Wolken immer bedrohlicher. Der Regen kommt aber erst, als wir im Appartement sind. Carbonara und Wein müssen wir drinnen genießen…

Porto Badisco: viel Stein und traumhaft schönes Meer.

Die Sonne scheint schon in aller früh. Perfekt, denn wir haben uns ein paar Strände und das Ende der Welt vorgenommen. Keine zwei Kilometer von Castro entfernt liegt ziemlich unscheinbar neben der Straße einer der berühmtesten Strände der Region, der Cale dell’Acquaviva. Ein schmaler Fjord, nicht allzu viel Platz für Badegäste. Viele Menschen sind noch nicht hier, trotzdem drehen wir um: Sammy darf nicht hinunter. Hunde sind am Acquaviva das ganze Jahr über verboten. Wir disponieren um und fahren ein paar Kilometer Richtung Norden zum Porto Badisco. Ein knapp 300 Meter langer Fjord mit einem winzigen Sandstrand, vielen Felsen und einem recht spektakulären Turm. Wir bleiben auf einem Felsen liegen und genießen die Sonne. Immer wieder spenden ein paar Wolken ein wenig Schatten, dann ist es mit der Sonne auch schon wieder ganz vorbei. Es beginnt leicht zu regnen – Zeit aufzubrechen und das Ende der Welt zu entdecken. Wir fahren hinunter in den Süden Richtung Santa Maria di Leuca, die Regenwolken bleiben uns dicht auf den Fersen.

Beim Fiordo del Ciolo – einem faszinierenden Strand tief unter einer Straßenbrücke – bleiben wir stehen, obwohl es mittlerweile in Strömen regnet. Wir warten im Auto auf jene Besserung, die uns der Regenradar verspricht. Und tatsächlich: nach einer knappen halben Stunde kommt die Sonne raus, die Wolken verschwinden fast zur Gänze. Wir gehen die steilen und ziemlich rutschigen Treppen hinunter zum Strand, der dank des Regens ausnahmsweise nicht übervölkert ist. Wir sind beinahe allein und können die besondere Atmosphäre genießen, für die vor allem ein wunderschöner Regenbogen über der Ponte Ciolo sorgt. Bei besserem Wetter ist die Bucht in der Regel voll, und von den steilen Felsen und angeblich sogar von der Brücke selbst stürzen sich dann besonders Wagemutige rund 30 Meter hinunter ins Meer. Darauf hat heute niemand Lust. Zurück zum Auto nehmen wir den traumhaften Wanderweg, der steil hinauf und weiter ins Landesinnere führt.

Man muss nur Geduld haben: Wir warten auf das Ende des Regens und werden mit Regenbogen und ein paar Sonnenstrahlen über der Ponte Ciolo belohnt.

In Santa Maria di Leuca fahren wir natürlich zuerst zur Basilica Santuario di Santa Maria de Finibus Terrae. Der Name sagt eigentlich schon alles: Hier, am Ende der Welt, dreht sich alles um die Heilige Maria. Ein gewaltiger Platz, dominiert von einer Statue, jeder Menge Engeln und der Basilika, die exakt an jener Stelle errichtet worden ist, wo früher ein Tempel der Göttin Minerva stand – einer Göttin unter vielen. Aber die Sache mit den vielen Göttern hat den Bewohnern da unten im Salento irgendwann einmal der Heilige Petrus höchstselbst ausgetrieben und sie zum Christentum bekehrt. Ein paar Jahrhunderte nach dem alten Petrus hat mit Papst Johannes Paul noch ein anderer Stellvertreter Gottes die Santuario besucht, wie eine Statue dokumentiert.

Ein ziemlich heiliger Ort: Jahrhunderte nach Petrus war auch der Papst am Ende der Welt. Sammy lässt die ganze Heiligkeit rund um Finibus Terre ziemlich kalt.

Auf der anderen Seite des Platzes markiert ein kleiner Stein „De Finibus Terre“. Hier also, am südlichsten Punkt Italiens, haben die Römer das Ende der Welt verortet. Blickt man hinaus aufs Meer, erkennt man mit ein bisschen Fantasie auch eine andere Besonderheit, die Apulien den Namen als Land zwischen zwei Meeren gegeben hat: denn genau hier fließen die Adria und das Ironische Meer zusammen. 

Unten in Luca begnügen wir uns mit einem Spaziergang am Strand.

Wir fahren weiter ins Zentrum von Leuca. Der Ort ist nicht ganz so beeindruckend wie der Platz vor der Basilika. Wir lassen es gut sein, trinken noch Wein in der Strandbar Albachiara und fahren zurück nach Castro. Auf der Terrasse des La Arragosta genehmigen wir uns noch eine großartige Pizza, ehe wir daheim allesamt hundemüde ins Bett fallen.

Strandtag. Es ist schön, also fahren wir Richtung Otranto zur Baia dei Turchi, von der man sich erzählt, dass es hier die schönsten Strände des Salento gibt. Die Italiener lieben den Platz jedenfalls: Die Baia dei Turchi liegt auf Platz 12 der „Luoghi del Cuore“, der Orte des Herzens. Und in der Liste der 100 Orte, die in Italien geschützt werden müssen, ist der Strand ebenfalls vertreten. Und das alles nicht zu Unrecht: Der feine, weiße Sand zwischen den steil abfallenden Felsen und dem tiefblauen Wasser der Adria ist absolut einzigartig. Dabei ist der Strand gar nicht so einfach zu erreichen. Von der Hauptstraße führt knapp vor Otranto ein eher unscheinbarer Weg in Richtung Strand und zu ein paar Parkplätzen. Weiter als bis zum ersten kommt man in der Regel nicht, denn dort überrumpelt eine sehr strenge, sehr laute und sehr resolute Dame die Autofahrer. Weiterfahren ist keine Option – eine Auseinandersetzung mit der Dame will niemand riskieren.

Hinlegen, das Rauschen des Meeres genießen und hin und wieder kurz ins Wasser springen – mehr sollte man an der Baia dei Turchi nicht tun.

Der Fußweg zum Strand ist dann noch relativ lang – aber schon der erste Blick auf das Meer lohnt die Anstrengung. Der Strand ist traumhaft, das Meer leuchtend blau und grün, das Wasser klar und sauber. Wir legen uns an einen schattigen Platz unter einem Felsen und probieren zum ersten Mal unsere angeblich so leicht aufblasbaren Luftmatratzen aus. Die hätten wir eigentlich bereits nach Südengland mitnehmen wollen, allerdings kamen sie erst daheim an, als wir schon längst unterwegs waren. Tatsächlich: die Dinger lassen sich mit ein paar „Fußtritten“ aufblasen und sind weitaus bequemer als irgendwelche Decken. 

Sammy interessieren die Unterlagen sowieso nicht: er will im Sand spielen und im Meer schwimmen, immer wieder und immer wieder. Die Baia dei Turchi ist definitiv schon jetzt sein absoluter Lieblingsplatz in Apulien.

Sammy neuer Lieblingsplatz!

Kaum zu glauben, dass der Name des wunderbaren Strandes auf ein ziemlich schlimmes Ereignis hinweist: Um 1480 herum kamen nämlich rund 180.000 Osmanen hier angerudert, und die hatten absolut nichts mit der Schönheit des Strandes am Hut: Von der Baia dei Turchi zogen die Osmanen weiter nach Otranto und massakrierten dort die Bewohner.

Sammy ist auch das egal. Er will bleiben. Wir müssen ihm gut zureden, als wir weiter zum Torre Sant’Andrea und zur Grotta della Poesia fahren wollen. Vom legendären Wachturm, der seinerzeit die Gegend rund um Melendugno vor Piratenüberfällen geschützt hat, sind nur noch Ruinen geblieben. Aber auch ohne Turm ist Torre Sant’Andrea einer der schönsten Plätze in Apulien. Im Lauf der Jahrhunderte hat das Meer dramatisch schöne Felsen geschaffen, die vor den weißen Kalksteinklippen aus einem beinahe unwirklich blauen Meer ragen, und romantische Felsbögen wie den „Arco degli Innamorati“ – den Liebesbogen, vor dem sich Unmengen von Touristen fotografieren lassen. Natürlich machen auch wir jede Menge Fotos, und ahnen nicht, dass wir gerade eine der letzten Chancen nutzen. Denn nur ein paar Monate später ist der Liebesbogen Geschichte: Nach einem heftigen Unwetter versinkt der Bogen der Verliebten für immer im Meer – ausgerechnet am Valentinstag 2026…

Wir haben ihn Gott sei Dank noch gesehen: Der Arco degli Innomorati ist ausgerechnet am Valentinstag von einem Unwetter zerstört worden…

Die Grotta della Poesia ist gleich in der Nähe – ein natürliches Becken von außerordentlicher Schönheit. Das haben die Apulier sogar amtlich: Die Grotte zählt zu den zehn schönsten natürlichen Becken der Welt! Eigentlich sind es ja zwei Grotten – die Grotta Grande und die Grotta Piccola. Die große ist spektakulärerer: fünf Meter tief, kristallklares Wasser, irgendwie magisch. Ein paar Meter daneben steht die Statue Maria Santissima delle Grazie, ein Heiligtum der Apulier.

Die Grotta della Poesia ist von außergewöhnlicher Schönheit, das haben die Apulien sogar amtlich.

Für die Legende hinter der schönen Grotte ist Maria aber nicht verantwortlich, sondern eine schöne Prinzessin. Die junge Dame pflegte in den Gewässern zu baden, was sich einige Herren der Schöpfung nicht entgehen ließen. Darunter auch jede Menge Dichter, die kamen, zusahen – und sich zu poetischen Ergüssen verführen ließen.

Der Wetterbericht verheißt für den Nachmittag nichts Gutes: heftige Gewitter und starke Regenfälle. Wir fahren deshalb schon relativ früh nach Otranto. Die Stadt ist zwar ziemlich touristisch angehaucht, hat sich aber durchaus ihren Charme bewahrt. Wir gehen durch die engen Gassen, blicken aber immer wieder nach oben. Denn am Himmel ziehen sich die Wolken schon kurz nach 10 Uhr zusammen – und sie werden von Minute zu Minute dunkler und bedrohlicher. Allerdings: das Licht wird dadurch beinahe magisch. Wir gehen zum Kastell und in die Kathedrale, die für die Mosaiken am Boden und an der Decke berühmt ist. 

Die magische Lichtstimmung wirkt nicht zu Unrecht bedrohlich: Wenig später stehen wir knöcheltief im Wasser.

Dass die Aragonesen Otranto eine gewaltige Festung verpasst haben, hat sich zwar ausgezahlt, kam aber um ein paar Jahre zu spät: Das Kastell wurde nie eingenommen, allerdings waren die Osmanen mit der Belagerung der Stadt eben schon ein paar Jahre früher dran. Otranto bat seinerzeit in Neapel um Hilfe, hielt dem Ansturm der Osmanen auch 14 Tage lang stand – aber als die Hilfe aus Neapel endlich kam, war es zu spät. Achmed Pascha und seine 180.000 Türken hatten ein Loch durch die Mauer gebrochen und ein grausiges Gemetzel angerichtet. 800 überlebende Männer ließ Achmed Pascha danach noch auf einem Hügel aufstellen. Wer dem Christentum abschwor, sollte seinen Kopf behalten. Aber keiner der mutigen Männer ließ das Christentum hinter sich. Einer von ihnen, der älteste, soll dabei besonders standhaft gewesen sein: Obwohl längst kopflos, soll er bis zum letzten Toten stehengeblieben sein. Die Märtyrer von Otranto wurden 2013 vom Papst heiliggesprochen, die Überreste der Männer werden in der Cattedrale Santa Maria Annunziata aufbewahrt. 

Beim unserem zweiten Besuch in Otranto strahlt die Sonne vom Himmel.

Nach dem Besuch der Kathedrale treten wir den Rückzug an. Am Weg zum Parkplatz genehmigen wir uns aber noch einen Caffé. Falsche Entscheidung, denn der Regen wird immer heftiger. Die Überdachung auf der Terrasse bietet keinen Schutz mehr, wir flüchten ins Lokal – mehr als zehn Menschen warten hier auf gerade einmal drei Quadratmetern auf ein Ende des Unwetters. Aber es dauert, der Regen wird unbeschreiblich stark, binnen weniger Minuten steht das Wasser knöcheltief auf der Straße und wird immer höher und höher. Erst nach einer guten Dreiviertelstunde klart es etwas auf. Das Wasser steht auf der Straße stellenweise 30, 40 Zentimeter hoch, der Parkplatz steht zu einem großen Teil unter Wasser. Unser Auto ist Gott sei Dank noch wenig betroffen. Auf regulärem Weg können wir aber nicht mehr raus, also umfahren wir das Hochwasser, indem wir den Parkplatz gegen die Einbahn verlassen. 

Kurz nach Otranto ist es mit dem Starkregen vorbei. Wir kommen trocken in Castro an – aber auch hier beginnt es bald zu regnen und zu donnern. Egal, wir machen es uns daheim gemütlich, schlafen, lesen, chillen. Wie es sich im Urlaub gehört…

Lecce: ein barockes Gesamtkunstwerk.

Auf Badewetter müssen wir weiter warten, es ist windig und unbeständig. Also fahren wir nach Lecce und streifen eher ziellos durch die Stadt, vorbei an gewaltigen Kirchen, dem imposanten Duomo und einigen interessanten Geschäften. Am Piazza Sant’Onofrio werden immer noch die Überreste eines gewaltigen Anfiteatro ausgegraben, das die Römer hier so wie viele andere Bauten hinterlassen haben, ehe sie von den Normannen, den Anjous und noch später von den Aragoniern abgelöst wurden. Ende des 15. Jahrhunderts wurde Lecce zum kulturellen Zentrum des Königreichs Neapel – und damit die Hochblüte des „barocco leccese“ eingeläutet. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert haben Architekten und Steinmetze die Stadt entscheidend verändert und mit dem pietra leccese unzählige barocke Prachtbauten hinterlassen.

Die Römer haben sich in Lecce mit vielen imposanten Bauwerken verewigt. Das alte Anfiteatro wird noch immer ausgegraben.

Nach dem obligaten Caffé im Martinucci gehen wir noch einmal durch die Stadt, zum Castello Carlo V. und zur Porta Napoli mit dem riesigen Obelisken. Nachdem es wieder leicht zu regnen beginnt, fahren wir zurück nach Castro. Hier ist es viel schöner, aber ziemlich windig. Trotzdem gehen wir hinunter zum Hafen und genehmigen uns bei Martinucci noch Aperol und Bier, ehe wir es uns im Appartement gemütlich machen.

Eigentlich haben wir uns auf strahlenden Sonnenschein und Badewetter im Süden von Italien eingestellt. Bisher hat das Wetter aber nicht gehalten, was wir uns erhofft haben. Und es wird nicht besser. Wir verbringen wieder einen Vormittag im Appartement. Es schüttet, der Wind bläst stark, es ist kalt. Erst am Nachmittag wird es etwas besser, daher fahren wir doch noch weg. Wir haben Tricase, Presicce und Spécchia am Programm, allesamt relativ kleine, aber attraktive Orte – aber eben ein Schlechtwetterprogramm. Auch Sammy wird langsam etwas unrund, er will ans Meer.

Mit roher Gewalt rollen die Wellen durch die kleinen Felsöffnungen in das natürliche Becken bei Marina Serra.

Irgendwo zwischen Cap Calino und Tricase Porto bleiben wir tatsächlich am Meer stehen, auch wenn Sammy sich das ganz anders vorgestellt hat. Wir sind aber begeistert: Marina Serra ist ein natürliches Becken, eingerahmt von markanten, spitzen Felsen und kleinen Grotten, der alte Torre Palane in Sichtweite. Zum Baden ist das Wetter nicht geeignet, es ist kalt und der Wind peitscht die Wellen mit roher Gewalt durch die kleinen Öffnungen in den Felsen in das natürliche Becken. Ein beeindruckendes Spektakel – bis es halt wieder zu regnen beginnt…

In Tricase flüchten wir uns zuerst einmal in den Martinucci – der hat hier in Apulien in jedem kleinen Ort seine Filiale. Wir essen verboten gute Torten, dann gehen wir durch die kleine Stadt. Die Piazza Pisanelli mit dem Palazzo Principesco dei Gallone, der Chiesa di San Domencio und der Chiesa Madre zählt zu den schönsten des Salento. 

Klein, aber schön: Tricase zählt zu den Borghi Pia belli.

In Presicce empfangen uns am Weg in das Centro storico einige ziemlich aggressive Hunde, die uns von den Balkonen aus verbellen wollen. Das lässt sich Sammy nicht bieten, bellt zurück und die Hunde bleiben oben. Presicce ist ziemlich menschenleer, ruhig und durchaus schön. Es gibt jede Menge Kirchen und Paläste und viele Casa a Corte – Wohnhäuser, die sich einen Hof mit Wasserstelle teilen. Presicce zählt zu den Borghi più belle d’Italia, Tricase hat uns aber besser gefallen.

Trostlos schön: In Presicce bemühen sich die Künstler um ein noch schöneres Ortsbild.

Auch Spécchia, ebenfalls ein Borghi più belli, macht mehr Eindruck auf uns. Die Stadt hat mehr Flair, die Piazza del Popolo mit dem Palazzo Risolo ist beeindruckend, und in der Via Umberto gibt es – im Gegensatz zu Presicce, auch einen Martinucci…

Spécchia zählt zu den schönsten Orten Apuliens.

Zwei Dinge werfen unsere Pläne für heute über den Haufen: Während wir auf der Terrasse frühstücken, beginnen irgendwelche Leute oben bei der Festung wie verrückt zu schießen. Sammy wird unrund, sehr unrund. Das Ganze geht am Nachmittag munter weiter, vermutlich weil es ein Kirchenfest mit einem Umzug gibt. Die Idee, am Abend oben in der Altstadt zu essen, verwerfen wir Sammy zuliebe.

Im Osten ist es kalt und windig, an der Westküste scheint hingegen die Sonne.

Auch mit der Baia dei Turchi wird es nichts. Es ist zu kalt und zu windig. Dafür fahren wir am frühen Nachmittag an die Westküste, dort soll es schöner sein. Als wir in Marina di Pescoluse ankommen, scheint tatsächlich die Sonne. Der Strand ist elendslang und wirklich traumhaft schön. Die Italiener vergleichen die Strände hier in der Gegend gerne mit den Malediven. Wieso auch nicht – der Sand ist fein und weiß, das Wasser klar und herrlich türkis…

Dass wir heute nach Bari fahren, liegt nicht am Wetter. Es ist sogar schön in Castro – aber Marlene muss zum Flughafen. Wir trinken noch einen Caffé oben im Centro storico, dann fahren wir weg. Am Weg nach Bari möchte Marlene eigentlich noch in Ostuni stehenbleiben, aber das Navi sagt, dass wir drei Stunden fahren, und Ostuni wäre zudem ein Umweg. Außerdem wollten wir bewusst eigentlich jene Orte meiden, die wir bei unserem ersten Apulien-Trip vor einem Vierteljahrhundert schon gesehen haben. Ostuni gehört dazu, hat uns – im Gegensatz zu anderen Orten wie etwa dem so hochgelobten Alberobello – aber durchaus gefallen. Also beschließen wir, ins Zentrum von Bari zu fahren. Die Stadt soll mittlerweile schön sein – und längst nicht mehr so gefährlich wie früher. In Bari waren wir vor 25 Jahren zwar nicht, trotzdem habe ich schlechte Erinnerungen an die Stadt. Vor gut und gerne 40 Jahren war ich am Weg nach Griechenland in Bari mit der Fähre losgefahren – nachdem ich zuvor mit einem Mopedfahrer kollidiert war und unser Auto keine Stunde später am Hafen aufgebrochen wurde.

Baris Zentrum ist in den letzten Jahrzehnten durchaus schöner geworden. Den alten Nikolaus hat man sich schon vor Jahrhunderten angeeignet.

Dass Bari heute eine freundliche und moderne Stadt geworden ist, lässt sich erahnen. Aber Baris neue Schönheit will sich heute nicht so recht zeigen: das Wetter hat sich radikal umgestellt, es schüttet. Wir müssen in den engen Gassen mehr auf die Regenschirme der anderen achten als auf die Attraktionen der Stadt, auf die schönen Häuser und Kirchen. Immerhin lernen wir, dass der Heilige Nikolaus hier in Bari begraben ist, in der Basilica San Nicola. Dabei ist der Schutzpatron der Stadt gar nicht hier gestorben, sondern in Myra in der Türkei. Aber weil Bari im 11. Jahrhundert nach der Eroberung durch die Normannen zusehends an Bedeutung verloren hatte, überkam die Strategen der Stadt eine glorreiche Idee: Würden die Gebeine des Heiligen Nikolaus in Bari ruhen, hätte die Stadt wieder ein gutes Stück an Bedeutung gewonnen. Also machte man sich nach Myra auf und transportierte die Gebeine nach Bari. Nein, gestohlen will man die Überreste des alten Nikolaus nicht haben. Vielmehr habe man sie vor den Sarazenen in Sicherheit gebracht. Und außerdem: Der Nikolaus war früher ja schon einmal in Bari und dabei soll er gesagt haben: „Hier sollen meine Gebeine ruhen!“ Es war also nur sein letzter Wille…

Wir haben ein neues Ritual am Morgen: Hinunter zum Hafen, Croissants und Caffé bei Martinucci, danach frisches Gebäck vom Bäcker – und dann ein richtiges Frühstück auf der Terrasse.

Beim Wetter werden wir genügsam: es ist schön, aber ziemlich windig – in Summe also gutes Wetter. Wir fahren noch einmal nach Otranto, wo Sammy es einer kleinen Engländerin angetan hat. Sie will Sammy streicheln, traut sich aber erst, als ihr Vater mitkommt. 

Gar nicht so leicht zu finden: die Cava de Bauxite.

Wir fahren weiter zur Cava de Bauxite ein Stück außerhalb von Otranto. Es gibt sogar einen eigenen Parkplatz für die Cava, für die auf der Straße auch Hinweisschilder aufgestellt sind. Vier Euro müssen wir einem ziemlichen unfreundlichen Typen, der sich erst gar nicht aus seinem Häuschen begibt, zahlen, dann dürfen wir in Richtung der 1970 geschlossenen Bauxitgrube gehen. Irgendwie komisch, dass die Hinweisschilder zur Bauxitgrube plötzlich von Tafeln abgelöst werden, die darauf hinweisen, dass die Grube Privateigentum ist – und nicht betreten werden darf. Hinweisschilder zum Eingang der Grube gibt es jetzt nicht mehr, ein paar Pfeile führen gefühlt eher weg von der Cava. Wir gehen einem Pärchen nach, das sich laut Google Maps aber immer weiter von der Grube entfernt. Wir drehen um und stehen dann doch vor der Grube, allerdings ist alles abgesperrt. Nur ein Zugang scheint einigermaßen erlaubt zu sein. Wir drehen eine Runde, die Farben des Wassers und der roten Erde rundherum sind zwar beeindruckend – aber die Begeisterung hält sich in Grenzen.

Imposante Wellen an der Baia dell’Orte.

Der Fußweg zur Baia dell’Orte scheint einigermaßen beschwerlich zu sein, deshalb entscheiden wir uns, mit dem Auto hinzufahren. Das ist gut so, denn die Baia dell’Orte ist einer der attraktivsten Abschnitte des Naturparks Costa d’Otranto. Noch ziemlich unberührt und wild ist die von spitzen Felsen umrahmte Bucht vom Parkplatz aus zu Fuß über einen Weg durch die mediterrane Macchia erreichbar. Der starke Wind ist einem ziemlichen Sturm gewichen, aber das macht die Baia dell’Orte heute noch schöner: Der Sturm peitscht die Wellen mit unglaublicher Wucht gegen die Felsen. Ich kann mich kaum von dem Anblick trennen, aber Sammy hat mit den heftigen Windboen so gar keine Freude.

Der Faro di Punta Palascio dominiert das Capo d’Otranto – auch wenn er schon längst im Ruhestand ist.

Also fahren wir weiter zum Capo d’Otranto mit dem Faro di Punta Palascio, dem östlichsten Leuchtturm Italiens. Gerade einmal siebzig Kilometer sind es von hier aus quer über die Adria nach Albanien. Der strahlend weiße Leuchtturm hebt sich herrlich vom tiefblauen Meer ab, strahlt ansonsten aber nicht mehr. Der Faro ist längst geschlossen.

Zurück in Castro lassen wir den Tag mit einem herrlichen Eis von Martinucci ausklingen. Das haben wir uns verdient!

Viel lässt das Wetter in den letzten Tagen in Castro nicht mehr zu. Noch einmal Lecce, noch einmal die Altstadt von Castro und eine Wanderung entlang von Steinmauern und uralten Olivenbäumen zum Pizzo Mucurune, ein Sonnenaufgang am menschenleeren Cala d’Acquaviva, die obligaten Zwischenstopps bei Martinucci und wunderbare Pucce unten am Hafen bei Miro. Einmal schaffen wir zur Freude von Sammy auch noch die Baia dei Turchi. In einem Supermarkt decken wir uns mit Olivenöl, Wein und anderen unverzichtbaren Dingen ein.

Die Sonne geht vor der Cala d’Acquaviva besonders schön auf.

Wie immer teilen wir uns dabei auf: einer kauft ein, der andere wartet mit Sammy draußen. Dabei hätte Sammy sogar mit in den Supermarkt dürfen – sitzend im Einkaufswagen. Wir fragen sicherheitshalber einen Security, ob das wirklich stimmt, der holt uns sogar einen speziellen „Hundeeinkaufswagen“. Wir setzen Sammy mit Müh und Not hinein, aber so will Sammy dann doch nicht einkaufen! Bevor ich noch ein Beweisfoto mit dem Handy machen kann, springt Sammy wieder aus dem Wagen. Also bleibt es dabei: einer kauft ein, der andere wartet mit Sammy.

Zwischen Steinmauern und Olivenbäumen zum Pizzo Mucurune.

Ein echtes Highlight von Castro war nicht nur das außergewöhnliche Appartement, sondern auch Fidalma. Nach einer Woche kommt sie, um Handtücher und Bettwäsche zu tauschen, wie wir glauben. Aber sie macht nicht nur das: Fidalma putzt gleich die ganze Wohnung! Ein paar Tage später schreibt sie, dass sie uns gerne eine Kleinigkeit vorbeibringen würde. Fidalma bringt uns Essen für ein paar Tage – herrliches, warmes Gemüse, Brot, kleine Gemüselaibchen und verschiedene kleine Snacks. So außergewöhnlich Appartement und Fidalma auch sind – wir werden schon bald merken, dass es auch anders geht…

Irgendwie plagt mich nach zwei Wochen in Castro das Gefühl, dass es nicht der beste Plan sein könnte, das Quartier zu wechseln und für die letzte Woche in Apulien hinüber an die Westküste zu fahren. Die Bewertungen für das Appartement in Punta Grossa lese ich erst jetzt, und die sind nicht wirklich gut. Aber egal, die meisten schlechten Bewertungen habe ich bislang ohnehin nicht nachvollziehen können, also wird es nicht so schlimm werden, denke ich. Wir frühstücken noch einmal bei Martinucci, gehen eine Runde mit Sammy durch Castro Marina und fahren dann ganz langsam die 80 Kilometer quer durch den Salento hinüber nach Punta Prosciutto. 

Wir sind um 11.30 Uhr da, wissen aber nicht so recht, wohin wir sollen. Meine Nachricht, dass wir gegen 12 Uhr kommen werden, hat der Vermieter ignoriert. Ein paar Tage zuvor hatte er geschrieben, dass die Agentur in Torre Lapillo liegt – und lediglich bis 13.30 Uhr besetzt ist. Das Appartement Punta Grossa in der zum Glück ziemlich menschenleeren Ferienanlage Padula Fede selbst haben wir längst gefunden, nachdem dort aber niemand ist, fahren wir nach Torre Lapillo. Die Agentur finden wir nicht. Ich rufe Mirko an, er ist freundlich und sagt, dass er in einer Viertelstunde beim Appartement ist. Es dauert ein bisschen länger, das macht aber nichts, denn die Lage ist sensationell. Zwischen Appartement und Meer ist nur die Straße, Autos verirren sich Anfang Oktober offenbar nur sehr selten hierher.

Nur eine einsame Straße trennt uns vom Meer.

Aber leider ist nur die Lage sensationell. Wir haben prinzipiell keine allzu hohen Ansprüche bei den Unterkünften, aber dieses Appartement ist einfach nur unterdurchschnittlich. In der Küche fehlt so ziemlich alles an Ausstattung, die Geräte sind sehr abgenutzt und nicht übermäßig sauber, die Dusche ist alt und rostig, das WLAN funktioniert nicht, die Waschmaschine ist so verrostet, dass wir sie nicht benutzen können. Wir beschließen, dass wir hier nichts kochen, sondern nur noch essen gehen und bestenfalls hin und wieder daheim kalt essen. 

Das WLAN ist uns zwar egal, aber ich will aus Prinzip, dass es funktioniert. Mirko schickt Zugangsdaten, aber die funktionieren nur bei einem Netzwerk, das es offenbar gar nicht gibt. Mirko will am nächsten Tag alles reparieren, aber er kommt nicht. Er wird die ganze Woche nur noch einmal kommen – weil das Wasser am Montag plötzlich ausfällt. Mirko zeigt uns, dass man im Nachbarappartement (!) einen Schalter umlegen muss, damit das Wasser wieder fließt. Mittwoch fließt das Wasser zwar, aber nur kalt. Wir warten ab, am Abend wird das Wasser wieder wärmer. Donnerstag früh ist das Wasser wieder kalt. Ich schreibe Mirko, höre aber nichts von ihm. Ich schreibe am Abend wieder, aber Mirko rührt sich nicht. Er wird sich überhaupt nicht mehr rühren. Das Wasser wird von Tag zu Tag kälter…

Was gar nicht geht, ist hervorragenden Primitivo oder Fiano aus irgendwelchen Gläsern zu trinken. In Mirkos Appartement gibt es nur vier bunt zusammengewürfelte Gläser, allesamt früher vermutlich mit Senf oder Ähnlichem gefüllt. Egal, wir müssen ohnehin einkaufen, da werden wir schon Gläser finden. In Torre Lapillo finden wir drei Supermärkte, aber in keinem gibt es Weingläser. Wir fahren zurück und gehen ans Meer. Der Strand ist wunderbar, ein Strandcafé gibt es auch. Wir trinken Caffé, wollen das hier jeden Tag machen – aber das Bonaventura ist ab dem nächsten Tag geschlossen. 

Die beiden Katzen sind auf unserer Terrasse eingezogen. So viel Fressen haben sie vermutlich schon lange nicht mehr bekommen.

Am Abend fahren wir nach Porto Cesáreo. Die Stadt ist ein wenig touristisch angehaucht, aber ganz ok. Nur die Suche nach Weingläsern ist vorerst alles andere als erfolgreich. Erst am Weg zurück zum Auto entdecken wir ein Geschäft, in dem es so gut wie alles gibt – auch Weingläser! Der Abend ist doch noch gerettet. Wir trinken Wein auf der Terrasse, die von allerhand fliegendem Getier bevölkert wird. Auch ein paar Katzen besuchen uns, in der Hoffnung auf milde Gaben.

Wir holen uns Frühstück in Torre Lapillo und verbinden das mit Caffé und Croissant in einem Café, dem Bahia Mar. Die Lage ist perfekt, die Terrasse direkt über dem Strand und keine 20 Meter vom Meer entfernt. Es ist heiß, aber etwas windig – das ist am Lido delle Sirene aber kein Problem. Der Sandstrand am Rand des Punta Prosciutto ist traumhaft, es sind kaum Menschen da. Ideal für Sammy, der Sand und Meer genießt. Immer wieder will er ins Wasser. Einziges Problem: es gibt keinen Schatten. Wir spannen den kleinen Sonnenschirm aus dem Appartement auf, damit sich Sammy darunterlegen kann. Allerdings muss ich den Schirm halten, weil ihn sonst der Wind holen würde. Nach ein paar Stunden ruhen wir uns im Appartement aus, duschen und fahren ein Stück zu den zentraleren Stränden von Punta Prosciutto – einfach, um zu sehen, ob wir in den nächsten Tagen vielleicht dorthin fahren sollten. Punta Prosciutto hat die schönsten Strände im Salento, dagegen lässt sich kaum etwas sagen. Das Meer ist kristallklar und sauber, der Strand flach und gesäumt von Bars und Clubs, Hotels und Ferienanlagen. Das ist auch das Problem: irgendwie ist alles viel zu touristisch. Wir schauen uns den Lido de Angelis genauer an, merken aber bald: auch wenn hier Anfang Oktober nicht mehr allzu viel los ist – der Lido delle Sirene und die Togo Bay Beach sind mindestens ebenso schön. 

Im Sand am Lido delle Sirene lässt es sich aushalten.

Wir fahren weiter nach Porto Cesáreo und suchen gleich einmal eine Pizzeria. Allerdings ist es erst 18 Uhr – und alle Lokale sind noch geschlossen. In Porto Cesáreo ist allerdings der Teufel los: unglaublich viele Menschen sind an diesem Sonntagabend entlang der Strandpromenade und im Centro storico unterwegs.

Wir gehen ein paarmal durch das kleine Zentrum. Mit ein bisschen Fantasie kann man erahnen, dass Porto Cesáreo einmal ein kleines, verträumtes Fischerdorf war. Das ist allerdings schon einige Zeit her. Ein paar ziemlich grobe Bausünden später ist der Ort zum touristischen Zentrum der Region geworden. 15.000 Ferienwohnungen wurden, großteils natürlich ohne Genehmigung, erbaut, auch ein Jachthafen sollte mitten im Meeresreservat her. Trotz allem hat sich der Ort etwas vom alten Charme erhalten. Wir gehen noch einmal zum Hafen und schauen hinaus auf die Inseln, die nur einen Steinwurf entfernt sind. Zur rund zweieinhalb Kilometer langen Isola Grande kann man angeblich auch zu Fuß durch das Wasser marschieren. Das probieren wir lieber nicht. Außerdem öffnen langsam die Lokale. Wir gehen ins La Cocchinelle und verschlingen eine Buratta und eine Direttore, während Sammy wieder einmal das Personal verzaubert.

Gallipoli ist definitiv die schönste Stadt an der apulischen Westküste.

Wir fahren nach Gallipoli. Immerhin soll es dort heute schöner sein als in Torre Lapillo. Wir parken unten am Hafen und gehen dann hinauf ins Centro storico. Es beginnt zu regnen, noch bevor wir so richtig in der Altstadt ankommen. Gott sei Dank ist auf den Martinucci Verlass: Gleich am Anfang der Via Antonietta de Pace, der wichtigsten Achse durch das alte Gallipoli, ist eine Dependance. Wir frühstücken, treffen das Ehepaar, das wir im Café Bahia Mar in Torre Lapillo jeden Morgen treffen. „Der Hund ist brav, so wie ich“, lacht der Mann.

Die Cattedrale di Sant’Agata hat mit seinen mehr als 100 Gemälden etwas von einem Museum.

Dann wird das Wetter besser. Wir gehen zur Cattedrale di Sant’Agata, die an der höchsten Stelle im Ort errichtet wurde. Mehr als 100 Gemälde machen das Innere der Kathedrale zu einer regelrechten Galerie, die meisten Werke erzählen von der Leidensgeschichte der Heiligen Anna. Sant’Agata ist nicht die einzige Kirche, es gibt noch ein paar mehr in Gallipoli. Bei unserer Runde um die Altstadt entlang der Rivera haben wir das Meer und die Spiaggia della Purita immer im Blickfeld. Auch wenn Gallipoli vom Tourismus nicht verschont geblieben ist – die Stadt zählt zweifellos zu den schönsten im Salento.

Und ganz umsonst haben die alten Griechen die Stadt an der Westküste ja wohl doch nicht kalépolis getauft – die schöne Stadt…

Bei der Runde um die Altstadt haben wir das Meer immer im Blick.

Die Altstadtinsel wird vom Castello di Gallipoli geschützt, über eine Brücke geht es hinüber in die Neustadt, wo an der Piazza Fontana Greca ein uralter Brunnen steht, angeblich der älteste von ganz Italien. Im neuen Teil von Gallipoli dominieren die Geschäfte, einen zweiten Martinucci gibt es auch. Wir nehmen Pasticiotti mit Gianduiacreme – hervorragend, ganz im Gegensatz zu den für Martinucci untypisch grindigen WCs.

Neben dem Appartement erweist sich auch der Wetterbericht als kleiner Spielverderber. Nur noch der Dienstag scheint einigermaßen als Badetag geeignet zu sein. Nach dem obligaten Frühstück im Bahia Mar packen wir endlich das Stand-up-Paddle aus. Sammy bekommt die Schwimmweste übergezogen, dann setzt ihn Manuela auf das Paddle und versucht ihn davon zu überzeugen, dass das Spaß macht.

Nein, Stand-up-Paddeln macht einem Hund nicht wirklich Spaß. Sammy ist lieber mittendrin im Wasser.

So gerne Sammy auch im Wasser schwimmt – das Stand-up-Paddle ist ihm hochgradig suspekt. Ein paar Minuten bleibt er oben liegen, sichtbar nervös und ängstlich. Als er endlich wieder runter und die Schwimmweste ausziehen darf, fällt ihm ein Stein vom Herzen. Manuela fährt derweil raus aufs Meer, was Sammy sehr aufmerksam beobachtet. Er hat Angst um Manuela. Dann läuft er urplötzlich weg, zittert am ganzen Körper. Ich kann ihn nur schwer beruhigen, dann sehe ich das Problem. Außer uns ist zwar nur eine Familie am Strand, aber die hat natürlich eine Drohne mit dabei und dreht ein gefühlt stundenlanges Video von ihrem Strandtag…

Eigentlich wollten wir den ganzen Tag am Strand verbringen, doch so warm wie angekündigt wird es nicht. Am Abend fahren wir nach Porto Cesáreo und essen im Miramare ausgezeichnete Pizza und Fisch.

Nardó wird mit seiner barocken Altstadt oft mit Lecce verglichen.

Das Wetter hält sich an die Vorhersage: Es ist absolut beschissen. Wir bleiben lange im Appartement, dann, am frühen Nachmittag, fahren wir nach Nardó. Es ist wolkenverhangen, finster, irgendwie unangenehm. Trotzdem können wir nachvollziehen, warum Nardó so oft mit Lecce verglichen wird: Die Altstadt ist ein barockes Gesamtkunstwerk, die dreieckige Piazza Antonio Salandra ragt dabei noch heraus. Mitten am Platz steht die Guglia dell’Immacolata, die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet wurde, weil Nardó von einem heftigen Erdbeben, das in der Region rundherum viel zerstörte, verschont geblieben ist. Ganz oben auf der 19 Meter hohen Säule thront eine Marienfigur. Ältestes Gebäude am Platz ist die Handelsbörse Sedile – und vor der Chiesa San Domenico erinnert ein Brunnen daran, dass die Stadt viel einem Stier zu verdanken hat. Der Fontana del Toro wurde errichtet, nachdem die Stadt an den Acquedotto Pugliese angeschlossen wurde – sozusagen als späte Anerkennung dafür, dass ein Stier seinerzeit so heftig auf den Boden gestampft haben soll, dass plötzlich Wasser aus einer Quelle entsprang und damit die Gründung der Stadt möglich gemacht hatte. 

Wir nehmen am Weg zurück zum Auto lieber noch ein Glas Wein. Am Nebentisch bewundert eine Italienerin Sammy in perfektem Deutsch. Sie erzählt uns, dass sie jahrzehntelang in Deutschland gelebt hat.

Letzter Tag in Apulien. Das Wasser in der Dusche ist jetzt eiskalt, von Mirko haben wir nichts mehr gehört, das Wetter ist ein bisschen besser als gestern, aber weit entfernt von gut. Ich bin froh, dass wir bald aus diesem Appartement draußen sind…

Strand ist kein Thema, also fahren wir doch noch nach Taranto. Dort soll es zumindest am Nachmittag schöner werden. Wir frühstücken im Bahia Mar, dann fahren wir los. Das Navi trifft wie immer ein paar fragwürdige Entscheidungen. Dass wir nicht am schnellsten Weg nach Taranto fahren, hat auch seine Vorteile. Wir landen in Save, einer Cittá del Vino in der Nähe von Manduria. Bei der Cantina Vinicola Savese bleiben wir stehen und decken uns mit ein paar Flaschen Primitivo und Fiano ein.

Die Straßenkünstler tun ihr bestes, um das Stadtbild zu verschönern. Aber sie haben noch viel zu tun!

In Taranto müssen wir noch ein paar Ehrenrunden drehen, bis wir endlich einen Parkplatz finden und zur Altstadtinsel gehen können. Der erste Eindruck von der Ponte Girasole, dem Castello Aragonese und der Via Duomo ist durchaus gut. Doch je weiter wir die Via Duomo ins Zentrum der Cittá Vecchia gehen, desto verwahrloster wird die Stadt. Einzige Höhepunkte sind die teilweise großartigen Malereien an den ansonsten verfallenen Fassaden. Kaum zu glauben, dass das alte Taras der Griechen einmal die bedeutendste Stadt der Magna Graecia war – und sogar schön gewesen sein soll…

Die Altstadt wirkt verwahrlost, aber im „neuen“ Taranto gibt es tatsächlich auch moderne und schöne Ecken.

Wir fahren zurück nach Padula Fede. Mittlerweile ist es auch hier einigermaßen schön geworden. Der kräftige Wind sorgt für starke Wellen direkt vor unserem Appartement. Ich nehme mir ein Bier, die Kamera und setze mich auf eine der Bänke vor dem Ufer. Endlich kann ich das Meer in Ruhe genießen und die Wellen beobachten. Ein paar Minuten, die für Vieles entschädigen, was im Appartement nicht funktioniert hat.

Neben dem unvermeidlichen Torre und der Sonne gibt es in Torre Lapillo und Porto Cesáreo auch jede Menge mehr oder weniger interessante Skulpturen.

Am späten Nachmittag fahren wir noch einmal nach Porto Cesáreo. Wir bleiben wie immer am Hafen stehen, gehen in die Altstadt und essen noch einmal im Miramare. Diesmal entscheiden wir uns beide für Pizzen – einmal Pugliese, einmal mit Mortadella. Am Weg nach Hause bleiben wir noch einmal in Torre Lapillo im Supermarkt „Kennedy“ – der ist, warum auch immer, tatsächlich nach dem alten J. F. benannt – stehen.

Das Meer entschädigt für die Mängel im Appartement.

Wir nehmen ein paar Liter Olivenöl für daheim mit und Katzenfutter für unsere temporären Mitbewohner in Padula Fede. Zwei von den ursprünglich mehreren Katzen sind auf der Terrasse eingezogen, aber heute lassen sie sich nicht blicken. Vielleicht haben sie Angst vor dem Meer, denn der Wind peitscht noch immer enorme Wellen gegen den Strand – und der ist ja nur ein paar Meter entfernt.

Eine allerletzte eiskalte Dusche, bevor wir die letzten Sachen ins Auto packen und zum Frühstück ins Bahia Mar fahren. Die Fahrt nach Jesi verläuft anders als geplant. Und wieder einmal bringt mich das Navi zur Verzweiflung. Wir brauchen ewig bis zur Autostrada bei Brindisi auf der anderen Seite von Apulien – obwohl das eigentlich nicht allzu weit entfernt ist. Aber das Navi mag mich nicht: es schickt mich in den wenigen Ortschaften gegen Einbahnen und in Fußgängerzonen. Mit Google Maps funktioniert die Routenplanung etwas besser, lustiger wird die Fahrt aber nicht. Auf der A14 reiht sich eine Baustelle an die andere und wir merken bald, dass wir unseren Plan, gegen 16 Uhr in Jesi zu sein, beim besten Willen nicht einhalten können. Als wir endlich in Jesi sind, wird auch noch die Parkplatzsuche zur Tortur. Das Appartement L’Antica Falconeria liegt mitten in der Altstadt in der Vicolo Fiorenzuola, mit dem Auto müssen wir draußen bleiben. Wir fahren ein paar Mal durch die Stadt, bis wir endlich einen Platz in der Nähe der Stadtmauer finden. Das Appartement liegt nur rund 400 Meter vom Parkplatz entfernt in einer engen Gasse. Es ist klein, aber durchaus in Ordnung – und das Wasser ist warm. Von der Stadt sehen wir nicht mehr allzu viel, es ist bereits ziemlich finster. Aber es spielt sich ab in Jesi. Die Hauptstraße ist recht belebt, ein paar schöne Plätze entdecken wir ebenfalls noch. Und Manuela findet in einem Geschäft eine Jacke und eine Bluse. Sammy und ich warten draußen vor dem Geschäft, dann holen uns die Angestellten rein, weil sie Sammy quasi durch die Tür im Sturm erobert hat. 

Ein kurzes Vergnügen, aber ein Vergnügen: die Altstadt von Jesi.

Später essen wir im Ristorante Sciuscia‘, einem großen Lokal etwas außerhalb der Stadtmauer. Als wir reinkommen, ist das Lokal leer, trotzdem schaut uns der Kellner vorwurfsvoll an, weil wir nicht reserviert haben. Wir bekommen trotzdem einen kleinen Tisch am Fenster, essen Burrata mit Parmaschinken als Vorspeise und Tortellini mit Schinkensauce danach. Mittlerweile ist das Restaurant gerammelt voll. 

Im Appartement genießen wir die erste heiße Dusche seit einer guten Woche. Was für ein großartiges Gefühl…

Wir haben gut geschlafen, Sammy ist allerdings noch müde. Aber er freut sich offenbar schon auf daheim. Eine Nacht und zwei lange Autofahrten muss er noch durchhalten. Die letzte Station ist Udine.

Bevor wir losfahren, frühstücken wir noch Cornetti und Caffé in einem kleinen Lokal unter den Arkaden. Es ist saukalt, trotzdem bleiben wir draußen sitzen – obwohl ich die Jacke im Appartement vergessen habe. Am Weg zur Autobahn müssen wir noch bei einem Supermarkt vorbei, denn wir haben Jesi nicht nur als Zwischenstation gewählt, weil es eine schöne und geschichtsträchtige Stadt in der Marken ist – auf der Piazza Frederico erinnern ein riesiger Brunnen und ein Obelisk an den berühmtesten hier geborenen Mann, an Kaiser Friedrich II. Wir sind vor allem wegen dem Verdicchio di Jesi gekommen, dem Wein, der uns beiden sehr, sehr gut schmeckt. Ein paar Flaschen davon wollen wir in einem Supermarkt kaufen. Zu einem großen Conad führt ein Wegweiser, aber – den Supermarkt gibt es nicht mehr. Wir fahren ein paarmal im Kreis, dann finden wir eher zufällig doch noch einen anderen Supermarkt und einige Flaschen Verdicchio. Zeit haben wir trotzdem wieder verloren.

Udine überrascht uns mit herrlichen Plätzen und alten Gebäuden.

Macht nichts. Heute gibt es kaum Baustellen, wir kommen gut weiter – bis Venedig. Die A4 ist gesperrt, alle müssen über die A57. Zu viele Autos für einen reibungslosen Ablauf bei der Mautstelle, wo zudem irgendetwas mit der Einteilung der Fahrspuren nicht stimmt. Wir verlieren eine gute halbe Stunde.

Kurz nach 16 Uhr sind wir in Udine, checken im B & B Hotel in der Via Duino ein und gehen in rund 10 Minuten bis ins Zentrum. Udine überrascht uns. Die Stadt ist lebendig, die Plätze sind groß und schön, vor allem die Piazza della Libertà mit der Loggia del Lionello, dem gotischen Rathaus und dem Uhrturm. 

Irgendwann werden wir wohl wieder eine Zwischenstation in Udine einlegen.

Was wir nicht finden, ist ein Lokal, in dem es halbwegs ruhig ist. Wir gehen zurück Richtung Hotel zur Pizzeria Vesuvio, die uns zuvor schon aufgefallen ist. Auch da drinnen ist es ruhig, aber auch da sind die Leute verwundert, dass wir nicht reserviert haben. Wir sind früh dran und bekommen deshalb trotzdem einen Platz. Wir essen sehr gute Pizzen, trinken vino sfuso – und bestellen noch einen halben Liter als krönenden Abschluss des Urlaubs. Kaum haben wir den bekommen, werden wir mehr oder weniger sanft hinauskomplimentiert: das Lokal ist jetzt bis auf den allerletzten Platz gefüllt. Egal, wr sind sowieso hundemüde und wollen ins Bett. Wir trinken noch schnell aus und gehen ins Hotel.

Kühl ist es geworden in Udine, aber Sammy mag die Stadt trotzdem.

Die letzte Etappe. Frühstück im Hotel, dann ab nach Hause. Im Conad Megastore kaufen wir noch ein paar lebenswichtige Sachen wie Wein und Kaffee. Gegen 16 Uhr kommen wir daheim an. Sammy ist froh, dass er wieder in seiner gewohnten Umgebung ist. Alfie ignoriert ihn genauso wie uns, aber das macht er immer. Nach ein paar Minuten taut er auf. Wir machen uns noch einen italienischen Abend mit Vino und Lasagne und bilanzieren trotz allem positiv: Das Wetter hätte besser sein können, aber das können wir ohnehin nicht planen. Dass es letztlich doch nichts mit dem ruhigen Strandurlaub geworden ist, können wir jedenfalls locker verkraften: Dafür haben wir viele wunderbare Orte entdeckt. Und die Erinnerung an Castro und Fidalma lässt sowieso jeden Ärger über Mirko und seine Bude vergessen.

APULIEN

Einwohner: 3,9 Millionen

Hauptstadt: Bari

Regionen & Sprachen: Gargano, Tavoliere delle Puglie, Sub-Appennino Dauno, Terra di Bari, Valle d’Itria, Arco Ionico Tarantino, Salento 

Geschichte: Apuliens „richtige“ Geschichte – zuvor war die Region unter anderem von Neandertalern besiedelt – beginnt etwa 750 nach Christus mit der Besiedlung durch die Griechen als „Magna Graecia“ und der Gründung von Städten wie Taras, Kallipolis und Hydrus. Später herrschten die Römer, die Apulien bis nach Brindisi über die Via Appia erschlossen. Die Römer nannten Apulien übrigens Calabria, Kalabrien hieß Bruttium. In Apulien herrschten auch die Ostgoten, Osmanen, Araber, Normannen und Staufer, die wiederum von den Anjou, den Aragoniern und Bourbonen abgelöst wurden, ehe Apulien 1860 Teil des Königreichs Italien wurde.

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