El Norte: Spaniens allerschönste Seite

Wir nehmen uns Zeit für den Norden Spaniens. Drei Wochen und ein paar Tage wollen wir unterwegs sein, aber wir merken schon beim ersten Blick in die Reiseführer: das wird wohl nicht reichen, um all das zu sehen, was wir so gerne sehen würden. Also streichen wir schweren Herzens schon vorab ein paar Ziele. Macht nichts, die Wochen im Norden zählen auch so zu den beeindruckendsten, die wir bisher erlebt haben. 

Kaum sind die Koffer im Auto, bekommen wir den guten, alten Julio schon nicht mehr aus den Ohren. Dabei dauert es noch einige Zeit, bis wir nach Galicien kommen. Zuerst geht es einmal nach Frankreich. Die Fahrt nach Mulhouse ist lange ziemlich entspannt, aber je näher wir der französischen Grenze kommen, desto unangenehmer werden die Bedingungen. Heftiger Regen, Baustellen, Staus. Wir verlieren auf den letzten der rund 900 Kilometer noch viel Zeit und sind erst mit gut eineinhalb Stunden Verspätung im Lagrange Apart-Hotel Saint Saveur. Sammy ist happy. Zuerst, dass er mitfahren darf, dann, dass er endlich wieder aus dem Auto kommt.

Müde sind wir alle, trotzdem gehen wir gleich die Rue de Sinn hinunter in Richtung Zentrum. Seit ein paar Jahren ist Mulhouse offiziell zweisprachig: neben Französisch wird auch Deutsch gesprochen, und das vor allem in der elsässischen Variante. Eine ziemlich kuriose Sprache, wie die Straßennamen an jeder Ecke zeigen. Auch eine Rue Guillaume Tell gibt es. Guillaume Tell? Ja, das ist der legendäre Wilhelm, der seinerzeit den Leuten die Äpfel von der Birne geschossen haben soll. Dass der Schweizer hier verewigt ist, liegt daran, dass Mulhouse im 16. Jahrhundert Teil der „Alten Eidgenossenschaft“ war. Die Schweiz ist ja auch nicht allzu weit weg…

Mulhouse ist definitiv schöner als der Ruf, der der Stadt vorauseilt.

Richtig schön wird Mulhouse am Place de la Réunion. Jede Menge Renaissance-Fassaden, das alte Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, die imposante Temple Saint-Étienne – und irgendwo im Hintergrund immer der Europaturm, der mit seinen 100 Metern von überall zu sehen ist. Wir gehen durch die Straßen der Altstadt, landen immer wieder am Place de la Réunion oder am Place de la Concorde. Dort gönnen wir uns in der Winhus Factory zwei Tartes flambées, eine Forestier und eine Parme, dazu einen Gewürztraminer von „Adam“. 

Die zweite Etappe Richtung Spanien ist nicht ganz so lang. Rund 670 Kilometer sind es bis Brive-la-Gaillarde, einer Stadt in der Nouvelle-Aquitane, die wir nur deshalb als Zwischenstation gewählt haben, weil sie einfach nahe an der Autobahn und auf halber Strecke nach Vitoria-Gasteiz liegt. Gehört haben wir von der Stadt noch nie. Eine Schande! Brive-la-Gaillarde hat fast 50.000 Einwohner und ein interessantes Zentrum mit engen Gassen, Geschäften und Lokalen. Viel sehen wir von der Stadt aber nicht. Wir kommen zwar von Mulhouse gut weg, aber die letzten 200 Kilometer werden wieder ungemütlich: starker Verkehr und noch mehr Regen. Erst um 17.30 Uhr checken wir im Grand Hôtel ein.

Wir schließen mit der Nacht in Brive-la-Gaillarde eine Bildungslücke.

Dafür scheint in Brive die Sonne, also lasse ich den Regenschirm im Zimmer. Ein paar Minuten später sieht alles anders aus: dichte Wolken, der Regen ist nur eine Frage der Zeit. Wir borgen uns einen Schirm an der Rezeption aus und gehen die Avenue Jean Jaures in Richtung Zentrum. Weit kommen wir nicht: es schüttet. Wir flüchten uns unter den Sonnenschirm eines Cafés – und bekommen dort gerade noch einen Cappuccino und einen Espresso. Das Lokal sperrt ein paar Minuten später zu, aber der Regen hört Gott sei Dank auch auf. Nach einer Runde durch die Altstadt gehen wir zum alten Leuchtturm, der jetzt als Tourismusbüro dient, und zu den Halles Brassens. Am Rand der Altstadt landen wir dann in einem kleinen Restaurant. Sammy ist ein wenig irritiert, weil sich unter den Gästen bereits ein Hund befindet. Aber kein Problem – offenbar sind beide zu müde. Wir essen Omelette und Margret de Canard, trinken Wein aus der Pichet und fallen im Hotel ins Bett.

Einer der schönsten Plätze auf dieser Welt: der Plaza de la Virgen Blanca.

Endlich Spanien. Nach einem großartigen Frühstück im Grand Hôtel von Brive sind die knapp 500 Kilometer bis Vitoria-Gasteiz kein Problem mehr. Diesmal ist das Wetter ok, auch der Verkehr hält sich in Grenzen. Um 15.30 Uhr checken wir im Ibis ein – und ärgern uns gleich einmal ein wenig. Unsere Ansprüche an Hotelzimmer sind prinzipiell zwar nicht allzu hoch, aber das Ibis untertrifft unsere Erwartungen dann doch. Keine Ablagen, das Fenster kann nicht geöffnet werden, sogar den Klobesen hat man sich gespart.

Egal, es ist schön draußen, und ein Hotelzimmer kann uns die Vorfreude auf Vitoria nicht trüben. Erstes Ziel: natürlich die Plaza de la Virgen Blanca. Seit Inspector Ayala in „Die Stille des Todes“ von Eva Garcia Sáenz einen Mörder durch die halbe Stadt gejagt hat, weiß ich, dass ich irgendwann auf diesem Platz stehen muss. Wir gehen gut zwei Kilometer vom Hotel hinein in die Stadt, aber am Plaza de la Virgen Blanca verfliegt jede Müdigkeit. Der Platz ist einfach atemberaubend! Das Licht – Sonne, dunkle Wolken, ein drohendes Gewitter – sorgt für die perfekte Stimmung auf dem leicht ansteigenden Plaza, über den die der Virgen Blanca geweihte Iglesia de San Miguel wacht. 

Vitoria-Gasteiz kommt locker auf die Liste unserer schönsten Städte!

Die Virgen Blanca, gut geschützt in einem Mauervorsprung der Iglesia untergebracht, hat selbst eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: Sie ist die Schutzheilige der baskischen Hauptstadt, die König Sancho VI. Ende des 12. Jahrhunderts als Nueva Victoria am höchsten Berg der Provinz Alaves errichten ließ.

Mitten am Platz erinnert eine Skulptur an ein Ereignis, das sich Jahrhunderte später zugetragen hat: 1813 hatte Wellington hier im Spanischen Unabhängigkeitskrieg die Franzosen besiegt.

Nach Kaffee und Schokotorte im Bertiz lassen wir den Plaza de la Virgen Blanca noch einmal auf uns wirken, dann gehen wir hinauf zur Iglesia de San Miguel und weiter zum Plaza de Espana, der nur durch eine Häuserzeile von der Virgen Blanca getrennt ist. Der riesige Platz mit den Arkaden und dem imposanten Rathaus wurde im 18. Jahrhundert erbaut. Als Vorbild diente den Planern der Hauptplatz von Salamanca. 

Die Iglesia de San Miguel: es riecht nach Gold und kirchlichem Reichtum.

Vitoria-Gasteiz hat jetzt schon einen Fixplatz auf unserer Liste der schönsten Städte!

Irgendwann wollen wir essen, aber das ist gar nicht so einfach. Ich habe Hunger, richtig Hunger. Deshalb kommen Tapas, diese wunderbaren kleinen Dinger, heute eigentlich nicht in Frage. Aber wir finden kein „normales“ Restaurant, nur solche mit einer ganzen Menge Sterne – und so groß ist der Hunger dann auch wieder nicht. Offenbar essen die Spanier am Abend nicht, sie trinken nur. Irgendwann resignieren wir, setzen uns ins Belari I N.5, holen uns Wein – und essen ein paar großartige Tapas. Von den Restaurants sind wir geheilt, ab jetzt gibt’s nur noch Tapas!

Auch Sammy fühlt sich in Vitoria-Gasteiz rundum wohl.

Mit dem Wetter haben wir nicht so viel Glück. Am nächsten Tag: Regen und starker Wind. Wir frühstücken in einer Bar gegenüber vom Ibis, verziehen uns dann aber wieder ins Zimmer. Am frühen Nachmittag kommt die Sonne raus, der Wind bleibt. In der Stadt zwingen uns kurze Regenschauer immer wieder zu kleinen Pausen mit Kaffee, Bier oder Wein. Es gibt Schlimmeres…

Am Abend essen wir im Cafe Dublin ein paar wunderbare Pitxos. Die Preise sind sensationell: ein Glas Wein kostet gerade einmal 1,60 Euro, die ganzen Pitxos – mitsamt Wein – 14 Euro.

Gutes Wetter sieht anders aus, aber besser als gestern ist es allemal. Wir frühstücken wieder in der Bar gegenüber vom Hotel und fahren dann in Richtung Laguardia – quer durch die Rioja Alavesa im südlichsten Teil des Baskenlandes. Von den kleinen Bergen – dem Vitoria und dem Herrera – ist die Aussicht über das Land grandios. Mehr als 11.500 Hektar werden hier für den Weinanbau genutzt, und Laguardia ist unübersehbar das Zentrum des Weinbaus. Die kleine Stadt auf einem Hügel ist mit einer Stadtmauer gesichert und voll von Bodegas. Über 60 Bodegas haben hier ihren Sitz, große Teile der Altstadt sind mit Weinkellern untertunnelt.

Die Rioja Alavesa ist ein guter Boden für jenen Wein, der in den über 60 Bodegas von Laguardia verkauft wird.

Hätten wir eine Tour durch die unterirdischen Keller gemacht, wären wir vielleicht trocken geblieben. Denn der heftige Wind vertreibt schon bald die paar Sonnenstrahlen. Ein paar Gassen durch die Altstadt schaffen wir, auch die Kirche Santa María de los Reyes und, gleich daneben, die von Koko Rico geschaffene Kunstinstallation „Viajeros – Die Reisenden“ mit den Taschen und Schuhen – dann regnet es gewaltig. Wir flüchten uns mitsamt den eben in der Vinoteca „Major con Vino“ erstandenen Weinflaschen unter eine Galerie und warten ab. Irgendwann lässt der Regen nach, wir laufen zum Auto und fahren ziemlich durchnässt wieder nach Vitoria. Im Hotel legen wir uns ein paar Stunden hin, dann wagen wir uns in die Stadt. Der Regen hat aufgehört, die Sonne scheint wieder, aber es ist windig und kalt. Wir drehen eine Runde durch die Altstadt, essen Pintxos und verabschieden uns von Vitoria-Gasteiz bei einem herrlichen Glas Wein am Virgen Blanca.

Wir hatten eigentlich damit spekuliert, über das Landesinnere nach Galicien zu fahren. Aber es regnet wieder einmal, die Vorhersage verheißt nichts Gutes – also lassen wir Burgos und Leon bleiben. El Cid muss halt noch warten.

Wir fahren entlang der Küste, die Strecke ist gut 100 Kilometer kürzer und bei Regen sicher angenehmer. Einmal noch Frühstück in der Bar Arriola, dann geht’s recht entspannt auf die Autobahn Richtung Barreiros, Sonne und Regen wechseln sich immer wieder ab. In Barreiros haben wir ein Zimmer im Refugio o Castro, einem Hotel direkt am Meer gebucht. Punkt 15 Uhr checken wir ein, das Zimmer liegt im zweiten Stock, die Aussicht vom Balkon ist einfach fantastisch: Das Meer liegt direkt unter uns.

Ein traumhafter Strand direkt unter dem Balkon!

Wir räumen die Koffer aus und gehen dann hinunter an den Strand. Eigentlich sind Hunde verboten, aber es ist tiefste Nebensaison, und das Verbot interessiert hier niemanden. Am allerwenigsten Sammy, der sich am liebsten sofort in den Atlantik stürzen möchte. Geht aber nicht, denn am Praia de Fontela gibt’s gerade eine Quallenplage. Diese portugiesische Qualle ist für Menschen ziemlich ungut, für Hunde aber sehr gefährlich. Also lassen wir es bei einem Spaziergang, gehen weiter zum Praia de Lóngara und später am Abend in das Restaurant A Ribeiro. Wir haben die kleinen Pitxos im Hinterkopf, als wir gleich drei Raciones bestellen. Und unsere zweite Lektion in Sachen spanisches Essen lernen: Raciones sind keine Pintxos und drei Raciones für zwei sind eine zu viel. Tortilla, Croquettas de Jamon und Chorizo mit Spiegelei und Pommes schmecken aber großartig.

Daheim zeigt sich, dass die elektrische Kühltasche eine gute Investition war. Der Wein ist kalt, wir „borgen“ uns Gläser vom Hotel aus und genießen den Wein am Balkon, ein paar Meter über den Wellen des Atlantiks…

Am Morgen ist es stockfinster, aber langsam zeigt sich: das Wetter ist eine Spur besser geworden. Galiciens berühmtester Strand, der Praia des Catedrais, ist nur ein paar Kilometer vom Refugio o Castro entfernt, also nehmen wir uns den auf unserer Tour zu den schönsten Stränden der Gegend natürlich als allererstes vor. Es ist Ende September, die Hochsaison also lang vorbei. Anmelden muss man sich für den Besuch des Catedrais auch nicht mehr – aber wir merken, Touristen gibt’s auch jetzt noch genug. Der Parkplatz ist ziemlich voll, die Menschenmenge beim Eingang groß. Wie bitte, sieht’s hier im Hochsommer aus?

Playa des Islas: ruhig und einsam, weil alle zwei Strände weiter unter Kathedralen wandern.

Wir lassen den Catedrais vorerst einmal links liegen und bleiben einen Steinwurf weiter bei der Playa de Islas stehen. Eine gute Entscheidung, kaum jemand will durch den herrlichen Sand spazieren und die traumhaften Felsformationen sehen. Wir genießen die Sonne und den Duft des Meeres auf den Felsen, Sammy hat seinen Spaß am Strand. Direkt an die Playa de Islas schließt, genauso spektakulär und leer, die Playa dos Castros an. Obwohl den Strand nur noch ein paar Felsen von den Catedrais trennen, tummeln sich hier nur die Möwen am Strand. 

Nach einer Weile lässt uns die Lust auf Café weiter nach Ribadeo fahren. Der kleine Fischerort an den Rias Altas, den Fjorden an der galicischen Küste, war früher offenbar ein magischer Anziehungspunkt für die reichen Rückkehrer aus den spanischen Kolonien. Viele Casos de Indianos wie das von einem Schüler Gaudis erbaute Casa Torre de los Moreno am Praza de Espana zeugen noch heute davon. 

Ribadeo ist immer einen Abstecher wert.

Ribadeo ist eine charmante kleine Stadt mit Lokalen und Geschäften, in die wir noch ein paarmal zurückkommen werden. Spektakulär ist sind die Leuchttürme von Isla Pancha etwas außerhalb von Ribadeo. Der alte Leuchtturm wurde bereits 1857 in Betrieb genommen, erst 125 Jahre später löste ihn der neue Leuchtturm ab.

Gestärkt mit Café und Torte fahren wir weiter über den Ria de Ribadeo o del Eo hinüber nach Asturien zur Playa de Mexota. Interessanterweise habe ich in den Reiseführern nichts von dem Strand gefunden. Eher zufällig hatte ich den Mexota am Abend davor bei einem Glas Wein auf der Seite einer deutschen Bloggerin entdeckt. Kristallklares Wasser, 250 Meter traumhaft feiner Sandstrand, dazwischen eine ganze Menge imposanter Felsen, von denen einer noch ganz besonders hervorsticht, dazu prachtvolles Wetter – nicht nur Sammy hat die Playa de Mexota sofort zum schönsten Strand an der Costa Verde erkoren. Außer uns bevölkern den Strand nur ein paar nackte Männer, denen es aber völlig egal ist, dass wir in ihrem Revier herumwandern.

Der Playa de Mexota ist für uns der schönste Strand an der spanischen Nordküste.

Auf der Fahrt zurück zum Refugio o Castro bleiben wir dann doch an der Playa des Catedrais stehen. Der Andrang ist viel geringer als am Vormittag, vielleicht auch deshalb, weil sich die Flut ankündigt und starker Wind längst da ist. Wir gehen ganz kurz hinunter zum Strand, dann entlang der Holzstege über den Felsen. Auch von hier oben und bei Flut ist der Catedrais spektakulär, aber heute haben uns die anderen Strände besser gefallen.

Am Abend fahren wir nach Foz, die nächste größere Stadt. Die Attraktivität hält sich in Grenzen, Höhepunkt ist der Hafen an der Mündung des Masma. Vielleicht tun wir der Stadt auch ein bisschen unrecht: Wir sind müde und haben Hunger, daher spazieren wir nur kurz am Hafen entlang und ein Stück in die Stadt hinein. Wir landen im A Funcional. Eine gute Wahl. Wir nehmen drei Tapas – Croquettas, einmal mit Schinken, einmal mit Huhn, und Kartoffeln mit scharfer Sauce. Als wär das nicht eh schon wieder zu viel, gehen die freundlichen Kellner alle fünf Minuten mit wunderbaren Miniportionen zum Kosten durch das Lokal. Wir sind viel zu satt, noch müder als zuvor – und schaffen am Balkon des Refugio nicht einmal mehr eine halbe Flasche Wein…

Großartige Morgenstimmung am Praia de Fontela.

Bevor wir zum Punta de Estaca de Bares, dem nördlichsten Punkt von Spanien, aufbrechen, möchte ich in aller Herrgottsfrüh noch den Sonnenaufgang am Praia de Fontela fotografieren und ein paar Langzeitbelichtungen machen. Die Stimmung ist großartig, auch wenn sich die Sonne nicht blicken lässt. Es ist bewölkt und düster – ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns Richtung Norden erwartet. Schon nach ein paar Kilometern beginnt es immer wieder zu regnen, aber immerhin – dazwischen zeigt sich auch hin und wieder einmal die Sonne. In Viveiros, dem wichtigsten Fischereihafen und reizvollsten Ort an den Rias Altas, bleiben wir stehen und gehen ein bisschen durch die Stadt und hinauf zur Iglesia San Marco del Campo, auf den Hügel San Roque und entlang der mittelalterlichen Stadtmauern zurück ins Zentrum. Regen, Sonne, Regen, Sonne, Regen – wir kaufen am Praza Major sicherheitshalber einen zweiten Regenschirm, resignieren dann aber trotzdem.

Immer wieder Regen in Viveiros – und dichter Nebel am Golf von Biscaya.

Noch ein Café in einer kleinen Gasse, dann nutzen wir eine Regenpause und fahren weiter. Am Wetter ändert sich nichts, einmal davon abgesehen, dass der Wind umso stärker wird, je näher wir dem Punta de Bares kommen. Die Halbinsel trennt den Golf von Biscaya vom offenen Atlantik. Vorne am Punta des Bares ist die Aussicht trotz des bescheidenen Wetters großartig, aber der Regen wird von Minute zu Minute mehr zum Spielverderber. Wir lassen den Punta zurück und fahren nach Ortigueira. Zu sehen gibt’s in dem kleinen Fischerdorf am größten Fjord der galicischen Nordküste nicht viel, Kaffee gibt’s auch keinen – alle Lokale haben zu. Dafür rammt eine Spanierin in einer engen Gasse mit dem Außenspiegel ihres Lieferwagens meine Schulter. Kein Grund, stehenzubleiben…

Regen und Wind am Punta de Bares.

Das Wetter wird immer schlimmer, trotzdem fahren wir, wenn wir schon einmal in der Nähe sind, weiter zum Cabo Ortegal. Es wird immer nebliger, die Straßen enger – die letzten Kilometer fahren wir im Blindflug, dann sehen wir den Leuchtturm schemenhaft im Nebel auftauchen. 

Auf den Parkplatz haben sich nur wenige Touristen mit ihren Autos verirrt, wir sind fast alleine, was die Stimmung entlang der höchsten Steilküste des kontinentalen Europas umso mystischer macht. Rund 600 Meter geht es an den Klippen von O Limo und Os Aguillóns kerzengerade hinab zum Meer, aber das können wir nur erahnen. Wir gehen vor zum Leuchtturm und stehen immer noch vor einem Abgrund von gut 125 Metern. Man sieht keine 20 Meter weit, aber man hört, wie unten die Wellen mit voller Wucht gegen die Felsen peitschen. Zwei-, dreimal verirrt sich ein Sonnenstrahl durch den Nebel und lässt uns auf einen ungetrübten Blick hinunter zum Meer hoffen. Aber nach ein paar Sekunden verschwinden die Geheimnisse des Cabo Ortegal auch schon wieder im dichten Nebel. 

Der Nebel verhüllt den Leuchtturm am Cabo Ortegal – und trübt den Blick auf die Wellen, die hunderte Meter weiter unten gegen die Felsen peitschen.

Der Wetterbericht ist mies, deshalb planen wir um: A Coruna statt Strandtag. Tatsächlich scheint beim Frühstück die Sonne, wir überlegen kurz, wieder alles umzustoßen, bleiben dann aber doch bei Plan B. Gut so: nach ein paar Kilometern auf der Autobahn beginnt es stark zu regnen – und daran ändert sich auch in A Coruna nur wenig. Aber man wir genügsam – wir sind froh, dass es am Weg zum Plaza Maria Pita nur tröpfelt. Dort beginnt es wieder zu schütten, wir retten uns in ein überdachtes Lokal am Platz und warten bei Bier und Kaffee ab. 

Nach über einer Stunde hört es endlich auf, dafür wird es unangenehm schwül. Wir umrunden den riesigen Plaza, auf dem vor vielen hundert Jahren einer der berühmtesten Seefahrer der Geschichte einen Auftrag seiner Majestät erledigen sollte – und krachend gescheitert war. Sir Francis Drake hatte A Coruna angegriffen, irgendwann kam dabei ein Einheimischer ums Leben. Dummerweise für Sir Francis war das der Mann von Maria Pita, die darob derart in Rage geraten war, dass sie sie sich eine Lanze mit der englischen Fahne schnappte, damit den Bruder von Sir Francis tötete und gemeinsam mit den knapp viertausend Bewohnern der Stadt die 12.000 Männer aus England vertrieb.

Der Torre de Hércules versieht seit 20 Jahrhunderten seinen Dienst am Rande von A Corona. Sir Francis Drake hat die Stadt – und vor allem Maria Pita – von ihrer kämpferischen Seite kennengelernt.

Uns quält am Weg zum Leuchtturm von A Coruna jetzt die Hitze, aber der Torre de Hércules ist die Mühe allemal wert. Das imposante Bauwerk beherrscht den Monte Alto, hat 20 Jahrhunderte am Buckel – und steht noch immer seinen Mann. Der Torre de Hércules ist der allererste Leuchtturm, den die Römer erbaut haben, und er ist noch immer in Betrieb.

Gerade als sich Sammy für den Hércules zu interessieren beginnt, holt uns der Regen wieder ein. Wir flüchten uns zurück in die Stadt, wo sich bei Torte und Kuchen auf einmal wieder die Sonne blicken lässt. Wir bewundern noch einmal die Maria Pita und gehen dann in Richtung Hafen, wo die Sonne die Galerias de Marina im besten Licht erstrahlen lässt. Die berühmten Glasfassaden gibt es nicht nur im Hafen von A Coruna, aber hier sind sie einfach am schönsten.

Bevor wir am Balkon Wein und Meer genießen, essen wir im Bitacora, dem zweiten Lokal, das um diese Jahreszeit noch offen hat, Zorza und Seehecht. Kein Wunder, dass langsam alles zumacht: wir sind die einzigen Gäste. 

Am nächsten Tag landen wir am Abend wieder im A Ribeiro. Die Calamari und die Huevos mit Chorizo sind der einzige Höhepunkt, nachdem sich der Wetterbericht diesmal unbarmherzig bestätigt. Es schüttet.

Aber die Hoffnung auf besseres Wetter stirbt bekanntlich zuletzt. Am Morgen regnet es wenigstens nicht mehr und nach und nach bekommt auch die Wolkendecke ihre Lücken. Wir fahren gleich nach dem Frühstück zum Praya des Catedrais. Die Ebbe hat gerade begonnen, das Meer hat sich weit zurückgezogen. So früh am Morgen sind noch vergleichsweise wenige Menschen unterwegs – aber das reicht noch immer.

Sammy ist vom spektakulären Torbogen und den Kathedralen schwer beeindruckt.

Den spektakulärsten Torbogen hinaus aufs Meer hat eine Gruppe von Chinesen entdeckt, offenbar fest entschlossen, den Rest der Menschheit für Stunden von dem Motiv auszuschließen. Unter den „Kathedralen“ ist es noch ruhiger. Im Lauf der Jahrtausende haben die Wellen tiefe Höhlen in die Felsen geschlagen und fantasievolle Torbögen geschaffen, die tatsächlich viel Interpretationsspielraum lassen. Verständlich, dass der Playa de Aguas Santas irgendwann zum Praia des Catedrais geworden ist…

Der Playa dos Castros bleibt menschenleer. Die Möwen wissen das zu schätzen.

Wir können die Wanderung am Strand noch gut genießen, aber viel später hätten wir nicht kommen dürfen. Irgendwann fallen die Massen am Catedrais ein. Wir flüchten zu anderen, fast menschenleeren Stränden. Am Praia de Marbadás blüht Sammy auf: auf dem riesigen, flachen Strand kann er nach Herzenslust seinen diversen Spielzeugen nachjagen. Ein Stück weiter erreichen wir die Playa de Islas. Wir legen uns auf die Felsen und genießen die Sonne, ehe wir weiter Richtung Playa dos Castros wandern. Beim gewaltigen Felsentor warten Unmengen von Möwen darauf, fotografiert zu werden.

Der alte und der neue Leuchtturm auf der Isla Pancha.

Langsam kommt auch das Meer wieder zurück, also fahren wir noch einmal nach Ribadeo und danach zum Faro de la Isla Pancha ein paar Kilometer außerhalb der Stadt. Fast 130 Jahre war der alte Leuchtturm auf der Isla Pancha in Betrieb, ehe er vom neuen, nur ein paar Meter entfernten Leuchtturm abgelöst wurde.

Wenn die Flut kommt, verschwinden sogar die Kathedralen im Meer.

Am Rückweg bleiben wir noch einmal am Praia des Catedrais stehen. Jetzt sind dort kaum mehr Menschen unterwegs, auch der Strand ist nicht mehr zu sehen, nur noch die Spitzen der bis zu 30 Meter hohen Torbögen ragen bei Flut aus dem Wasser. 

Die Woche in Galicien vergeht viel zu schnell, wir fahren ein kleines Stück weiter Richtung Osten, nach Llastres in Asturien. Wir haben Zeit und bleiben auf dem Weg dorthin ein paarmal stehen, obwohl das Wetter wieder einmal umschlägt. Statt Sonne gibt’s starken Regen, aber zur Playa de Portiuela möchten wir unbedingt. Die Anfahrt ist abenteuerlich. Die Straße wird von Meter zu Meter immer enger und steiler – und endet unmittelbar vor dem Strand ohne echte Möglichkeit zum Umdrehen. Immerhin hat der Regen aufgehört, aber es ist düster und wolkenverhangen.

Der Playa de Portiuela mit „Saurons Rock“.

Besser könnte die Stimmung gar nicht zu den mystischen Felsen und Steinen passen. „Saurons Rock“ haben die Einheimischen die geheimnisvolle Felsformation getauft, die sich ein paar Meter draußen am Meer auftürmt, weil sie angeblich der Maske des Sauron ähneln soll. Wie auch immer, irgendwie schaffen wir es, das Auto wieder in die richtige Richtung zu bringen und die nächsten Strände anzusteuern, den Playa de Gueirua und den Play del Silencio. In Santa Maria lotst mich das Navi auf eine ziemlich enge Straße, die sich irgendwann vor einem Haus in zwei katastrophal schlechte Wege teilt. Wir bleiben stehen und überlegen, als eine Frau aus dem Haus kommt und uns gestenreich klarmacht, dass wir keinen der beiden nehmen sollten, wenn wir den Tag überleben wollen. Dank der Frau finden wir tatsächlich zu den Stränden, die wir uns aber nur aus sicherer Entfernung ansehen. An der Playa de Gueirua ragen vier markanten Felsspitzen aus Flysch aus dem Meer, gleich daneben gibt sich der Playa del Silencio zumindest um diese Jahreszeit angenehm ruhig. Aber die Bucht zählt zu den schönsten in Asturien – und ist deshalb in der Saison alles andere als still und ruhig.

Kurz vor der Playa del Silencio, die selten so ruhig ist, ragen am Playa de Gueira markante Felsspitzen aus dem Wasser.

Wir fahren weiter, müssen unser Programm aber straffen. Luarco oder Cudillero? Wir entscheiden uns für Cudillero. Möglicherweise ist der starke Regen schuld daran, dass wir Cudillero mit den vielen bunten Häusern, die sich vom Hafen auf den Hang hinaufziehen, recht schön finden, aber auch viel zu touristisch angehaucht. Wir warten in einem Café, bis der Regen nachlässt, dann gehen wir eine kurze Runde durch die engen Gassen und fahren weiter nach Oviedo.

Die Begeisterung für Cudillero hält sich wohl aufgrund des Regens in Grenzen.

Oviedo auszulassen, das hätten wir uns nie verziehen. Die Hauptstadt Asturiens fasziniert uns von der ersten Sekunde an. Rotbraune Steinfassaden, riesige Plätze, traumhafte Gebäude, die imposante Kathedrale – kaum zu glauben, dass die Stadt im Bürgerkrieg massiv beschädigt wurde. Das Rathaus am Plaza Constitucion wurde damals völlig zerstört, aber wieder aufgebaut, der mittelalterliche Kern der Stadt mit dem Plaza Alfonso II El Casto, dem Palacio de la Rúa und der Catedral de San Salvador hat den Bürgerkrieg überhaupt weitgehend unbeschadet überstanden. 

Dafür ist Oviedo allerdings umso beeindruckender!

Das Wetter ist mittlerweile viel besser geworden, wir trinken Kaffee vor der Kathedrale, in der gerade eine Hochzeit stattfindet, und gehen dann weiter durch die Altstadt. Dann vertreibt uns die Hochzeitsfeier aus der Stadt, weil mehrere Kanonenschüsse abgefeuert werden und Sammy völlig verängstigt durchdreht. Wir verstecken uns in einem Hauseingang, Sammy zittert am ganzen Körper, erst nach und nach beruhigt er sich. Wir schauen, dass wir schnell zum Auto kommen…

Das Appartement in Llastres ist schwer zu finden, Parkplätze gibt es in den engen Straßen der entlang eines steilen Hügels gebauten Stadt kaum. Aber das Appartement ist eines der schönsten, die wir jemals gebucht haben, der Ausblick vom kleinen Balkon auf den Hafen und das Meer ist unglaublich.

Was die Stimmung etwas trübt: Der Wetterbericht sagt für die ganze Woche beschissenes Wetter voraus…

Umso erfreulicher am nächsten Morgen: es ist schön. Was Sammy noch mehr freut: Wir fahren zuallererst zum Playa de la Griega – feiner Sand, flacher Strand, ein perfekter Spielplatz.

Die drei Dinge, die einen Aussie so richtig glücklich machen: Sand, Meer und ein Ball.

Bevor Sammy seinen Bällen nachjagen kann, gehen wir aber noch ein Stück den Wanderweg entlang, an dem vor Tausenden Jahren auch eine ganze Reihe von Dinosauriern herumgelaufen sind – und bis heute beeindruckende Spuren hinterlassen haben. 1,25 Meter lang und gut 20 Zentimeter tief ist einer der Fußabdrücke, die die Saurier in den Felsen gedrückt haben – die weltweit bislang größten Dinosaurierspuren. Noch mehr über die Geschichte der Saurier in Asturien gibt es gleich ums Eck im Museo Jurássico bei Colunga.

Gott sei Dank stören die Saurier heute die Idylle am Playa de la Griega nicht mehr.

Wir fahren indes nach Ribadesella, wo sich einmal im Jahr Hunderte Teilnehmer bei einem internationales Kajakrennen im Rio Sella matchen. Kajakrennen gibt es keines, dafür kommen wir gerade recht zu einem Oldtimer-Treffen. Ansonsten ist nicht viel los in der kleinen Stadt, in der Königin Letizia einen großen Teil ihrer Kindheit verbracht hat. Dafür macht sich Sammy ausnahmsweise einmal keine Freunde: er pisst im Vorbeigehen vor einem Geschäft an einen Kleiderständer, was der Besitzerin logischerweise missfällt. Sie ist stinksauer, lässt uns Sammys Hinterlassenschaft nicht wegputzen und jagt uns schimpfend davon.

Königin Letizia hat ihre Kindheit in Ribadesella, der Stadt der Kajakfahrer, verbracht.

Wir flüchten Richtung Llanes, zur Küste bei Guadamia. Eigentlich bin ich auf der Suche nach einem besonderen Felsen, den Pena Flecha, den ich unbedingt fotografieren will. Aber den finde ich wohl vor lauter Felsen nicht. Die Acantilados de Castro Arenes sind ein faszinierendes, riesiges Gelände mit spektakulären Felsen, Höhlen und Klippen und einer von messerscharfen Felsspitzen durchzogenen grünen Wiese.

Messerscharfe Felsspitzen ragen bei den Acantilados de Castri Arenes aus der Wiese.

Wir wandern lange herum, klettern immer wieder vor zu den steil abfallen Klippen und den kleinen Einschnitten, die das Meer in die Felsen geschlagen hat. Auf der anderen Seite der Acantilados liegen die Bufones de Pria, aus denen bei Wind und Flut immer wieder gewaltige Wasserfontänen kommen. Doch die sehen wir leider nicht, es ist Ebbe.

Eher zufällig entdecken wir entdecken wir, dass die Acantilados del Infierno gleich in der Nähe sind. Nach einer kurzen Wanderung entlang der Klippen erreichen wir das Highlight an den Klippen der Hölle: mehrere aus dem Meer ragende Felsnadeln und ein Steinbogen, der die Fantasie der Betrachter anregt. Ein zu Stein gewordener Saurier, der gerade aus dem Meer trinkt? Wer weiß…

Schon wieder ein Saurier? Wer weiß, das hier sind schließlich die Acantilados del Inferno…

Von Llastres aus haben wir zwei Touren hinauf in die Picos de Europa geplant. Zuerst wollen wir uns die beiden Seen bei Covadonga vornehmen, eine kleine, flache Wanderung von 5 oder 6 Kilometern. Wir fahren erst spät am Vormittag weg und sind erst gegen Mittag in Covadonga, wo wir gleich einmal eine böse Überraschung erleben. Obwohl es Anfang Oktober laut Reiseführer die Zufahrtsbeschränkungen zum See längst nicht mehr geben sollte, können wir die 12 Kilometer nicht mit dem Auto fahren. Und, viel schlimmer: Sammy müsste in eine Hundebox im Laderaum! Klar, dass wir ihm das nicht antun können.

Wir wandern entlang der „Gargano Divina“: Schöner kann Natur nicht sein.

Wir sind sauer und fahren – eher aus Trotz, denn aus Überzeugung – Richtung Poncebos zu den Ruta des Cares. Den knapp 20 Kilometer langen Wanderweg wollten wir eigentlich an einem anderen Tag in Angriff nehmen, in aller Herrgottsfrüh und entsprechend ausgerüstet. Aber wir haben die Wanderschuhe dabei, das Wetter ist traumhaft – also gehen wir einfach einmal los. Die Berge rundherum sind faszinierend, die Wanderung entlang der „Gargana Divina“ so göttlich, wie es der Name verspricht. Der Parque Nacional de los Picos de Europa ist mit 646 Quadratkilometern Spaniens größter und ältester Nationalpark – und von den vielen attraktiven Plätzen in Asturien der vielleicht attraktivste. Die Ruta del Cares, so heißt es nicht umsonst, darf man nicht versäumen, aber es gebe noch viel mehr zu sehen. Die beiden Seen, auf die wir notgedrungen verzichten, den 2.648 Meter hohen Torre de Cerredo oder die Höhlen rund um die Arena de Cabrales, in denen der Queso Cabrales – der allemal einen Versuch wert ist – reift.

Die Picos de Europa – ein Paradies nicht nur für Wanderer. Auch die Ziegen fühlen sich hier wohl.

Dass wir am Nachmittag die ganze Strecke nicht schaffen können, war klar. Etwa bei der Hälfte ziehen dann Wolken auf und es wird windig, also drehen wir um. Trotzdem ist klar: das war die schönste und beeindruckendste Wanderung, die wir bislang gemacht haben.

Am Weg zurück nach Llastres bleiben wir in Cangas de Onis stehen. Die kleine Stadt ist historisch bedeutender als man meinen möchte: Cangas war die erste Hauptstadt Asturiens, in den Höhlen rundherum gibt es prähistorische Malereien – und mitten in der Stadt steht das Denkmal eines großen Kriegers. Der Westgote Pelaya gilt als Gründer des asturischen Königreichs, nachdem er 722 bei Covadonga eine maurische Armee vernichtend geschlagen hat. Auch die Römer haben sich in die Picos verirrt und die eine oder andere Infrastruktur hinterlassen – vor allem die Brücke über den Rio Sella.

Zwei Dinge prägen Cangas de Onis: Die uralte Brücke über den Rio Bella und das prachtvolle Denkmal des Westgoten Pelaya.

Der Wetterbericht stimmt auch am nächsten Tag nicht, zumindest vorerst. Es ist schön, und weil wir uns erst am Abend in Llanes mit Steffi und Roman treffen, die zufälligerweise ebenfalls gerade in Nordspanien Urlaub machen, schieben wir einen Besuch in Gijon ein. Weil hier die Costa de los Dinosauros beginnt, begrüßen uns unterhalb des Cerro de Santa Catalina standesgemäß zwei riesige Saurier. Die Stadt ist ganz ok, aber nachdem wir Oviedo als neuen Gradmesser haben, kann Gijon nur verlieren. In einem kleinen Café freuen sich alle, dass sie Sammy kennenlernen dürfen – und wir bekommen großartige Torten und herrlichen Kaffee, dann schlendern wir ein bisschen durch die Stadt und lassen Gijon wieder hinter uns.

Gijon ist schön, kann mit anderen Städten in der Region aber nicht wirklich mithalten.

Viel kleiner, aber ein wenig interessanter ist Llanes. Wie in Ribadeo haben die reichen Rückkehrer aus Südamerika die Stadt mit ihren Villen ein Stück mondäner und interessanter gemacht. Wir treffen uns mit Roman und Steffi im El Puerto. Das Essen ist großartig, der Wein auch, die Zeit vergeht schnell. Erst um Mitternacht merken die anderen Gäste, dass mit Sammy auch ein Hund im Lokal war. Sie können gar nicht glauben, dass ein Hund vier Stunden lang derart ruhig bleiben kann.

Llanes muss dann und wann auch schon einmal als Filmkulisse herhalten.

In Llastres finden wir zum Glück direkt unter dem Appartement einen Parkplatz. Das Auto hier zu wissen, lässt uns besser schlafen, denn die Wetterberichte sagen diesmal unisono Orkanböen bis 130 km/h und Wellen mit bis zu fünf Meter Höhe voraus. Am großen Parkplatz unten im Hafen wäre das Auto absolut nicht gut aufgehoben…

Ruhe vor dem Sturm. Der ganz große Orkan bleibt in Llastres aber zum Glück aus.

Wir haben uns angesichts der Sturmwarnungen nicht viel vorgenommen. Ich hole Brot aus dem kleinen Laden, diesmal sperrt die junge Frau pünktlich auf. Draußen ist es windstill, unnatürlich warm – so muss sich die Ruhe vor dem Sturm anfühlen. Aber der große Orkan bleibt aus, zumindest in Llastres. Es wird kühl, windig, regnerisch, aber nicht wirklich bedrohlich. Während die Region diesmal Glück hat, sorgen die Unwetter in Galicien für heftige Schäden.

Auf den Cuevas del Mar stören nicht einmal Touristen die Ruhe der Ziegen.

Am nächsten Tag ist das Wetter schon in aller Früh perfekt. Wir wollen uns ein paar besonders spektakuläre Strände ansehen, sind von der Playa de Cuevas del Mar auf den ersten Blick aber gar nicht so beeindruckt. Der kleine, von zwei mächtigen Felsen geschützte Strand würde uns anderswo wohl begeistern, aber hier oben an der Küste Nordspaniens ist er nur Mittelmaß. Zum Glück gehen wir ein Stück den Weg entlang, hinauf zu den Felsen. Quer über eine Wiese und vorbei an Kühen und Pferden geht es bis zu den Klippen. Ich gehe allein, weil wir verhindern wollen, dass die Kühe wegen Sammy aggressiv werden. 

Vorne am Meer ist es einfach unglaublich: aus der Wiese ragen unendlich viele messerscharfe Steine, dazwischen fantastische Felsformationen, darunter tiefblaues Meer, irgendwo eine verlassene Eremitage – und rundherum absolute Stille. Die genießen auch einige Ziegen, die sich auf den Felsen sonnen und nur mäßig erfreut sind, dass wieder irgendein Tourist die Ruhe stört. Ich bleibe länger als geplant auf den Cuevas del Mar und lasse Landschaft und Stille wirken.

Dann geht’s weiter zu El Castro de las Gaviotas. Der Felsen für die Möwen ragt vor der Playa Huelga imposant aus dem Meer. Während Sammy am Rand der Klippen herumspaziert, baue ich das Stativ vor dem Felsen auf, der geradezu Vergleiche mit anderen Tieren herausfordert. Ein versteinerter Elefant, der vor der Playa Huelga seinen Durst stillt? Könnte hinkommen…

Zwei Strände, die man sehen muss: El Castro de las Gaviotas und die Playa Buelna.

Gleich neben dem kleinen, staubigen Parkplatz wecken steil und ziemlich gefährlich wirkende Stufen zwischen einer engen Felsspalte in Richtung Abgrund unser Interesse. Bis ganz hinunter gelangt man nicht, kurz davor haben sich die letzten Stufen verabschiedet. Der Blick zwischen der Felsspalte hinaus aufs Meer und auf El Castro de las Gaviotas ist auch von dort fantastisch.

Einen Strand haben wir uns noch vorgenommen, die Playa Buelna. Wie fast überall ist die Zufahrt auch hier eine einzige Herausforderung. Die Straße wird immer enger und geht beinahe zur Gänze in eine Ansammlung tiefer Schlaglöcher über – aber am Ende wartet ein fantastischer Strand mit vielen kleinen Felsen und dem einsam ein Stück draußen aus dem Meer ragenden „El Picón“. Sammy ist begeistert, er wälzt sich im Sand und läuft ins Wasser. Ein Pärchen sieht ihm zu und lacht: „Your dog is crazy…“ 

Die Woche in Llastres ist viel zu schnell vergangen. Wir fahren weiter nach Bermeo. Das lebhafte, kleine Fischerdorf liegt strategisch günstig als Ausgangspunkt für die Touren, die wir in der letzten Woche in Nordspanien noch geplant haben.

Santillana del Mar orientiert sich leider viel zu stark an den Touristenmassen.

Am Weg nach Bermeo nehmen wir noch zwei Städte mit, die man angeblich gesehen haben muss. Für Comillas stimmt das unbedingt, auf Santillana del Mar könnte man aber getrost auch verzichten, auch wenn sich Jean Paul Sartre seinerzeit von der Stadt offenbar hat verzaubern lassen. Im Roman „Der Ekel“ macht er Santillana del Mar zur schönsten Stadt Spaniens. Nun, das ist natürlich ein paar Jahre her, dass Sartre in Santillana war – und damals versprühte die kleine Stadt mit Sicherheit noch einen anderen Charme als heute und Touristen gab es nicht annähernd so viele. Ein wenig kann man den ehemaligen Reiz von Santillana del Mar, das übrigens gar nicht am Meer liegt, noch erahnen, wenn man sich bemüht, und die Touristen, die einschlägigen Lokale und Geschäfte ausblendet.

El Capricho de Gaudí ist die Attraktion von Comillas – aber beileibe nicht die einige.

Ganz anders Comillas. Man kann sofort nachvollziehen, warum es seinerzeit König Alfonso XII. im Sommer immer wieder in das Fischerdorf gezogen hat. Prachtvolle Villen und Paläste, die Universidad Pontifica und viele einladende Plätze machen Comillas enorm interessant und charmant. Absoluter Höhepunkt ist aber El Capricho de Gaudí – eines der wenigen Gebäude von Antoní Gaudí außerhalb von Barcelona. Haus und Garten wurden nach Gaudís Plänen für den Unternehmer Eusebio Guelle errichtet.

In Bermeo finden wir unser Appartement erst nach einigen Anlaufschwierigkeiten, dann stellen wir fest, dass wir im vierten Stock wohnen, aber keinen Lift – und viel zu viel Gepäck – haben.

Die erste Tour in Euskadi führt uns nach Gernika, in die „Heilige Stadt“ der Basken. Bis ins 19. Jahrhundert hinein trafen sich die baskischen Ältestenräte an einem ganz bestimmten Ort zu Versammlungen – unter einer alten Eiche im Park des Casa de Juntas. Die Eiche steht noch immer. Geschützt von einem kleinen Pavillon hat sie mittlerweile ein halbes Jahrtausend auf dem Buckel und einiges an Wirren überlebt. Mitte des 19. Jahrhunderts fing die Eiche Feuer, am 26. April 1937 überstand sie sogar einen Bombenhagel. Spaniens Nationalistenführer General Franco hatte seinen Gesinnungsgenossen Adolf Hitler im Bürgerkrieg um ein bisschen Unterstützung gebeten – und Hitler schickte prompt die Legion Condor, um die „Heilige Stadt“ der Basken zu bombardieren. Die ersten Flächenbombardements der Geschichte verwüsteten weite Teile der Stadt. 

Guernica – die heilige Stadt der Basken, die von deutschen Bombern in Schutt und Asche gelegt wurde. Pablo Picasso hat die dramatischen Ereignisse in einem Gemälde verarbeitet.

Pablo Picasso verewigte die dramatischen Ereignisse in seinem Gemälde „Guernica“. Eine Nachbildung steht in der Casa Pedro de Elejalde. Kunst mit weniger schlimmem Hintergrund gibt es im Parque de los Pueblos: die Skulpturen von Henry Moore und Eduardo Chillida.

Skulpturen und Kunstwerke prägen heute das Stadtbild von Guernica.

Gernika liegt am Rand des Biosphärenreservats Urdaibai, einem riesigen Sumpfgebiet und absolutem Vogelparadies. Wir fahren durch das Reservat bis hinauf zum Playa de Laga, einem der schönsten Strände des Baskenlandes, der auch in der Nebensaison an den Wochenenden von den Massen bevölkert wird. Auch für die Vögel im Urdaibai könnte es mit der Ruhe bald einmal vorbei sein: Ausgerechnet hier im Naturschutzgebiet möchte das Guggenheim-Museum eine Außenstelle errichten, was eine Bürgerinitiative bis jetzt allerdings erfolgreich verhindern konnte.

Die Szenerie kennt man von Game of Thrones: Elendslange, enge Treppen aus Stein, die hinauf zu Dragonstone führen, der Heimat von Daenerys Targaryen und ihren Drachen. In Wahrheit befinden sich dort oben keine Drachen und auch kein großes Königreich, sondern ein einsames Kloster, wie es rund um Bermeo einige gibt. Aber San Juan de Gaztelugatxe ist, auch ohne Game of Thrones, die mit Abstand spektakulärste Eremitage – und der Weg dorthin ist mühsam.

San Juan de Gaztelugatxe – das einsame Kloster war für die Macher von Games of Thrones die perfekte Heimat der Drachen.

Dass er für uns mühsamer als nötig wird, dafür sorgt unser Navi: Obwohl mich der kleine Parkplatz mit den paar Wohnwägen irritiert, vertrauen wir unserem Navi, das uns einreden will, dass hier Endstation für Autos ist. Es sind knapp drei – in der Hitze – anstrengende Kilometer, aber die Wanderung ist trotzdem schön. Beim Eingang zur Eremitage sehen wir: es hätte auch eine direkte Zufahrt gegeben – und am Ziel sind wir noch lange nicht angelangt. Denn jetzt wird es erst so richtig anstrengend: Wir müssen eineinhalb Kilometer über einen steilen und rutschigen Weg gehen, bis wir die Brücke und die ersten Stufen erreichen. 231 Stufen sind es ab da noch – ein Kinderspiel im Vergleich zum bisherigen Weg. Die Treppe aus Stein ist ein Erlebnis, so wie der geniale Ausblick von oben. 

Kurze Pause am Cabo Matxitxako. Das Fischerdorf Elantxobe sehen wir in Ermangelung eines Parkplatzes nur von oben.

Wir quälen uns zurück zum Auto und fahren hinüber zum Cabo Matxitxako, das gleich zwei Leuchttürme hat. Draußen im Meer tummeln sich normalerweise angeblich jede Menge Delfine und Wale, aber heute offensichtlich nicht. Wir müssen uns mit einem, zugegebenermaßen, genialen Blick auf Gaztelugatxe begnügen. Wir wollen noch zu den Stränden bei Ibarrangelu und zum angeblich so malerischen Fischerdorf Elantxobe, das sich an die Hänge des höchsten Kliffs an der baskischen Küste schlängelt. Das Dorf ist allerdings hoffnungslos mit Touristen überfüllt, Parkplatz gibt es keinen einzigen. Wir disponieren um und fahren zurück nach Bermeo.

Die Tickets für das Museo Guggenheim haben wir schon am Abend zuvor online gekauft. Wir fahren rechtzeitig weg, um in Bilbao noch genug Zeit für ein gemütliches Frühstück zu haben. Wir stellen das Auto in einem Parkhaus in der Nähe des Zentrums ab und finden ein gemütliches Café nicht weit weg vom Museum.

Puppy und die Spinne Maman bewachen das imposante Museo Guggenheim.

Danach drehen wir eine Runde um das imposante Gebäude, das Bilbao 1997 aus einem ziemlichen Schattendasein geholt hatte. Mit dem Museum und der von Frank Gehry konzipierten Titanfassade hat in Bilbao eine neue Zeitrechnung begonnen: Aus der Industriestadt, die nie für ihre Schönheit oder irgendwelche Sehenswürdigkeiten bekannt war, wurde plötzlich ein Zentrum für Kunst und Kultur, gepaart mit einer spannenden Altstadt. Das Gebäude fasziniert von allen Seiten – oben von der Puente de la Salve mit dem roten Arcos Rojos, von den Stufen zum Eingangsbereich ebenso wie vom großen Platz mit Jeff Koons riesiger Puppy, vor allem aber vom Ria del Bilbao aus mit dem spektakulären Wassergarten, in dem Yves Kleins Fire Fountain kein Wasser, sondern Fontänen aus Feuer ausstößt.

Moderne Kunst inmitten phänomenaler Architektur.

Ich habe viel Zeit, um die Architektur rundherum und Louise Bourgeois neun Meter hohe Spinne „Maman“ zu bewundern: Sammy darf ja nicht ins Museum, deshalb geht Manuela zuerst hinein. Man muss nicht unbedingt ein großer Fan moderner Kunst sein, damit sich der Eintritt lohnt. Die Ausstellungen sind enorm interessant, und die Architektur im Inneren sowieso phänomenal.

Wir gehen am Ria entlang in Richtung Casco Viejo. Neben den vielen interessanten Museen, auf die wir leider verzichten müssen, weil Sammy nirgends reindarf, untermauern viele Skulpturen in der ganzen Stadt Bilbaos Ruf als Kulturmetropole.

Bilbao hat seinen Ruf einer unansehnlichen Industriestadt längst hinter sich gelassen.

In der Altstadt gehen wir eher ziellos durch die engen Gassen, vorbei an der Catedral de Santiago und die La Ribera am Fluss entlang. Irgendwo in der Nähe der Kathedrale trinken wir Kaffee und kommen dabei mit einem netten schottischen Ehepaar ins Gespräch. Sie haben selbst einen kleinen Hund, sind aber von Sammy restlos begeistert. Später kämpfen wir uns durch die Gran Via Don Diego López de Haro, die belebte Einkaufsstraße von Bilbao, in Richtung Museo Guggenheim. Gleich beim Museum ist der Athletic Bilbao-Fanshop. Ich kaufe einen Athletic-Ball für Sammy, das muss einfach sein. 

Es schüttet in Bermeo – eigentlich ein Wetter zum Ausschlafen. Aber wir vertrauen dem Wetterbericht, und der sagt, dass es in San Sebastian schön sein soll. Tatsächlich hört der Regen schon kurz nach Bermeo auf. Vor San Sebastian steuern wir zuerst einmal die Peine del Viento an der Playa de Ondaretta an. Wir brauchen lange, um die drei Stahlskulpturen zu finden. Das Navi schickt uns wieder einmal einfach irgendwo hin… 

Jesus passt von seinem Platz über der Stadt auf San Sebastian auf – und hat vermutlich auch ein wachsames Auge auf die Peine del Viento auf der anderen Seite der Playa la Concha.

Aber wir geben nicht auf und finden irgendwann dann doch den „Kamm des Windes“, den zwei Künstler aus San Sebastian geschaffen haben. Von der Playa de Ondaretta sieht man perfekt auf den kilometerlangen Playa la Concha, der direkt bei der Altstadt beginnt. Ein Stück oberhalb der Altstadt, am 123 Meter hohen Monte Urgull, wacht eine überdimensional Christus-Statue über Stadt und Strand – und auch über die Basilica de Santa María del Coro, die im 18. Jahrhundert in die enge Altstadt gezwängt wurde. Großzügig ist der Plaza de la Constitución.

Imposante Kirchen und riesige Plätze gibt es in San Sebastian genug.

Wir erholen uns bei einem Glas Wein in einem der vielen Lokale und bewundern die nummerierten Balkone der Häuser: Von den Balkonen aus konnten die Zuschauer am besten die Matadore und Stiere beobachten, wenn der Platz wieder einmal zur Stierkampfarena umfunktioniert wurde.

In Bermeo erinnern Skulpturen an die Zeit der Walfänger und die Gefahren, die vom Meer aus drohen.

Das Wetter in Bermeo ist stabil. Es schüttet. Wir bleiben im Appartement und wagen uns erst am späten Nachmittag hinunter in die Stadt. Wir bleiben zuerst aber an der Tonpoi aundia Kala, der felsigen Bucht beim Talaka Parkeo stehen: es hat aufgehört zu regnen, sogar die Sonne lässt sich ein bisschen blicken und die Wellen unten am Meer sorgen für tolle Motive. Dass Bermeo ein wichtiger Fischerhafen an der baskischen Küste ist und dass hier einmal eine der größten Walfangflotten stationiert ist, lässt sich alleine schon aufgrund der vielen Skulpturen und Wandbilder erahnen, die eindrucksvoll zeigen, dass sich die Walfänger enormen Herausforderungen stellen mussten – und die Angehörigen enormen Ängsten ausgesetzt waren.

kommen sie zurück? Dass es für die Fischer vor Bermeo alles andere als einfach war, lässt sich beim Blick auf die Bucht Talaka Parker unschwer erkennen.

Unten am Hafen beeindruckt eine weitere Skulptur: die Welle aus Stahl zeigt, dass die Stadt und der Hafen auch vom Meer aus ständig Gefahren ausgesetzt war. Wir trinken Wein am Hafen und genehmigen uns – nachdem wir die Tage zuvor zweimal hervorragend im Izaro gegessen haben – im 18/70 ein paar Pintxos.

Nordspanien hätte sich noch ein paar Wochen verdient, mindestens. Aber die sind leider nicht mehr drinnen. Wir nehmen die Erinnerungen an eine fantastische Landschaft, an herrliche Städte und unglaublich freundliche Menschen mit auf den weiten Weg nach Hause. 

Die schwarze Kathedrale prägt Clermont-Ferrand an jeder Ecke.

Wir übernachten in Clermont-Ferrand, das kleine Hotel liegt in der Nähe des Zentrums. Der Weg dorthin ist schwierig, denn Clermont-Ferrand ist gerade eine einzige Baustelle, die ganze Plätze und Straßen werden saniert und umfassend neugestaltet. Das Zentrum selbst rund um die imposante schwarze Kathedrale ist zum Glück baustellenfrei. Wir waren vor vielen Jahren schon einmal in Clermont-Ferrand, diesmal erscheint uns die Stadt viel interessanter als damals. Wir essen im Le Clairmont, einem der vielen Lokale rund um das Gourmetzentrum am Place Saint-Pierre, dann trinken wir noch ein Glas Wein am Platz vor der Kathedrale. 

Die letzte Station ist Bregenz. Wir kommen erst gegen 17 Uhr beim Hotel Ibis in der Innenstadt an. Die Garage des Hotels ist nur zu erreichen, wenn man ein paar Meter gegen die Einbahn fährt, ich bleibe am sehr breiten Gehsteig vor dem Hotel stehen, um einzuchecken. Hinter uns kommt eine junge Familie mit Kinderwagen den Gehsteig entlang, die Frau geht an unserem Auto vorbei, der Mann bleibt mit dem Kinderwagen demonstrativ hinter uns stehen und macht keine Anstalten, ebenfalls am Auto vorbeizugehen. Irgendwann gebe ich nach, fahre runter vom Gehsteig und mache dem Mann Platz. Spätestens jetzt wissen wir: Wir sind wieder zurück in Österreich!

Mit Garage und Gebühr für Sammy zahle ich für die eine Nacht im Ibis stolze 180 Euro – weit mehr als in jedem anderen Hotel im Urlaub. Allerdings hält die Qualität des Zimmers mit dem Preis nicht mit: der Teppich ist, gelinde gesagt, abgewohnt, das Bad eine Katastrophe. Der Duschvorhang hängt an 6 von 12 Ösen und ist einen halben Meter zu kurz, der Fön ist mit Tixo geklebt, es gibt keine Handtücher, nur Badetücher. W-Lan würde es geben, aber das kostet noch einmal 6 Euro extra pro Tag…

Egal, wir gehen kurz in die Stadt und essen in der Nähe des Bodensees im Isola Bella eine absolut hervorragende Pizza, die Kellner sind nett. Das macht den Ärger über das Ibis allemal wett.


GALICIEN

Einwohner: 2,7 Millionen.

Hauptstadt: Santiago de Compostela

Regionen & Sprachen: Spanisch, Galicisch. 

Geschichte: Der Name der autonomen Provinz geht auf das keltisch beeinflusste Volk der Gallaeker zurück, die ausgerechnet Galicien möglicherweise aber gar nicht besiedelten. Ihre Spuren hinterlassen haben sie in Portugal und Asturien. Julius Caesar hat Galicien etwa 60 v. Chr. zur römischen Provinz gemacht, die Römer sorgten für eine enigermaß0en gute Infrastruktur. Im Zuge der Völkerwanderung gründete König Ermenrich das Königreich der Sueben. 585 wurden die Sueben von den Westgoten als Herrscher abgelöst, Ende des 6. Jahrhunderts begann die Christianisierung der Region, die Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Mauren blieb in Galicien ohne großen Einfluss. 813 wurden in Santiago de Compostela die Gebeine des Apostels Jakobus gefunden, der Ort wurde zum Ziel zahlreicher Pilger, 1075 wurde mit dem Bau der Kathedrale begonnen. Galicien war in den folgenden Jahrhunderten immer wieder einmal Königreich, nach 1970 wurde die Region als eine der historischen Nationen Spaniens anerkannt und bekam den Status einer autonomen Gemeinschaft.

ASTURIEN

Einwohner: 1,1 Millionen.

Hauptstadt: Oviedo

Regionen & Sprachen: Im Fürstentum wird Spanisch und Asturisch sowie Galicisch-Asturisch gesprochen. 

Geschichte: Rund 800 v. Chr. siedelt sich keltische Stämme an, die vom Goldabbau und als Hirten lebten. 25 v. Chr. begann die römische Herrschaft über die rebellischen Asturier, fünf Jahrhunderte später waren sie Teil des Westgotenreichs. Ab 711 eroberten die Muslime die Region, keine zehn Jahre später vertrieb König Pelayo in der Schlacht von Covadonga die Muslime – der Beginn der Reconquista und des Königreichs Asturien. 1230 wurde Asturien mit dem Königreich Kastilien vereinigt, im 19. Jahrhundert begann unter anderem hier die Industrialisierung Spaniens, später war Asturien ein Zentrum des republikanischen Widerstands im Bürgerkrieg.

KANTABRIEN

Einwohner: 0,6 Millionen.

Hauptstadt: Santander

Regionen & Sprachen: Spanisch.

Geschichte: 2010 wurde in der Höhle Cueva del Mirón die rund 18.700 Jahre alte „Dame Roja de El Mirón“ entdeckt. In der Antike wurde die Region von den Kantabriern besiedelt, die später von den Westgoten verdrängt wurden. Auch Kantabrien blieb von der Eroberung durch die Mauren weitestgehend verschont. Alfons II. besiegte die Mauren dann bei Los Barrios de Luna entscheidend. Im 19. Jahrhundert wurde Kantabrien von den Franzosen besetzt, wieder war der Widerstand erfolgreich.

BASKENLAND

Einwohner: 2,7 Millionen.

Hauptstadt: Vitoria-Gasteiz

Regionen & Sprachen: Baskisch (Euskara), Spanisch. 

Geschichte: Erste Besiedlungen etwa 7000 v. Chr., später siedelten die Kelten. Die Christianisierung verlief hier schleppend und dauerte bis ins Mittelalter an. Politisch einigermaßen geeint war das Baskenland nur im 11. Jahrhundert unter Sancho el Mayor. Im Spanischen Bürgerkrieg stand das Baskenland vor allem durch die Zerstörung Gernikas durch die Nazis und danach aufgrund der Unterdrückung durch die Franco-Diktatur im Fokus. Im Zuge der Demokratisierung Spaniens wurde Das Baskenland – Euskadi, Pais Vasco – zur Autonomen Gemeinschaft. Zur vollständigen Unabhängigkeit kam es trotz der Terroranschläge durch die ETA aber nie. 

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