Tribunj: Klein, verschlafen, schön

Zumindest im Winter ist Tribunj das, was man sich unter einem Geheimtipp vorstellt: Klein, verschlafen, ruhig, kristallklares Meer, hier und da ein paar Touristen. Ideal für ein paar entspannte Tage rund um Weihnachten und Silvester – und eine perfekte Basis für spannende Touren quer durch Dalmatiens Mitte.

Irgendwann vor vielleicht 15 oder 20 Jahren haben wir beschlossen, dem Trubel rund um die Weihnachtsfeiertage und vor allem Silvester zu entfliehen – und dafür mitten im Winter für ein paar Tage ans Meer zu fahren. Nachdem wir Istrien nach und nach abgeklappert hatten, bekamen wir zunehmend Probleme, die richtige Destination zu finden. Ruhig sollte es sein, von Touristen weitgehend befreit, möglichst direkt am Meer und in einem halben, dreiviertel Tag mit dem Auto zu erreichen.

Da hat man die möglichen Ziele bald einmal durch. Also haben wir beschlossen, es mit den Distanzen nicht so genau zu nehmen und einfach ein paar Tage länger zu bleiben, damit sich die längere Anreise auch auszahlt.

Wenn die Sonne direkt vor dem Balkon untergeht…

In Tribunj sind wir aber nicht gelandet, weil wir diesen Ort in irgendeinem Reiseführer gefunden hätten. Gefunden haben wir vielmehr das Apartment mit einem herrlichen Balkon direkt am Meer. Tribunj war Nebensache, aber, wie sich herausstellen sollte, eine herrliche Nebensache. 

Die kleine Stadt mit ihren vielleicht 1500 Einwohnern sieht aus wie eine Miniaturausgabe berühmterer Orte wie Dubrovnik oder Rovinj. Die Altstadt liegt auf einer winzigen Insel, erreichbar über eine schmale Brücke aus Stein. In paar Minuten hat man die kleine Insel umrundet. Schon am Nachmittag ist klar: Groß ist die Auswahl an Geschäften und Lokalen um diese Jahreszeit hier nicht. Wir trinken Kaffee mit Blick aufs Meer und den Esel gegenüber am Festland.

Das ist kein richtiger Esel dort drüben auf dem Placa, gleich neben der Tribunjski most. Die Statue erinnert daran, dass es im August immer zu einem besonderen Spektakel kommt: Seit mehr als 65 Jahren findet hier jedes Jahr ein Eselrennen statt. Früher im Oktober, aber seit einiger Zeit halt im August, dann haben auch die Touristen etwas davon.

Im Winter ist es in Tribunj herrlich ruhig.

Nach dem Kaffee wollen wir einkaufen. Aber der kleine Konzum hat zu, die Geschäfte am Marktplatz und die Bäckereien auch. Eigentlich hätten wir es ja wissen und sicherheitshalber gleich in den offenen Supermarkt einfallen müssen, den wir gleich nach der Autobahn gesehen haben. Aber nein, auch Erfahrung macht nicht immer klug.

Also nichts mit dem geplanten Essen und dem Wein auf unserem Balkon mit Blick aufs Meer. Gehen wir halt am Abend in die Stadt essen. Doch ganz Tribunj ist, wie befürchtet, zu. Wir fahren weiter nach Vodice, schließlich soll sich dort ja ohnehin immer das volle Leben abspielen.

Wir lassen das Auto am Hauptplatz stehen – und merken schnell: die Restaurants haben wohl auch hier nicht offen. Wir wollen noch ein Stück weiterschauen, vielleicht ist ja nach der Kurve mehr los. So weit kommen wir nicht. Irgendein ein Typ zündet einen Silvesterkracher – und wenn Sammy sich vor etwas fürchtet, dann vor solchen Krachern. Also drehen wir um und gehen in die eine Bar, die offen hat. Dort gibt’s nur Toast, aber der schmeckt bei unserem Hunger einfach wunderbar.

Vom Strand Zamalin aus ist der Blick auf die Stadt ebenso schön wie …

Danach setzen wir uns ins Auto und fahren Richtung Tribunj. Nach der Kurve, vor der wir zuvor umgedreht haben, zeigt sich Vodice plötzlich von seiner besten Seite. Lokal um Lokal, und fast alle haben offen…

Auch die Pizzeria von Simun. Wir überlegen nicht lange – eine Pizza geht sich schon noch aus! Chef Simun empfängt uns als Weihnachtsmann verkleidet, erkennt uns als Österreicher, bevor wir auch nur den Mund aufmachen können – und serviert uns herrlichen Wein und großartige Pizza. Abend doch noch gerettet…

Sammy ist zufrieden mit Tribunj und dem Appartement. Ein paar Stufen runter und wir stehen direkt am Meer. Wir drehen unsere Runde entlang des Ufers, besuchen den Esel am Platz. Nach dem Frühstück auf dem Balkon erkunden wir Tribunj. Auf teilweise abenteuerlichen Wegen gehen wir hinauf auf den Sveti Nikola, einen kleinen Berg, der sich gleich neben dem Placa erhebt. Ganz oben haben die Tribunjer im 15. Jahrhundert ihre Kirche gebaut, die genauso heißt wie der Berg und heute vor allem für Hochzeiten genutzt wird. Noch imposanter als die Kirche ist die Aussicht auf das Meer und die unzähligen kleinen Inseln. 

… vom Sveti Nikola, dem kleinen Berg oberhalb des Placa.

Hinunter in die Stadt nehmen wir den eigentlich für diese Tour vorgesehenen Weg: einen Kreuzweg mit mehreren Stationen, der unten am Placa direkt bei der zweiten großen Kirche von Tribunj endet. Die Blazen Devica Marija, also die Kirche der Himmelfahrt der Jungfrau Maria von Tribunj, wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut. Der Aufstieg zur Sveti Nikola war auf Dauer wohl doch zu anstrengend.

Zamalin heißt der Strand, der sich von der Stadt weg zu einem dichten Kiefernwald zieht. Am Abend gehen wir die lange Strandpromenade entlang und genießen einen absolut perfekten Sonnenuntergang. 

Wir fahren nach Vodice, sind mit der Stadt aber recht schnell fertig. Auch jetzt im Winter lässt sich erahnen, dass es sich in der Hochsaison hier mächtig abspielen kann. Viel zu sehen gibt es aber jedenfalls nicht.

Das ist in Sibenik definitiv anders. Enge Gassen, Häuser und Straßen aus Steinen, prachtvolle Gotteshäuser und mächtige Festungen – und jeder einzelne Stein scheint etwas über die Geschichte dieser Stadt erzählen zu können. Der Trg Republike Hravatske wird an der Westseite praktisch zur Gänze vom Dom begrenzt, im Osten von den eleganten Arkaden der Stadtloggia. Über allem thront die Statue von Juraj Dalmatinac, dem in Sibenik geborenen Bildhauer und Architekten. Neben den Arkaden gelangt auf beiden Seiten über steile Stufen hinauf in die Altstadt und zu den Festungen. 

Alles aus Stein, auch die Gesichter der 71 knausrigen Bürger von Sibenik.

Wir bleiben aber noch unten am Platz, trinken einen Kaffee vor den Arkaden und widmen uns dann der Kathedrale Sveti Jakov, die eigentlich vom ersten Blick an wenig Zweifel daran lässt, dass die Sibeniker ihre Kathedrale wohl nicht zu Unrecht als das schönste Gotteshaus Kroatiens bezeichnen. Begonnen wurde der Bau am Ende der Gotik von einem Venezianer, fertiggestellt hat sie dann eben jener Juraj Dalmatinac, der auch heute noch von seinem Sockel aus den Blick auf das Meisterwerk gerichtet hat. Dalmatinac hat auf dem unteren, gotischen Teil im Renaissance-Stil weitergebaut. 

Dreht man eine Runde um die Kathedrale, kann es schon sein, dass man sich beobachtet fühlt. Der Grund? 71 Gesichter aus Stein, nicht immer vorteilhaft in Szene gesetzt. All jene Bürger sind das, erzählt man sich in Sibenik, die damals zu geizig waren, um einen Beitrag zum Bau der Kathedrale zu leisten…

Juraj Dalmatinac hat Kroatiens schönstes Gotteshaus erschaffen.

Prachtvoll wie der ganze Platz, ergänzen der Bischofspalast und der Rektorenpalast das Ensemble.

Wir lassen den Trg Republike Hravatske unter uns – und schleppen uns die steilen Stufen rund 70 Höhenmeter aufwärts zur mächtigsten der Sibeniker Festungen. Die Sveti Mihovil hatten die Sibeniker errichtet, um sich vor den Türken zu schützen. Dass einem manche Ecken der Festung irgendwie bekannt vorkommen, ist kein Wunder. Wie so viele Plätze Kroatiens haben die Macher von Game of Thrones auch die Sveti Mihovil als Drehort auserkoren.

Die Festung Sveti Mihovil sollte Sibenik vor den Türken schützen.

Wer mag, kann noch drei andere Festungen rund um die Altstadt besichtigen: Subicevac, Sveti Ivan und Sveti Nikola. Wir verzichten darauf und gehen noch einmal durch die engen Gassen der Altstadt. Daheim in Tribunj bleiben wir am Balkon, bis die Sonne spektakulär wie jeden Tag verschwunden ist.

Sibenik, Primosten, Trogir – die Küstenstraße in Richtung Split öffnet immer wieder traumhafte Blicke auf spektakuläre, kleine Städte, tiefblaues Meer und unzählige kleine Inseln. Es dauert, bis wir in Split, der Stadt des alten römischen Kaisers Diokletian, ankommen. 

Diokletian hat sich für den kaiserlichen Ruhestand ein gemütliches Zuhause bauen lassen. Die Dimensionen sind gewaltig, so wie die Statue des Bischofs Gregor von Nin.

Ein paar Kilometer außerhalb von Split, in Salona (heute heißt der Ort Solin), wurde der gute Mann 236 nach Christus geboren. Nachdem er es bis zum römischen Kaiser gebracht hatte, setzte sich Diokletian in Split zur Ruhe. Zuvor hatte er sich noch ein gemütliches Zuhause bauen lassen, den Diokletianpalast. Zu klein geraten ist ihm der nicht, denn der Palast des alten Kaisers ist – die Altstadt von Split. Und er ist das unbestritten eindrucksvollste Denkmal römischer Architektur in Dalmatien. Klar, dass es auch, bereits seit 1979, auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes steht. Der rechteckige Grundriss des Palasts misst stattliche 180 x 215 Meter, insgesamt beträgt die Fläche rund 30.000 Quadratmeter, die Mauern sind bis zu 18 Meter hoch – da bringt man schon ein paar Kirchen, Paläste und Plätze unter…

Der Griff auf die linke Zehe des Bischofs bringt Glück. Angeblich…

Um da nicht unterzugehen, muss auch eine Statue über eine gewisse Monumentalität verfügen. Vor der Porta aurea hat Bildhauer Ivan Mestrovic Bischof Gregor von Nin verewigt. Beeindruckende acht Meter ist die Statue hoch geworden, auch der große Zeh des Bischofs ist entsprechend riesig. Streichelt man drüber – über den linken, wohlgemerkt – dann bringt das angeblich Glück. Wir haben es auf jeden Fall probiert.

Bevor wir weiterfahren, genehmigen wir uns noch Bier und Wein mit Blick aufs Meer in einem der zahlreichen Lokale an der Riva. Sammy gefällt es in Split an diesem Tag nicht so recht. Silvester naht – aber die Kroaten haben keine Lust, mit ihren Krachern so lange zu warten.

Wo immer man in Dalmatien gerade ist, die Helden von Game of Thrones sind nie wirklich weit weg. Von Split nach Klis sind es gerade einmal zehn Kilometer bis zu der imposanten Festung, die im wahrsten Sinn des Wortes über der Region thront. In der Serie verwandelt sich Klis in die Stadt Meereen in der Sklavenbucht…

Die Burg Klis: perfekter Drehort für Game of Thrones.

Die Burg ist auch ohne den „Großen Herren“ sehenswert. Wir haben Glück und sind am späten Nachmittag oben auf den Mauern und Wehrtürmen von Klis: der Ausblick über Split und das Meer wird von der untergehenden Sonne regelrecht vergoldet.

Wieder in Tribunj sind wir alle müde, aber nach Vodice müssen wir trotzdem. Simun steht auf dem Programm. Der Chef begrüßt uns wie alte Freunde, Prsut, Wein, Fisch und Pasticcio schmecken fantastisch.

Die Altstadt von Primosten steht auf einer kleinen Insel im Meer.

Nach zwei Tagen in den Städten lassen wir es gemütlich angehen. Nach der obligaten Runde am Meer bleibt Sammy lieber daheim und lässt mich alleine zur Bäckerei gehen. Im ansonsten so ruhigen Tribunj lassen es sich die Leute schon in aller Früh nicht nehmen, mit ihren kleinen Böllern Krach zu machen. Später fahren wir der Küste entlang auf der hoch über dem gelegenen Straße nach Primosten, einem der dalmatinischen Vorzeigeorte. Die Altstadt ist auf eine winzige Insel draußen am Meer gebaut, verbunden mit dem Festland und dem neuen Primosten durch einen kleinen Damm. Im Sommer soll es sich an der Uferpromenade mit den Cafés und Restaurants und Bars ziemlich abspielen. Davon ist jetzt nichts zu spüren, Primosten wirkt ausgestorben, nur eine kleine Gruppe junger Touristen sucht gerade ihr Hotel, als wir durch die Altstadt und entlang der vielen kleinen Felsen und Strände spazieren. Das Wasser ist unglaublich sauber, das sieht auch Sammy so, der gleich einmal baden geht. Den Kaffee, den wir in Primosten am Meer trinken wollen, gibt’s freilich nicht. Kein einziges Lokal hat offen.

Nicht viel los im Primostener Winter.

Also noch einmal nach Sibenik. Dort gibt’s Kaffee am Meer, aber viel Lärm. Wir fahren heim und bleiben auf der Terrasse. Dort ist es ruhig – und wie die ganze Zeit über unglaublich warm. Es ist Ende Dezember, wir sitzen im T-Shirt draußen und uns ist trotzdem noch heiß. Irgendwie wunderbar, aber auch Angst einflößend. So warm sollte es um diese Zeit auch in Dalmatien einfach nicht sein…

Es ist der 31. Dezember – und ich habe keinen müden Kuna mehr. Nachdem mit 1. Jänner aber in Kroatien sowieso auf Euro umgestellt wird, nehme ich an, dass das kein Problem ist. Ist es aber. Kein Kuna, kein Gebäck. Also rüber in den Konzum gleich daneben, dort kann ich mit Karte zahlen.

Einfach nur Natur: Schöner als im Nationalpark Paklenica kann man Silvester nicht verbringen.

Nach dem Frühstück fahren wir gut 100 Kilometer in den Norden zum Nationalpark Paklenica. Je näher wir dem Eingang Starigrad kommen, desto weniger sind wir sicher, dass es eine gute Entscheidung war, heute wandern zu gehen. Es ist zwar warm, aber bewölkt. Kurz vor dem Nationalpark beginnt es auch noch zu regnen. Aber: Glück gehabt! Als wir aus dem Auto steigen, hört es auf, sogar die Sonne kommt heraus.

Das ist hier nicht ungewöhnlich. Das Velebit-Massiv ist berüchtigt für plötzliche Wetterumschwünge. Beim Eingang Starigrad geht es in die Velika Paklenica, eine der beiden Schluchten im Naturpark. Der Aufstieg ist durchaus steil, die Wege sind prinzipiell gut gepflastert, nur hin und wieder ist der Weg auch ziemlich herausfordernd. Es ist anstrengend, aber traumhaft schön. Die Felsen ragen an den Seiten steil hinauf, die Veli Paklenica mit ihrem kalten, glasklaren Wasser, läuft immer unmittelbar neben dem Weg. Sammy fühlt sich wohl. Bergsteigen taugt ihm, und geschossen wird hier auch nicht. 

Im Naturpark ist es unglaublich ruhig – ein perfekter Ort, um den Silvesterkrachern zu entkommen.

Taucht Winnetou hinter dem nächsten Felsen auf?

Auch hier oben entkommt man den alten Filmhelden übrigens nicht. Viele Jahrzehnte bevor die Macher von Game of Thrones die Städte und Burgen Dalmatiens als Drehorte entdeckt haben, hatten sich Winnetou, Old Shatterhand und einige finstere Gestalten in Kroatien herumgetrieben. Winnetou und Old Shatterhand aber eben eher auf den Bergen und an den Seen. An den Plitvicer Seen wurde gedreht, in Trogir – und hier im Nationalpark Paklenica.

Nachdem wir den teilweise steilen Anstieg geschafft haben, gehen wir oben noch eine gute Stunde auf recht flachen Wegen weiter, ehe wir umdrehen. Bergab ist der Weg dann manchmal enorm rutschig und gar nicht so einfach zu bewältigen. 

Das neue Jahr beginnen wir faul. Wir bleiben länger im Bett, genießen die Sonne auf der Terrasse und fahren dann nach Murter, eine kleine Insel in der Nähe von Sibenik, die über eine Brücke vom Festland aus zu erreichen ist. Im Sommer ist Murter bei den Touristen beliebt, Taucher schätzen das klare Wasser, kleine Jachten bevölkern dann die Häfen. 

Die Idylle trügt: Silvesterkracher vertreiben Sammy und uns am Neujahrstag aus Murter.

Im Winter ist es ruhiger, aber immer noch weit belebter als Primosten. Wir bleiben im Hauptort, der praktischerweise auch Murter heißt, stehen und gehen durch den Ort und am Hafen entlang. Leider wachen langsam auch die letzten Silvester-Leichen auf – und verderben Sammy mit ihren Krachern wieder einmal allen Spaß.

Also fahren wir wieder zurück nach Tribunj, gehen am Meer spazieren und bleiben dann auf der Terrasse – ideales Programm für einen wunderbar warmen Neujahrstag.

Wir haben für heute fix den Nationalpark Krka eingeplant. Leider hat das Wetter ein wenig umgeschlagen, es ist unbeständig und eher kühl. Also immer noch viel zu warm für diese Jahreszeit, aber man wird ja rasch etwas undankbar…

Wir fahren natürlich trotzdem, das Wetter wird auch immer besser. In Skradin soll sich der Eingang zum Naturpark befinden, darauf deutet auch der riesige Parkplatz hin. Aber einen Hinweis auf den Eingang finden wir nirgends. Wir irren zuerst ein wenig herum, fragen dann eine Frau, die uns mit Händen und Füßen einen Weg zeigt, den wir schon nach wenigen Metern nicht so recht glauben können. Bevor wir endgültig verzweifeln, treffen wir eine Gruppe Österreicher, denen es genauso geht. Gemeinsam entscheiden wir uns dafür, doch entlang der Hauptstraße auf gut Glück raus aus dem Ort zu gehen – in die Richtung, in die die Frau zuvor gedeutet hatte. Und tatsächlich, nach einer Weile kommen wir doch zum Eingang, der direkt neben einer eindrucksvollen Brücke liegt.

Der Skradinski buk ist der schönste und imposanteste Wasserfall im Nationalpark Krka.

Dreieinhalb Kilometer sind es von dort aus bis zum Skradinski buk, den berühmtesten der unzähligen Krker Wasserfälle.

Mittlerweile ist es wieder warm und angenehm, die Sonne hat sich auch vorgekämpft. Trotzdem sind heute nur wenige Besucher bei den Wasserfällen, ganz im Gegensatz zu unserem ersten Besuch vor gut 15 Jahren. Aber damals waren wir auch im Sommer, mitten in der Hochsaison hier. 

Auch der Weg zurück nach Skradin verläuft immer nah am Wasser.

Wir wandern entlang der vielen kleineren und größeren Wasserfälle über den ausgeschilderten Weg bis kurz vor Lozovac, wo eigentlich eine Brücke über den Skrdinski buk zurück zu unserem Ausgangspunkt führen sollte. Aber wir müssen umdrehen, die Brücke hat ein „Loch“ und ist gesperrt. Zurück beim Auto sind wir ziemlich geschafft, auch Sammy ist ausnahmsweise froh, dass er ins Auto darf und sich nicht mehr bewegen muss. Noch schnell einkaufen, dann starten wir noch einmal einen Versuch, in Tribunj ein offenes Restaurant zu finden. Aber auch im neuen Jahr ist alles zu.

Also doch wieder Vodice. Wir entscheiden uns für ein Grillrestaurant am Hafen. Platzprobleme haben wir nicht, wir sind alleine im Lokal, erst später kommen zwei Franzosen dazu. Die Dalmatinische Vorspeisenplatte ist gut, aber mit etwas zu viel Fisch drauf. Danach Cevapcici, zumindest einmal muss das in Kroatien sein. 

Am letzten Tag an der dalmatinischen Küste schwelgen wir noch einmal ein bisschen in Erinnerungen. Vor 15 Jahren waren wir zum ersten Mal in Kroatien, in einem kleinen Appartement auf der Insel Ciovo hinter Trogir. An die breite, langgezogene Uferpromenade können wir uns noch gut erinnern, an die beiden Brücken – die eine damals die einzige Zufahrt vom Festland, die andere rüber auf Ciovo, und beide ständig verstopft –, auch an den Fußballplatz hinter der Festung Kamerlengo, an die Altstadt weniger.

Ein kurzer Abstecher nach Trogir, um Erinnerungen aufzufrischen.

Dabei hat gerade die Altstadt mit ihren engen Gassen und kleinen Plätzen einen ganz besonderen Charme. Wir trinken noch Kaffee an der Riva, dann fahren wir zurück nach Tribunj, packen unsere Sachen schon einmal zusammen und genießen noch einmal die Terrasse und den Blick aufs Meer. 

Ein letzter Blick von der Terrasse auf die untergehende Sonne und den Esel von Tribunj.

Wir essen, natürlich, bei Simun in Vodice. Seeteufel in Weißwein und Plescavica, auch die sind bei einem Kroatienbesuch schließlich Pflicht. Danach noch einmal Terrasse, noch einmal Wein. Das Meer ist kaum mehr zu sehen, nur noch zu hören. Dafür wartet der Mond mit einer Überraschung auf: er hat einen Halo – ein leuchtender Kreis rundherum, der durch gebrochenes Licht entsteht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert