Urlaub in Deutschland? Nie und nimmer!? Na ja, man wird älter, ein Stück gescheiter – und so manches Vorurteil erweist sich als zumindest nicht ganz richtig. Im Lauf der Jahre haben wir gelernt: Die Deutschen sind freundlich, haben schöne Städte und herrliche Landschaften. Trotzdem bin ich ein wenig skeptisch, als wir uns für paar Wochen in Kappeln an der Ostsee entscheiden. Zu Unrecht, wie sich herausstellt.
Die erste kleine Enttäuschung gibt’s bereits bei der Abfahrt. Sammy ist seit ein paar Tagen nicht ganz auf der Höhe. Wir entscheiden uns, ihn daheim bei unserem Sohn zu lassen. Schade, denn das Appartement in Kappeln liegt direkt an der Ostsee – wir hatten uns darauf gefreut, mit Sammy von der Haustür raus an den Strand gehen zu können.
Sammy ist mindestens ebenso traurig wie wir, als wir ohne ihn wegfahren. Wir sagen uns, dass es für ihn so besser ist. Aber wir wissen: es ist nicht so.
Trotzdem freuen wir uns natürlich auf die zwei Wochen im Norden von Deutschland und darauf, dass wir diesmal eine ganz neue Destination kennenlernen werden. Gespannt sind wir gleich einmal auf unsere erste Station: Wir übernachten auf halbem Weg in Quedlinburg. Ich muss gestehen: ich habe noch nie auch nur irgendetwas über die Existenz dieser Stadt gehört, bis ich bei der Suche nach einer idealen Zwischenstation über ein paar Fotos im Internet gestolpert bin.
Quedlinburg: Was für eine Stadt!
Dabei hätte Quedlinburg jede Menge zu erzählen: Die kleine Stadt im Harz hat weit mehr als 1000 Jahre Geschichte auf dem Buckel, war im Mittelalter eine der wichtigsten Königs- und Kaiserpfalzen und um 1000 nach Christus sogar die Hauptstadt des Ostfränkischen Reichs. Seit 1994 ist die Altstadt UNESCO Weltkulturerbe – nachdem eine Gruppe engagierter Bürger keine zwanzig Jahre zuvor gerade noch den Abriss zahlreicher alter Häuser in der Altstadt verhindern konnte.




Glück gehabt! Engagierte Bürger konnten 1994 den Abriss vieler Altstadthäuser verhindern.
Und vor allem: Quedlinburg ist unglaublich schön. Unzählige Gründerzeitvillen und Jugendstilbauten, dazu exakt 2069 Fachwerkhäuser in der historischen Altstadt – all das sorgt dafür, dass wir von der ersten Minute an von Quedlinburg hingerissen sind.



Quedlinburg begeistert uns – wir bleiben einen Vormittag länger.
Wir spazieren quer durch die Altstadt, vorbei an den Häusern und über die vielen schönen Plätze. Dann setzen wir uns in den Gastgarten eines Restaurants und essen Hamburger Schnitzel und Zander. Es wird langsam kühl, also machen wir uns auf den Weg zurück zum Hotel Acron.
„Austernfischer“ an der Schlei
Wir haben noch Zeit genug, also frühstücken wir gemütlich im Hotel und gehen dann noch einmal in die Stadt. Ein Kaffee im Boulevard Café vor dem Rathaus, eine Runde durch die Altstadt und zum Abschluss noch ein Kaffee im „Café in sieben Häusern“.
Danach brechen wir in Richtung Kappeln auf. Die Fahrt ist, typisch Deutschland, ziemlich anstrengend und wird kurz vor Eckernförde noch einmal so richtig unangenehm. Die Straße ist gesperrt, die Umleitung einfach irreführend. Egal, unser Haus im OstseeResort Olpenitz ist großartig und sehr modern eingerichtet. Kein Wunder, das Resort ist noch ziemlich neu und noch nicht durchgehend fertig. Die Tatsache, dass wir in einem der größten Feriendörfer Europas wohnen, macht uns zu Beginn Kopfzerbrechen, aber das vergeht schnell. Man steigt sich nicht, wie befürchtet, auf die Zehen, die Anlage ist recht gut durchdacht und bietet genügend Freiraum.




Das OstseeResort ist eines der größten Feriendörfer Europas, lässt den Gästen aber viel Freiraum.
Wir haben das Haus mit dem klingenden Namen „Austernfischer“ – links die Schlei, rechts die Ostsee, in der Mitte der Leuchtturm auf der Lotseninsel. Allerdings können wir nicht direkt von unserer Terrasse zum Meer gehen, denn dazwischen liegt ein abgezäuntes Naturschutzgebiet mit Vögeln und einer Herde süßer Schafe, die uns mehrmals am Tag einen Besuch abstatten.
Blick auf Meer und Schafe
Im OstseeResort gibt es natürlich auch ein Lebensmittelgeschäft, das ist allerdings so weit von unserem Haus entfernt, dass ich das frische Gebäck für das Frühstück mit dem Auto hole. Im Herbst 2021 ist die Corona-Pandemie noch allgegenwärtig.

Leuchtturm und Meer im Hintergrund, eine Herde Schafe im Vordergrund.
Wir müssen uns impfen lassen, damit wir überhaupt wegfahren können, und die Sache mit dem Abstand halten ist noch lange nicht vergessen. Das merke ich an der Theke der Gebäckabteilung des Edeka-Marktes. Ich beuge mich nach vorne, um das Angebot zu sondieren – und schon bekomme ich von einer resoluten, älteren Verkäuferin einen Rüffel. Ich solle doch gefälligst hinter der „Absperrung“ bleiben. Aber ich bekomme unsere Brötchen trotzdem, wir genießen das Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf Meer und Schafe.
Danach machen wir einen ausgedehnten Spaziergang am Strand. Es sind fast acht Kilometer bis zum Kliff von Neukirchen. Wir sind angenehm müde, fahren aber bald nach Kappeln, um auch die Stadt ein bisschen zu erkunden.


Acht Kilometer den Strand entlang, dann kommt das Kliff von Neukirchen.
Der Zeitpunkt ist nicht so gut: In der Altstadt ist eine Art „Kirtag“, es ist enorm viel los. Wir flüchten uns zur Mühle auf einem Hügel oberhalb des Zentrums und essen am Retourweg Eis. Mittlerweile hat sich der Andrang etwas beruhigt. Wir schauen in die Geschäfte, aber es wird zunehmend windig. Wir fahren zurück ins Resort, lesen und essen im Haus.



Der erste Eindruck von Kappeln: Schöne Stadt, schöne See.
Am nächsten Tag regnet es leicht, Manuela hat Kopfweh. Wir bleiben daheim. Am Abend fahre ich allein zum Leuchtturm Falshöft. Rund um den Leuchtturm und am langen Strand ist nicht viel los, das Wetter ist nach wie vor nicht gut – und man braucht ein bisschen Fantasie, um sich vorstellen zu können, dass man vom Leuchtturm bei gutem Wetter bis hinüber nach Dänemark sehen kann. 25 Meter ist der Leuchtturm hoch, 92 Jahre lang hat er den Schiffen draußen in der Geltinger Bucht gezeigt, wo es lang geht. Heute hat der Leuchtturm Falshöft aber ausgedient: 2012 wurden die Lichter ein für allemal abgedreht.




25 Meter hoch, fast 100 Jahre alt – aber der Leuchtturm von Falshöft hat längst ausgedient.
Ein Paradies für Vögel
Alle möglichen Tierarten leben in der Geltinger Birk, einem ausgedehnten Naturschutzgebiet. Über 200 Vogelarten sollen es sein, aber auch Hochlandrinder, Lurche und Wildpferde dürfen sich hier in unberührter Wildnis tummeln.


Herrliche Landschaft – nur die Vögel haben sich gut versteckt.
Wir sehen – von ein paar Vögeln und Insekten abgesehen – keine davon. Aber das ändert nichts daran, dass der lange Spaziergang durch eine herrliche Landschaft absolut angenehm und beruhigend ist.





Eine Wanderung durch die Geltinger Birk: volle Konzentration auf Natur und Windrad.
Deutsches Bier und dänisches Flair
In Flensburg ist es schon ein wenig lebendiger. Deutsches Bier und dänisches Flair – die Stadt macht von Anfang an einen netten und sympathischen Eindruck auf uns. Im imposanten Hafen ist an jeder Ecke spürbar, dass Flensburg auf eine jahrhundertelange Tradition als Seefahrerstadt zurückblicken kann. Gleich hinter dem Hafen beginnt die Altstadt mit lebendigen Straßen und Gassen, schönen Plätzen und den berühmten Hinterhöfen. Wir entdecken einige davon, vor allem in der Roten Gasse.

Schon am Hafen spüren wir die angenehme Atmosphäre von Flensburg.
Neben Meer und Bier steht Flensburg aber auch für Rum, die berüchtigte Punktekartei des Kraftfahrbundesamtes – und für Beate Uhse. Die hatte 1962 in Flensburg den allerersten Sex-Shop der Welt gegründet, „getarnt“ als Fachgeschäft für Ehehygiene…






Meer, Bier, Punktekartei und Beate Uhse – Flensburg hat einiges zu bieten.
Am Abend fahren wir nach Kappeln und essen im Restaurant Rhodos Lammkotelett und Huhn in Metaxasauce – krönender Abschluss eines schönen und sonnigen Tages.
Kiel: Das war so nicht nötig
Von schön und sonnig ist am nächsten Tag keine Rede, aber das Wetter ist auch nicht so grausig, wie angekündigt. Es ist kühl und windig, also beschließen wir nach Kiel zu fahren, durch die Stadt zu gehen und einen Museumsbesuch einzuschieben.


Beim Wiederaufbau von Kiel haben die Stadtplaner nicht immer die besten Ideen umgesetzt.
Wer immer in den Reiseführern von einer schönen Stadt geschrieben hat – in Kiel kann er nicht gewesen sein. Die Hauptstadt von Schleswig-Holstein ist so ziemlich die hässlichste Stadt, in der wir jemals gewesen sind. Dass die Stadt im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, ist die eine Sache. 1945 stand nach 90 Luftangriffen nur noch jedes vierte Haus. Aber man hätte Kiel beim Wiederaufbau in den 1970er-Jahren nicht derart verschandeln müssen. Nur abseits der „Altstadt“, beim alten Rathausturm und außerhalb des Zentrums, zeigt Kiel auch durchaus schöne Seiten. Wirklich toll ist die Kunsthalle zu Kiel – wegen der gezeigten Werke natürlich, aber auch aufgrund des beeindruckenden Gebäudes.



Die Kunsthalle Kiel lässt die eine oder andere Bausünde vergessen.
Wir verlassen Kiel im Bewusstsein, ganz sicher kein zweites Mal in diesem Urlaub vorbeizuschauen, und fahren weiter nach Strande. Der Leuchtturm dort ist ziemlich verbaut und keine allzu große Offenbarung. Viel spannender ist es, die Pferde auf den Wiesen und die vielen Vögel im Meer und am Strand zu beobachten.






Pferde und Vögel fühlen sich rund um den Leuchtturm von Strande wohl.
Die Wolken ziehen sich von Minuten zu Minute mehr zusammen, der Himmel wird zusehends bedrohlicher. Macht nichts, wir lassen Strande hinter uns und fahren noch nach Eckernförde. Dort ist es noch richtig schön, als wir vom Parkplatz Richtung Zentrum gehen. Wir trinken noch Kaffee und essen ein wunderbares Zitronenbaiser, ehe wir unser wichtigstes Ziel an diesem Tag ansteuern: die Bonbonkocherei. Hier gibt’s alles, was Gott so an Süßigkeiten verboten hat…
Wir kosten, kaufen ein und sind gut gelaunt – bis wir die Bonbonkocherei verlassen. Denn draußen hat uns das Unwetter eingeholt: es schüttet extrem. Wir verkriechen uns vor dem Geschäft unter einem Dachvorsprung und warten ziemlich lange, bis der Regen einigermaßen nachlässt.



Nach Eckernförde kommen wir immer wieder – nicht nur der Schokolade wegen…
Wir kommen in den nächsten Tagen immer wieder zurück nach Eckernförde. Immer wieder entdecken wir neue Gassen und Ecken in der idyllischen Altstadt und am Hafen. Dort merkt man kaum mehr etwas davon, dass das beliebte Ostseebad vor rund sechs Jahrhunderten noch ein ziemlich verrufenes Dorf gewesen ist: Eckernförde war eine berüchtigte Hochburg der Seeräuber, ehe deren Boote nach und nach von seriösen Kaufmannsschiffen verdrängt wurden – und die Stadt nicht nur wirtschaftlich mehr und mehr aufblühte.
Amanda und die Heringe
Wir sind gestern offenbar rechtzeitig aus Kiel geflohen. Ein paar Stunden, nachdem wir die Stadt verlassen haben, ist Kiel von einem heftigen Tornado heimgesucht worden! Die Wettervorhersage lässt auch für die kommenden Tage nicht allzu viel Positives erahnen.

Die idyllische Seite von Kappeln.
Wir disponieren um und bleiben vorerst einmal in Kappeln. Wir gehen in der Altstadt spazieren und hinauf zu Amanda, der alten Holländerwindmühle über der Stadt, warten vor der zweiflügeligen Klappbrücke, bis die Boote unten auf der Schlei vorbeigezogen sind und wir über die Brücke gehen können.





Die Heringszäune in der Schlei sind noch vorhanden, weil das Geld für den Abriss fehlte.
Von der anderen Seite schauen wir über die Schlei auf die so genannte Heringsstadt. Denn nur in Kappeln kann man noch die besondere Fangmethode der Heringsfischer sehen: die Heringszäune – unzählige Pfähle, die im Wasser von einem Weidengeflecht zusammengehalten werden und denen die Fische einfach nicht entkommen konnten. Gefischt wird auf diese Art schon lange nicht mehr. Es ist der chronischen Geldnot der Gemeinde Kappeln zu verdanken, dass die Zäune noch stehen: die Mittel für den Abriss waren einfach nicht vorhanden.
Wir gehen zurück in die Stadt und lassen uns am Hafen vor einem Lokal nieder – in einem Strandkorb. Da schmeckt das Flensburger Bier gleich noch besser.
Kleine Stadt, große Vergangenheit

Siseby – ein Ort wie aus längst vergangenen Zeiten.
Drei kleine Orte sollte man an der Schlei unbedingt sehen: Arnis, Siseby und Maasholm.
Wobei, die Bezeichnung Ort wird zumindest Arnis nicht einmal annähernd gerecht, obwohl es hier nur eine größere, links und rechts von imposanten alten Linden und malerischen kleinen Häusern eingerahmte Straße gibt: Denn Arnis ist eine Stadt, die kleinste in ganz Deutschland – aber eine mit Vergangenheit: Mit 1000 Einwohnern und 80 Schiffen war Arnis einst einer der reichsten Orte in Angeln.






Drei Orte die man sehen sollte: Arnis, Siseby und Maasholm.
Blühende Gärten, reetgedeckte Fachwerkhäuser – es scheint, als wäre in Siseby irgendwann einmal die Zeit einfach stehengeblieben. Viel darf sich daran gar nicht mehr ändern: Siseby zählt zu den schönsten Dörfern Deutschlands und steht als Ganzes unter Denkmalschutz.
Einen ganz eigenen Reiz hat auch Maasholm. Das urige, kleine Fischerdorf an der Schleimündung punktet mit mehreren schönen Stränden und Spazierwegen am Ufer.
Haithabu – die Stadt der Wikinger
Zurück in die Vergangenheit, in die Zeit als die Ostsee auch auf deutscher Seite von den alten Wikingern beherrscht wurde. Wir fahren nach Haithabu, seinerzeit einer der wichtigsten Handelsplätze der Wikinger, heute ein beeindruckendes Wikingermuseum. Alte Boote, originalgetreu nachgebildete Häuser, interessant aufbereitete Ausstellungen über das Leben der Wikinger in Schleswig – und über deren plötzliches Auftauchen und Verschwinden aus der Region.




Haithabu: seinerzeit einer der wichtigsten Handelsplätze der Wikinger.
Um 450 n. Chr. herum hatten die Angeln alles liegen und stehen gelassen, um sich drüben in England anzusiedeln. Danach blieb die Gegend rund um Schleswig für ein paar Jahrhunderte fast menschenleer. Bis die Dänen herüberkamen und am Haddebyer Noor Haithabu, einen der wichtigsten Handelsplätze der Wikinger, bauen ließen. Rund 300 Jahre florierte der Ort, rund 1000 Einwohner bevölkerten Haithabu – bis 1066 die Slawen kamen und alles niederbrannten.



Das Museum zeigt, wie die Wikinger lebten.
Kaum waren die Wikinger abgezogen, begann der Aufstieg von Schleswig. Unter den Gottsdorfer Herzögen wurde die älteste Stadt Nordeuropas zum kulturellen Zentrum und – von 1868 bis 1945 – sogar zur Hauptstadt der preußischen Provinz Schleswig-Holstein.
Heute ist Schleswig eine schöne, kleine Stadt mit einer absoluten Besonderheit: Die idyllische Fischersiedlung Holm wurde rund um den Friedhof der Stadt gebaut.







Kaum waren die Wikinger weg, begann der Aufstieg von Schleswig und den Gottsdorfer Herzögen..
Wir fahren zurück nach Kappeln und kehren beim „Fährmann“ ein. 5-Fische-Platte und Schweinlende mit Käse – traumhaft gut, aber halt nicht sonderlich gesund…
Und wo bleibt die Sonne?
Flach wie ein Pfannkuchen, aber von der Sonne wahrlich beseelt: Die höchste Erhebung der Halbinsel Fehmarn ist ganze 26 Meter hoch, dafür scheint die Sonne 2200 Stunden im Jahr – mehr als irgendwo sonst in Deutschland.



Fehmarn: 2.200 Stunden im Jahr scheint die Sonne auf der Insel.
Fehmarn ist unser eigentliches Ziel, aber wir steuern zuerst einmal Heiligenhafen an, trinken Kaffee am Hauptplatz und fahren dann zur Steilküste. Wir gehen entlang des durchaus schönen Strands, aber eine richtig „steile“ Küste finden wir nicht. Ansichtssache eben…


Wir haben bei unserem Besuch die paar Stunden erwischt, in denen sich die Sonne gut versteckt.
Wir fahren weiter nach Fehmarn. Die drittgrößte Insel Deutschlands ist längst ganz einfach über eine Brücke erreichbar. In ein paar Jahren soll es auch hinüber nach Dänemark ohne Fähre gehen: Ein Tunnel im Meer wird die beiden Länder verbinden.
Wir suchen vorerst einmal die Sonne – und müssen feststellen, dass selbst 2200 Sonnenstunden im Jahr keine Garantie sind. Wir erleben Fehmarn bei bewölktem Himmel und ganz und gar ohne Sonne. Egal, wir steuern wieder eine Steilküste an, den Strand bei Katharinenhof. Mit ein bisschen Fantasie lässt sich eine Steilküste ausmachen, aber die Höhe ist bei dem Naturstrand ohnehin Nebensache. Der Strand grenzt direkt an einen Wald an, umgekippte Bäume und Strandgut machen die Wanderung an der Küste zu einem Erlebnis. Hier hätte es Sammy ganz bestimmt verdammt gut gefallen…


Am Strand bei Katharinenhof lässt man einfach die Natur machen.
Allerdings ist der Wind ein bisschen Spielverderber, deshalb gehen wir nicht bis zum Leuchtturm Staberhuk an der südöstlichen Spitze der Insel weiter. Wir probieren es mit dem Auto, aber vom Parkplatz weg sind es noch eineinhalb Kilometer zu Fuß – und die wollen wir uns bei starkem Wind und fehlender Fehmarn-Sonne nicht antun.
Dafür fahren wir zurück in den Hauptort der Insel – Burg auf Fehmarn. Wir wollen das Meereszentrum besuchen, mit Europas größtem Haifischbecken eine der großen Attraktionen der Insel. Allerdings tun wir uns schwer, die Beschilderung ist vom Ortszentrum aus ausbaufähig, auch das Navi hilft nicht wirklich weiter. Trotzdem finden wir hin. Von außen wirkt das Meereszentrum schäbig, wir sind skeptisch. Zu Unrecht, denn innen wird das Meereszentrum allen Versprechen der Reiseführer gerecht.






Das Meereszentrum wird zumindest von innen seinem tollen Ruf gerecht.
Zurück ins Zentrum. Auch wenn die Sonne heute auslässt, warm genug für ein Eis ist es allemal. Ich finde einen Camel-Shop und kaufe ein Hemd und einen warmen Schal.
Auf der Fahrt zurück ins Ostseeresort legen wir noch einen Stopp bei der Hohwachter Bucht ein. Wir sind schon ziemlich müde, spät ist es auch schon – vielleicht liegt es daran, dass die Bucht auf uns nicht annähernd so spektakulär wirkt, wie wir uns das erwartet haben. Wir gehen kurz spazieren und fahren dann weiter nach Kappeln.
Die Königin der Hanse
Lübeck – die Königin der Hanse gilt in Deutschland als Gesamtkunstwerk. Die komplette Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe mit ihren sieben Kirchtürmen, den 3000 Bürgerhäusern, den malerischen Gassen und Höfen. Kaum zu glauben, dass die Stadt 1942 bei einem Bombenangriff in einer einzigen Nacht ein Fünftel der Altstadt zerstört wurde!



Müde? Zumindest einer der beiden steinernen Löwen hat ein Auge auf das Holstentor.
Noch bevor wir in die Stadt kommen, hören wir im Radio ständig von dem Spektakel, das der Ostseeküste ins Haus steht: Die Rückkehr der Gorch Fock in den Heimathafen Kiel berührte auch Lübeck. Das nach einem Schriftsteller benannte Segelschulschiff der deutschen Marine war in den Jahren zuvor von Grund auf saniert worden, was in einem handfesten Skandal mündete: Die veranschlagten Kosten wurden massiv überschritten, die beauftragte Werft meldete Insolvenz an, Korruption, so heißt es, war mit ein Grund für das Desaster.








Die ganze Altstadt von Lübeck ist UNESCO Weltkulturerbe.
Wir sehen die Gorch Fock nicht, dafür begeistert uns Lübeck vom ersten Eindruck weg. Fantastische alte Häuser, schöne Gasse, riesige Kirchen – und überall Spuren von berühmten Lübeckern. Willy Brandt, die Brüder Mann und Günter Grass wurden hier geboren. Wir gehen quer durch die Stadt, nehmen Kaffee und Torten im Café Niederecker und gehen zum Abschluss natürlich zum Wahrzeichen der Stadt, zum Holstentor, das von zwei riesigen Löwen aus Stein bewacht wird.
Holnis: Natur pur
Wir fahren noch einmal nach Flensburg. Die Stadt hat uns gefallen, aber es gibt noch einen anderen Grund. Es gibt hier einen Camel-Shop. Ich habe den Schal dabei, den ich im Shop auf Fehmarn erstanden habe. Leider habe ich erst im Haus bemerkt, dass die Diebstahlsicherung noch immer drauf ist. Flensburg ist näher – und in einem Camel-Shop wird man wohl die Diebstahlsicherung des anderen Shops entfernen können. Kann man nicht, das System ist in Flensburg ein anderes als auf Fehmarn. Egal, wir gehen noch einmal durch Flensburg, dann fahren wir ins Naturschutzgebiet Holnis.




Im Naturschutzgebiet von Holnis scheint Dänemark zum Greifen nahe.
Sechs Kilometer zieht sich die Halbinsel in die Flensburger Förde, Dänemark ist von jeder Küste aus fast zum Greifen nah. Wir gehen entlang des Kliffs zu einer Salzwiese, wo unzählige Seevögel brüten.
Am Abend gehen wir in Kappeln in die Kombüse, ein Restaurant mit verboten großen Holsteinschnitzeln…
Im Strandkorb lässt sich‘s chillen
Auch der Weidefelder Strand, gleich ums Eck vom OstseeResort Olpenitz, hätte Sammy gut gefallen. Der ewig lange Strand geht flach ins Meer, aber zum Baden ist das Wetter Anfang Oktober nicht mehr wirklich geeignet. Umso besser kann man den Strand bis hin zu den Klippen entlangspazieren. Danach organisieren wir uns einen Strandkorb und lesen, die Ostsee immer Blick.






Strandkörbe sind definitiv eine gute Erfindung. Die Vögel haben auch ohne Strandkorb ihren Spaß.
Wir verbringen die letzten beiden Tage am Strand, bis uns der starke Wind vertreibt. Auch wenn Sammy daheimgeblieben ist, ganz ohne Hunde verläuft der Urlaub nicht. Wir trinken am letzten Tag Kaffee auf der Terrasse, plötzlich stehen zwei große Hunde vor uns. Später kommen sie wieder, diesmal gleich ins Haus.
Am Abend fahren wir noch einmal nach Kappeln. Wir wollen im Aurora essen. Die Grillspezialitäten sind angeblich großartig, und eine lokale Berühmtheit ist das Restaurant auch. Der „Landarzt“ hat das Aurora in der Fernsehserie zu seiner Stammkneipe gemacht. Wie auch immer, das Essen ist tatsächlich sensationell.

Nebel über der Ostsee.
Wir trinken daheim noch Wein und räumen einen Großteil des Gepäcks ins Auto. Morgen geht’s zurück nach Hause zu Sammy.
Pizza-Stopp in Regensburg
Wir frühstücken noch gemütlich in Kappeln, dann fahren wir los. Wobei, von Fahren kann keine Rede sein, zumindest ab Hamburg. Staus, Baustellen, stundenlange Verzögerung rund um Hamburg. Also übernachten wir noch einmal in Regensburg. Wir kommen spät in einem Hotel im Industriegebiet außerhalb der Stadt an und haben keine Lust mehr, in die Stadt hineinzufahren. Zum Glück finden wir ein Restaurant neben einer Tankstelle gleich in der Nähe des Hotels. Wir erwarten uns nicht viel, werden aber echt überrascht. Die Pizzen sind gewaltig gut und gewaltig groß, die Kellnerin enorm freundlich.

Sammy hätte im OstseeResort wohl jede Menge Freunde gefunden!
Am nächsten Tag geht es problemlos heim. Sammy erwartet uns mit einem Riesengebell – eine Mischung aus Freude, dass wir wieder bei ihm sind. Und zumindest ebenso viel Geschimpfe, dass wir die Ostsee ohne ihn erkundet haben. Aber Hauptsache: Es geht ihm wieder gut! Und beim nächsten Mal ist er ja wieder dabei.
SCHLESWIG HOLSTEIN
Einwohner: 3 Millionen
Hauptstadt: Kiel
Regionen & Sprachen: Deutsch, Niederdeutsch, Dänisch, Nordfriesisch, Romanes.
Geschichte: Erste Siedlungen nach der letzten Eiszeit durch Jäger und Sammler. Im Zuge der Völkerwanderung verließen die Angeln Schleswig-Holstein in Richtung England, dänische und jütische Siedler gründete einige Jahrhunderte später Haithabu. Nach den Sachsenkriegen herrschten ab dem 13. Jahrhundert die Schauenburger, später die Dänen. In den Schleswiger Kriegen beanspruchten die Dänen und die Deutschen Schleswig, 1867 fielen Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen, nach dem ersten Weltkrieg fiel Nordschleswig an Dänemark. Offiziell gegründet wurde das Bundesland Schleswig-Holstein 1946, vorerst unter britischer Verwaltung. 1949 wurde es offiziell Teil der Bundesrepublik Deutschland.

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